Ärger um Doku "Leaving Neverland" Michael Jacksons Nachlassverwalter verklagen HBO

Eine neue Dokumentation widmet sich den Missbrauchsvorwürfen gegen Michael Jackson, sie soll Anfang März ausgestrahlt werden. Die Nachlassverwalter des Musikers fordern nun 100 Millionen Dollar Schadensersatz.

Michael Jackson (1997)
REUTERS

Michael Jackson (1997)


Im Streit um eine Dokumentation über Missbrauchsvorwürfe gegen den verstorbenen Popstar Michael Jackson haben dessen Nachlassverwalter den TV-Sender HBO verklagt. Der zweiteilige Film "Leaving Neverland" von Dan Reed soll bei dem Bezahlsender am 3. und 4. März ausgestrahlt werden.

Jacksons Nachlassverwalter reichten nun bei einem Gericht in Los Angeles Klage ein und fordern darin ein Schlichtungsverfahren, wie der Branchendienst "Variety" berichtet. Sie hätten Anspruch auf Schadensersatz von mehr als 100 Millionen Dollar, heißt es demnach in der Klage. Das sind umgerechnet etwa 88 Millionen Euro.

HBO wird in der Klage vorgeworfen, gegen einen Vertrag aus dem Jahr 1992 verstoßen zu haben: Damals strahlte der Sender Aufnahmen von Jacksons Welttournee "Dangerous" aus und verpflichtete sich, den Musiker weder aktuell noch in der Zukunft zu verunglimpfen. Gegen diese Passage habe der Sender nun verstoßen, heißt es von den Nachlassverwaltern.

HBO hält an Ausstrahlung fest

"Leaving Neverland" hatte vergangenen Monat beim Sundance Filmfestival in Utah Premiere gefeiert. Darin erzählen zwei heute über 30 Jahre alte Männer und deren Familien, wie Jackson die beiden im Kindesalter angeblich auf seiner Neverland-Ranch sexuell missbrauchte.

Jackson war 2005 in einem Missbrauchsprozess in Kalifornien in allen Punkten freigesprochen worden. Damals ging es unter anderem um den Vorwurf, er habe einem anderen 13-Jährigen Alkohol gegeben und ihn auf der Ranch sexuell missbraucht.

Der zum Time-Warner-Konzern gehörende Bezahlsender HBO teilte am Donnerstag mit, man werde wie geplant an dem Ausstrahlungstermin der Dokumentation festhalten - "trotz der verzweifelten Bemühungen, den Film zu entwerten". So habe jedermann die Möglichkeit, den Film und die darin vorgebrachten Vorwürfe selbst zu bewerten.

"Propaganda, um einen unschuldigen Mann schamlos auszubeuten"

Howard Weitzman ist einer der Anwälte der Nachlassverwalter. Er sagte am Donnerstag, HBO "hätte sicherstellen können und müssen, dass 'Leaving Neverland' auf handfesten Quellen basiert, alle Fakten überprüft werden und es sich um eine faire und ausgewogene Darstellung handelt". Laut Weitzman handelt es sich bei dem Film um einen "einseitigen Marathon ungeprüfter Propaganda, um einen unschuldigen Mann schamlos auszubeuten".

Jacksons Familie hatte die Dokumentation und die Berichterstattung über die Missbrauchsvorwürfe im vergangenen Monat als "öffentliches Lynchen" bezeichnet. Michael Jackson sei "hundert Prozent unschuldig".

Der Musiker war 2009 im Alter von 50 Jahren gestorben.

aar/dpa/Reuters



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Ashurnasirapli 22.02.2019
1.
Eine Klage in den USA hat keinen Nachrichtenwert. Aus verschiedenen Gründen in der US-Rechtsordnung verklagt jeder jeden jederzeit auf irrwitzige Summen. Vor ein paar Wochen haben Fans die NFL wegen einer Schiedsrichterfehlentscheidung wegen emotionalen Stress bei Spielverlust verklagt.
Geographus 22.02.2019
2.
Zitat von AshurnasirapliEine Klage in den USA hat keinen Nachrichtenwert. Aus verschiedenen Gründen in der US-Rechtsordnung verklagt jeder jeden jederzeit auf irrwitzige Summen. Vor ein paar Wochen haben Fans die NFL wegen einer Schiedsrichterfehlentscheidung wegen emotionalen Stress bei Spielverlust verklagt.
Es ist ein gewaltiger Unterschied ob eine Partei aus relativ obskuren Gründen verklagt wird (z.B. aufgrund von emotionalen Stress bedingt durch eine Fehlentscheidung beim Sport wie in ihrem Beispiel), oder weil sie potenziell gegen rechtsgültig abgeschlossene Verträge oder Verpflichtungen verstoßen hat, wie es hier der Fall zu sein scheint.
bettina_runge 03.03.2019
3. Rufmord
„Leaving Neverland“ ist kein Dokumentarfilm, es ist die Art von Mord an Boulevardfiguren, die Michael Jackson im Leben und jetzt im Tod erdulden musste. Der Film nimmt unbestätigte Vorwürfe auf, die angeblich vor 20 Jahren stattgefunden hatten, und behandelt sie als Tatsache. Diese Ansprüche waren die Grundlage für Klagen dieser beiden zugelassenen Lügner, die schließlich von einem Richter abgewiesen wurden. Die beiden Ankläger bezeugten unter Eid, dass diese Ereignisse nie stattgefunden haben. Sie haben keine unabhängigen Beweise und absolut keine Beweise zur Stützung ihrer Anschuldigungen vorgelegt, was bedeutet, dass der gesamte Film ausschließlich vom Wort zweier Personen abhängt. Der Regisseur gab auf dem Sundance Film Festival zu, dass er seine Interviews nur auf diese Ankläger und ihre Familien beschränkt habe. Dabei verzichtete er bewusst darauf, zahlreiche Menschen zu interviewen, die viel Zeit mit Michael Jackson verbracht haben und eindeutig erklärt haben, dass er Kinder mit Respekt behandelt und ihnen nichts angetan hat. Durch die Entscheidung, keine dieser unabhängigen Stimmen aufzunehmen, die die Erzählung in Frage stellen könnten, die er verkaufen wollte, vernachlässigte der Regisseur die Tatsachenprüfung, sodass er eine Erzählung formulieren konnte, die so einseitig war, dass die Zuschauer niemals einem ausgewogenen Porträt nahekommen. 20 Jahre lang bestritt Wade Robson vor Gericht und in zahlreichen Interviews, auch nachdem Michael verstorben war, dass er ein Opfer war und erklärte, er sei dankbar für alles, was Michael für ihn getan hatte. Seine Familie profitierte bis zu Michaels Tod von Michaels Freundlichkeit, Großzügigkeit und Karriereunterstützung. Bequemerweise wurde in Leaving Neverland die Tatsache außer Acht gelassen, dass Robson, als ihm eine Rolle in einer Inszenierung von Michael Jackson mit dem Titel Cirque du Soleil verweigert wurde, plötzlich auf seine Angriffsvorwürfe aufmerksam wurde.
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