Nach Unruhen im Irak: Behörde entzieht al-Dschasira Sendelizenz

Studio von al-Dschasira in Katar: Bald nicht mehr im Irak zu empfangen Zur Großansicht
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Studio von al-Dschasira in Katar: Bald nicht mehr im Irak zu empfangen

Nach Ansicht von irakischen Behörden schürt al-Dschasira "Gewalt und Sektierertum" im Land. Nun wurde dem kritischen arabischen Sender zusammen mit anderen Satellitenprogrammen die Lizenz entzogen.

Hamburg/Bagdad - "Wir haben uns entschieden, die Lizenz einiger Satellitenprogramme, die durch ihre Beiträge zu Gewalt und Sektierertum anstacheln, auszusetzen." Mit diesem Statement begründete die irakische Kommunikations- und Medienkommission den Schritt, insgesamt zehn Fernsehstationen die Sendeerlaubnis zu entziehen - darunter auch der panarabische Sender al-Dschasira.

Die Maßnahme der irakischen Behörde erfolgt zu einem Zeitpunkt, zu dem es im Land zu größeren Unruhen gekommen ist. In unterschiedlichen Provinzen protestieren sunnitische Muslime gegen die von Schiiten geführte Regierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki. Seit der vergangenen Woche sind bei Auseinandersetzungen zwischen Protestteilnehmern und Sicherheitskräften rund 180 Menschen ums Leben gekommen. Allein bei der Auflösung eines Protest-Camps 200 Kilometer nördlich von Bagdad starben zwei Dutzend Menschen.

Gerade in al-Dschasira sieht die irakische Regierung eine große Gefahr für ihre Politik. Das in Katar ansässige Unternehmen hatte ausgiebig von den Ereignissen des Arabischen Frühlings berichtet. Immer wieder wurden Außenstellen des Senders in arabischen Ländern geschlossen, weil einigen Regierungen die Berichterstattung zu kritisch war. Auch im Irak war ein al-Dschasira-Büro geschlossen worden.

Der Sender antwortete nicht direkt auf die Aberkennung der Sendelizenz. Aber auf seiner Homepage wurde folgendes Statement veröffentlicht: "Wir fordern die Behörden auf, die freie Berichterstattung für Medien aufrechtzuerhalten, um auch weiterhin über wichtige Ereignisse im Irak berichten zu können."

Am Sonntag waren die Sendesignale al-Dschasiras im Irak immer noch zu empfangen.

cbu/AP

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