Auto-Schleichwerbung ZDF will "Wetten, dass..?"-Gewinnspiel verbannen

Schleichwerbung bei "Wetten, dass..?": ZDF-Intendant Bellut hält die Vorwürfe gegen die Show für unbestätigt, will aber Konsequenzen ziehen. Er schlägt dem Fernsehrat vor, keine Auto-Gewinnspiele mehr zu machen. Wichtige Moderatoren sollen zudem künftig gesondert Rechenschaft ablegen.

Autogewinn bei "Wetten, dass..?": Ab Sommer vom Fernsehrat gestrichen
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Autogewinn bei "Wetten, dass..?": Ab Sommer vom Fernsehrat gestrichen


Im Schleichwerbeskandal um "Wetten, dass..?" will das ZDF nun Konsequenzen ziehen. In einer Beschlussvorlage für den Fernsehrat, der am Freitag tagt, weist Intendant Thomas Bellut zwar alle Vorwürfe zurück, dennoch will er die Regeln im ZDF verschärfen - angeblich nur, um dem "Anschein", es könnte etwas falsch laufen, entgegenzuwirken.

Als der SPIEGEL vor ein paar Wochen einige der vertraglichen Verknüpfungen zwischen Christoph Gottschalk, dem Bruder von "Wetten, dass..?"-Moderator Thomas, und den bei "Wetten, dass..?" als Sponsoren oder Gewinnspielpartner auftretenden Unternehmen enthüllte, wies das ZDF zwar alle Vorwürfe mit Hilfe seiner Juristen zurück. Intendant Bellut gab sich aber grundsätzlich zerknirscht.

In seinem Bericht, den er am heutigen Freitag dem Fernsehrat gibt, verfährt er ähnlich. Auf mehreren Seiten windet sich der Intendant aus den juristisch heiklen Fragen heraus, um am Ende aber doch Konsequenzen zu ziehen - allerdings nur für die Zukunft.

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"Wetten, dass..?": Schleichwerbevorwürfe gegen Gottschalk
Immerhin ist zwischen den Zeilen zu lesen, was Bellut vom Geschäftsgebaren seines einstigen Starmoderators zu halten scheint. "Obwohl sich bislang der vom SPIEGEL geäußerte Verdacht nicht erhärtet" habe, sei "deutlich geworden, dass die geschäftlichen Aktivitäten des Moderators und seines Bruders den Anschein der Verquickung von Geschäft und Moderation erweckt haben".

Die sichtbarste Maßnahme, die der Intendant verspricht: Der Sender will ab dem Sommer 2013 bei "Wetten, dass..?" keine Autos mehr ausloben. Auch will er die vom SPIEGEL und Rundfunkrechtlern scharf kritisierte "werbliche Wirkung der Preispräsentation" bei Gewinnspielen "weiter reduzieren".

Auch organisatorisch will Bellut in der Zukunft einiges ändern. Das ZDF werde für die Akquisition von Gewinnspielen künftig keine Beauftragten - wie die Gottschalk-Firma Dolce Media - einschalten, um "eine durchgängige Kontrolle durch das ZDF" zu gewährleisten. Auch werde es künftig nicht mehr möglich sein - wie bei den Verträgen von Dolce Media mit Automobilherstellern -, dass ein Unternehmen Sponsor ist und zugleich bei einem Gewinnspiel einen Preis bereitstellt. Zudem will Bellut von den "programmprägenden Moderatoren" des Senders jährlich Erklärungen "über die Einhaltung der Regelungen über Werbung, Sponsoring, Gewinnspiele und Produktionshilfe einholen".

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Steuerzahler0815 08.03.2013
1.
Toll wie die Bürokraten unser Leben bestimmen. Es kann doch jeder selbst entschieden ob er da mitmachen will. Ich hab vor etwa 15 Jahren dort ein Auto gewonnen und finde diese Regelung daneben!
lollopa1 08.03.2013
2. Herr Bellut, wenn dann sollen Sie mal richtig aufräumen!
Das Sportstudio muss nicht von einem Bierbrauer präsentiert werden, auch andere Sportübertragungen nicht. Wenn Sie sich mal irgend so eine Biathlonübertragung anschauen fällt Ihnen bestimmt auf wo die Kameras positioniert sind damit die Marken BMW und Vissmann möglicst lange im Bild bleiben, auch das kann man ändern.
frubi 08.03.2013
3. .
Zitat von sysopDPASchleichwerbung bei "Wetten, dass..?"? ZDF-Intendant Bellut hält die Vorwürfe gegen die Show für unbestätigt, will aber Konsequenzen ziehen. Er schlägt dem Fernsehrat vor, keine Auto-Gewinnspiele mehr zu machen. Wichtige Moderatoren sollen zudem künftig gesondert Rechenschaft ablegen. http://www.spiegel.de/kultur/tv/nach-schleichwerbe-vorwuerfen-wetten-dass-ohne-auto-gewinnspiel-a-887611.html
Wie wäre es mal den nächsten Schritt zu gehen und die gesamte Werbung in den ÖR-Anstalten zu verbieten. Das stört jedes mal und man kann beinahe froh sein, dass Werbung ab 20:00 Uhr verboten ist.
thema_verfehlt 08.03.2013
4.
Genau wegen solchen Betrügereien und fehlenden Kontrollinstanzen, gehört der gesamt ÖR gründlich überarbeitet. Es war nicht der erste Skandal und wird mit Sicherheit nicht der letzte gewesen sein. Wozu überhaupt Werbung, im ÖR? Mit fast 8 Mrd. Euro im Jahr müssten die Herren dort nur mal lernen richtig zu wirtschaften, und sich nicht selber nur die Taschen zu füllen. Darum hier zeichnen: https://www.openpetition.de/petition/online/abschaffung-der-gez-keine-zwangsfinanzierung-von-medienkonzernen
nun-ja 08.03.2013
5.
Bei über 7,5 Milliarden! Gebühreneinnahmen (ohne Werbung und Sponsoring) müssten die inzwischen 23! öffentllch- rechtlichen Fernsehsender ( über 60 Radiosender) eigentlich auf Werbung verzichten können. Das wurde dem Programm insgesamt gut tun.
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