Nachfolger von Mathias Richling: Dieter Nuhr erklimmt den "Satire Gipfel"

"Einfach mal die Fresse halten" - das wird Dieter Nuhr in Zukunft noch weniger können als bisher. Der profilierte Kabarettist vom Niederrhein ersetzt Mathias Richling als Moderator der "Scheibenwischer"-Nachfolgesendung "Satire Gipfel". Neu dabei ist auch der WDR.

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Comedian Dieter Nuhr: "Der kann alles moderieren"

Berlin/Hamburg - Dieter Nuhr wird Nachfolger von Mathias Richling beim ARD-"Satire Gipfel". Der 49-Jährige übernehme ab Januar 2011 die Rolle des Gastgebers der Sendung, teilte der Rundfunk Berlin- Brandenburg (RBB) am Dienstag mit. Nuhr sei einer der profiliertesten deutschen Kabarettisten, sagte RBB-Programmdirektorin Claudia Nothelle. Die monatliche Sendung wird in Zukunft vom RBB mit Unterstützung des Westdeutschen Rundfunks (WDR) produziert. Der Bayerische Rundfunk (BR) war aus der gemeinsamen Produktion mit dem RBB ausgestiegen.

Richling hatte am Montag seinen Abschied vom "Satire-Gipfel" bekanntgegeben. Er wolle sich intensiver um seine eigene Sendung "Studio Richling" für seinen Heimatsender Südwestrundfunk (SWR) kümmern, die als Wiederholung ebenfalls in der ARD zu sehen ist. Richlings Vertrag für den "Satire Gipfel" läuft im Dezember aus. Der Kabarettist war Anfang März vergangenen Jahres mit dem "Satire Gipfel" auf Sendung gegangen. Die ARD habe ihm eine Vertragsverlängerung angeboten, doch er habe das Angebot abgelehnt. Zu Nuhr als seinem möglichen Nachfolge hatte Richling gesagt: "Dieter Nuhr kann alles moderieren. Geeignet ist er auf jeden Fall."

Der vom Niederrhein stammende Nuhr hatte zunächst Kunst und Geschichte auf Lehramt studiert. 1987 wurde er Kabarettist in einem Ensemble, erste Soloauftritte folgten 1992. Sein erstes Soloprogramm führte er 1994 unter dem Titel "Nuhr am Nörgeln" auf Kleinkunstbühnen auf. Einen ersten großen Erfolg hatte er mit seinem Programm "Nuhr weiter so", das 1998 mit dem Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte "Kabarett" ausgezeichnet wurde.

Bekannter wurde Nuhr vor allem durch TV-Auftritte unter anderem beim früheren "Scheibenwischer", in der "Harald Schmidt Show", dem "Quatsch Comedy Club" oder als Rateteammitglied bei "Genial daneben". Im ZDF kommentierte er verschiedene Sportgroßereignisse. Nuhrs Wahlspruch lautet: "Wenn man keine Ahnung hat: Einfach mal die Fresse halten."

Die ersten acht Sendungen des in der Nachfolge des "Scheibenwischers" gestarteten "Satire Gipfel" waren nach Angaben des RBB 2009 von durchschnittlich 1,52 Millionen Zuschauer verfolgt worden, was einem Marktanteil von 10,2 Prozent entspricht. Vor dem Start hatte der Kabarettist Dieter Hildebrandt Richling verboten, den von ihm erfundenen Namen "Scheibenwischer" zu verwenden. Im letzten Jahr des "Scheibenwischers" 2008 hatten im Durchschnitt 2,38 Millionen Zuschauer (Marktanteil 13,5 Prozent) eingeschaltet.

