Millionenbetrug beim KiKa: Mutmaßlicher Komplize angeklagt

Er brachte den Millionenbetrug beim Kinderkanal KiKa ans Licht, jetzt muss er sich selbst vor Gericht verantworten: Die Staatsanwaltschaft Erfurt hat Anklage gegen den mutmaßlichen Komplizen des bereits verurteilten Ex-KiKa-Mitarbeiters Marco K. erhoben.

Funkhaus des Mitteldeutschen Rundfunks in Erfurt: 48 Fälle der Bestechung und Beihilfe Zur Großansicht
dapd

Funkhaus des Mitteldeutschen Rundfunks in Erfurt: 48 Fälle der Bestechung und Beihilfe

Erfurt/Hamburg - Der Millionenbetrug beim Kinderkanal Ki.Ka beschäftigt weiter die Erfurter Justiz: Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen mutmaßlichen Komplizen des im Sommer verurteilten Herstellungsleiters Marco K. erhoben. Dem 43-Jährigen werden 48 Fälle der Bestechung und Beihilfe zur Untreue vorgeworfen, sagte der Sprecher der Anklagebehörde, Hannes Grünseisen, am Montag. Damit bestätigte er einen Bericht des MDR Thüringen.

Der Angeklagte hatte die Betrugsaffäre im Oktober 2010 durch eine Selbstanzeige auffliegen lassen. Laut Staatsanwaltschaft hatte er als Geschäftsführer einer Berliner Produktionsfirma Scheinrechnungen für Dienstleistungen erstellt, die gar nicht erbracht wurden. Marco K. hatte diese dann zur Zahlung angewiesen und hinterher mehr als die Hälfte der Summe zurückerhalten. Allein nach Oktober 2005 ist dem Kinderkanal von ARD und ZDF dadurch ein Schaden von 4,6 Millionen Euro entstanden; die Taten zuvor sind bereits verjährt.

Wegen Bestechlichkeit und Untreue ist Marco K. bereits im Juli vom Landgericht Erfurt zu fünf Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt worden, der Richterspruch ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Marco K. hatte zu Prozessbeginn gestanden, den Sender mit Scheinrechnungen und fingierten Aufträgen um Millionen geprellt zu haben. Er begründete sein Verhalten mit seiner Spielsucht. Der MDR, der den KiKa federführend leitet, hatte den Schaden durch die Betrugsfälle mit insgesamt 8,2 Millionen Euro beziffert. Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre und acht Monate Haft gefordert. Die Verteidigung plädierte auf eine Strafe von nicht mehr als dreieinhalb Jahren.

Wann seinem mutmaßlichen Komplizen nun der Prozess gemacht wird, steht noch nicht fest. Bei einer Verurteilung drohen dem Mann mehrere Jahre Haft.

vks/dpa

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