Michael Haneke Oscarpreisträger dreht erste Serie

Der Filmemacher Michael Haneke steht für das große europäische Kino. Nun dreht er zum ersten Mal eine TV-Serie und widmet sich seinem Lieblingsthema: der desaströsen Gesellschaft.

Filmregisseur Michael Haneke
REUTERS

Filmregisseur Michael Haneke


Er hat in den vergangenen Jahren ausschließlich fürs Kino gearbeitet, längst einen Oscar, zwei Goldene Palmen in Cannes und viele andere Auszeichnungen gewonnen, nun arbeitet Regisseur Michael Haneke an einer TV-Serie. In Zusammenarbeit mit Ufa Fiction und FremantleMedia entwickele der österreichische Regisseur einen Zehnteiler für den internationalen Markt, teilte die Ufa mit.

Unter dem Arbeitstitel "Kelwins Buch" entwirft Haneke, dessen bitterböses Sittengemälde "Happy End" im vergangenen Jahr im Wettbewerb von Cannes lief, ein dystopisches Szenario. Darin müssen ein paar junge Menschen in einer gar nicht so fernen Zukunft außerhalb der Grenzen ihrer Heimat notlanden und sich damit zum ersten Mal mit dem ihrem Heimatstaat auseinandersetzen.

"Es ist ein Stoff, mit dem sich Haneke schon seit Jahrzehnten beschäftigt", sagte Ufa-Sprecherin Anja Käumle auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Eine entsprechende Stoffsammlung ist in der Haneke-Sammlung auf der Homepage des Österreichischen Filmmuseums mit dem Jahr um 1988 datiert. Das umfangreiche Konvolut umfasst unter anderem handschriftliche Notizen, Zeitungsausschnitte und Entwürfe. "Das Treatment hat Haneke aber für die Serie komplett neu geschrieben", sagte Käumle.

Der 75 Jahre alte Filmemacher soll als Drehbuchautor und Showrunner fungieren, also für die Tagesgeschäfte zuständig sein. Zudem werde er bei zwei Folgen selbst Regie führen. Produzenten sind Nico Hofmann und Benjamin Benedict, Sebastian Weninger ist ausführender Produzent seitens Ufa Fiction.

Eine Geschichte wie ein langer Roman

"Nach zehn TV-Filmen und zwölf Kinofilmen hatte ich Lust, auch einmal eine längere Geschichte zu erzählen", sagte Haneke, der 2013 für "Liebe" mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Die Geschichte entwickele sich wie ein langer Roman, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die Serie spiele gleichzeitig morgen und vorgestern.

Nico Hofmann sagte: "Dass sich Europas größter Filmemacher dem seriellen Erzählen im Fernsehen zuwendet, ist eine kleine Sensation, dass Haneke eine Gruppe junger Menschen in den Mittelpunkt seiner Erzählung stellt, gibt einen vielschichtig irritierenden Ausblick auf die Frage, nach welchen Grundsätzen wir leben möchten."

Über den genauen Zeitplan und den Beginn der Produktion wollte Ufa-Sprecherin Anja Käumle nichts sagen.

brs



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