In ARD-Kreisen war auch über Harald Schmidt als möglichen Richling-Nachfolger nachgedacht worden. Schmidt jedoch gab kurz darauf seinen Wechsel zu Sat.1 bekannt.

feb/dpa/dapd

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1. Eine sehr gute Wahl
Bremerland 28.09.2010
Dieter Nuhr beherrscht es wie wohl kein anderer, mit seiner Comedy viele, auch eher unpolitische, Zuschauer zu begeistern und gleichzeitig immer wieder in scharfzüngigen Randbemerkungen die Zustände zu kritisieren. Richling hingegen kann ähnlich gut parodieren wie Matze Knoop oder Oli Pocher, macht aber auch ähnlich oft gute politische Witze wie diese. Selbst Cindy aus Marzahn ist da besser.
2. Ein Grosser wird von einem Grossen beerbt.
chico 76 28.09.2010
Zitat von sysop"Einfach mal die Fresse halten" - das wird Dieter Nuhr in Zukunft noch weniger können als bisher. Der profilierte Kabarettist vom Niederrhein ersetzt Mathias Richling als Moderator der "Scheibenwischer"-Nachfolgesendung "Satire Gipfel". Neu dabei ist auch der WDR. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,720077,00.html
Und der Grösste(Harald)bleibt uns auch erhalten. Was will man noch mehr verlangen?
3. Endlich
Tertinator 28.09.2010
Endlich wird der (meiner Meinung nach) völlig unlustiger Richling ersetzt. Seine Blödelei war meiner Meinung nach leider nur albern. Nuhr wird aber etwas aus der Sendung machen.
4. Richling
Medien-Kritiker 28.09.2010
Zitat von BremerlandDieter Nuhr beherrscht es wie wohl kein anderer, mit seiner Comedy viele, auch eher unpolitische, Zuschauer zu begeistern und gleichzeitig immer wieder in scharfzüngigen Randbemerkungen die Zustände zu kritisieren. Richling hingegen kann ähnlich gut parodieren wie Matze Knoop oder Oli Pocher, macht aber auch ähnlich oft gute politische Witze wie diese. Selbst Cindy aus Marzahn ist da besser.
Bei Nuhr stimme ich Ihnen zu.Ich höre ihm auch sehr gerne zu, allerdings sehe ich ihn nicht unbedingt als klassischen Polit-Kabarettisten.Er verstehet es wie kein zweiter alltägliche Situationen urkomisch darzustellen.Und das Ganze passiert auf einem gewissen Niveau. Richling finde ich zu anstrengend und sein hektisches Gebrabbel ist zwar manchmal amüsant, aber häufig auch einfach nur platt. Spätestens seit Bruno Jonas (aber auch schon mit dem Ende von Hildebrandt) aufgehört hat ist der Satire-Gipfel/Scheibenwischer nicht mehr das, was er mal war. Meine absoluten Favoriten unter den reinen Polit-Kabarettisten sind Volker Pispers und Hagen Rether, da kommt für mich Niemand heran.Leider sieht man Beide relativ selten im TV.
5. Was darf Satire, was m u s s Satire? Alles !
Monsieur Rainer 28.09.2010
Dieter Nuhr ist sicher ein würdiger Nachfolger für seine würdigen Vorgänger. Er versteht es, mit leisen und weisen Tönen auch noch den absurdesten politischen Ereignissen den notwendigen kabarettistischen Glanz zu verleihen. Und das wird immer schwieriger. Denn wo Politik nur noch als Satire erscheint, bedarf es übermenschlicher Kunst, daraus noch Kabarett zu machen. Die Besten sind daran schon verzweifelt. Otti Fischer wird schwächer, Pelzig hält sich, Schramm ist gegangen, Pispers liebt die Kleinkunstbühnen, Urban Priol macht sich rar, Schmickler kocht bald über vor Zorn! Es gibt viel Nachwuchs, aber wie kommt man gegen die starren Formate an, wie macht man zugespitztes Kabarett, ohne bei den politisch-korrekten Fernsehbeamten aufzufallen? Dabei schreien die Politiker förmlich danach, durch die kabarettistische Jauchegrube gezerrt zu werden. Wenn man die Statements der Politiker heute noch begreifen und nackt und wahr, bar jeglicher Girlanden, verstehen will, dann sollte man nicht mehr den Hofschranzen der Nachrichtensendungen bei der Verlesung der Verlautbarungen aus dem Politbüro zuhören, sondern politisches Kabarett sehen. Wie sagte schon Karl Valentin : " Gar nicht erst ignorieren ".
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