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EM-Quali bei RTL: Feuchtigkeitslotion für die Augen

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Das Spiel der Nationalmannschaft gegen Schottland wurde von RTL übertragen. Ist jetzt alles anders als bei den Öffentlich-Rechtlichen? Besser gar?

Nationalelf im Privatfernsehen: Ein Hologramm für den König Fotos
DPA

Ist jetzt plötzlich alles anders?

Nein. Irgendwie ist alles noch wie bei der WM. Ein eingeblendeter Countdown dreieinhalb Stunden vor Anpfiff, mehrere Reporter, die sich irgendwo vor Ort im schwarz-rot-goldenen Volksfest tummeln und Fans befragen, dazu Vorberichte im dramatischen Duktus des "Heute ist der Tag, auf den wir alle hingefiebert haben". Allein: Es ist EM-Qualifikation, grauer Alltag, der Gegner heißt Schottland, und die Qualifikation ist doch eigentlich schon sicher. Wieso also das ganze Bohei? RTL soll für vier Jahre Quali-Spiele 100 Millionen Euro bezahlt haben. Dafür kriegt man einige Supertalent-Folgen produziert. Diese Relationen muss der Konsument auch sehen.

Aber was zeigt RTL dann dreieinhalb Stunden vor Anpfiff?

Ganz nah ran ging es an den "Weltmeister-Macher". Im Lieblichkeitsdreiklang Gesichtscreme, Mode und Ehefrau transportierte ein 30-minütiges Löw-Portrait ein nahezu fußballfreies RTL-Wohlgefühl in die Wohnzimmer. Eine große Tube Feuchtigkeitslotion für die Augen. Zumindest für diejenigen, deren WM-Wissen auf den Bewegtbildversuchen der Spielerfrauen Cathy Fischer (Bild-Zeitung) und Sila Sahin gründet. Bisweilen entstand zwischen Weichzeichner und Off-Stimme aus dem Selbstfindungsautomaten der Eindruck, dass dieser adrette Mitfünfziger, dieser legere Landwirt aus dem Schwarzwald-Städtchen Schonau, als RTL-Bauer eine Frau sucht. Doch dafür sind einem die Gesichter dann doch zu vertraut. Und außerdem ist dieser "Jogi", wie er durchgehend genannt wurde, ja auch viel zu stylish: "Egal was Jogi trägt, die Massen konsumieren. Der exklusive Jogi-Style, ausverkauft."

Der Fußballinteressierte hat also nichts Neues erfahren?

Irgendwann wurde Löws Friseur befragt. Sein Friseur. Also eher nein.

Aber mit Jens Lehmann wurde das alles doch besser?

Ja, tatsächlich. Der ehemalige Nationaltorhüter hatte die Kollegen früher gerne mit seiner Unangepasstheit genervt. Als TV-Experte ist diese Eigenschaft durchaus begrüßenswert. Blieb im ganzen Event-Taumel vor allem nach dem Spiel angenehm sachlich, auch wenn es rhetorisch gerne mal so rumpelte wie in fast vergessenen DFB-Zeiten.

War sonst alles moderner?

Naja, das unvermeidliche Rangeschmeiße an die Twitter-Gemeinde kennt man ja von den Öffentlich-Rechtlichen. Bei RTL mäandert das Thema zwischen genialischer Erkenntnis (Lehmann: "Die Spieler wissen doch gar nicht, was sie da machen") und Sätzen vom ewig grinsenden Felix Gröner, die man genau so erwartet hatte: "Selfie hier, Selfie da, du mit mir, ich mit dir."

Was war sonst noch typisch RTL?

Diese Zuschauernähe, im wörtlichsten - und nicht unbedingt besten - Sinn. Früher wandelte Günther Jauch mit Dieter Thoma vor lila Milka-Strick an Skischanzen entlang, heute besuchen Florian König und Jens Lehmann schwarz-rot-goldenes Polyester auf der Dortmunder Südtribüne. Vor lauter Nähe fehlt da manchmal die nötige Bewegungsfreiheit. Als beide endlich auf dem Rasen stehen und die Aufstellung mithilfe überlebensgroßer Spieler-Hologramme präsentieren, kommt aber doch alles dort an, wo es hin soll - beim Spiel.

Also war zu wenig Fußball?

Nicht unbedingt, denn natürlich wurde auch der Zustand der Nationalmannschaft nach dem WM-Gewinn analysiert. Und das etwas mehr wie bei Sky als wie bei ARD/ZDF, was gar nicht so schlecht sein muss. Dabei durfte Thomas Müller am iPad spielen. Und der liefert sowieso immer. Also der Müller.

Das Spiel?

Ja, auch da lieferte Müller. Aber auch Kommentator Marco Hagemann. Es zeigte sich: Im thematisch eher festgesteckten Rahmen eines Fußballspiels finden nicht nur Werbeblöcke keinen Platz, auch Gesichtscreme und die Frisur des Bundestrainers werden verschluckt von der Tiefe des großen grünen Raumes. Hagemann nutzte diesen. Erregungspotenziale der Zuschauer dürfen sich bei ihm komplett über das sportliche Geschehen ausbreiten. Die nervenschonende Alternative zu manch öffentlich-rechtlichem Kollegen.

Und die Einschaltquote?

Sehr stark - zumindest in der zweiten Halbzeit. 11,71 Millionen Fans sahen da zu (Marktanteil: 39,7 Prozent). In der ersten Hälfte des Spiels hatten allerdings zunächst nur 9,98 Millionen Menschen vor dem Fernseher mitgefiebert (28,6 Prozent). Der gute Schweizer "Tatort" über Bad Banks und Offshore-Kriminalität, der überschneidend zur ersten Halbzeit ab 20.15 Uhr in der ARD lief, fiel zwar zum ersten Mal seit längerer Zeit unter die Sieben-Millionen-Marke, hielt sich mit 6,27 Millionen Zuschauern (18,6 Prozent) aber immer noch recht wacker.

Also schalten wir am 11. Oktober gegen Polen wieder ein?

Ja, so rund 15 Minuten vor Anpfiff.

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1. Kommentator
odins_krautsalat 08.09.2014
Mir war (ist) dieser Hagemann 1000x lieber, als Schlaftablette Steffen Simon, bei dem ich (soweit verfügbar) den Audiokanal wechsele, hin zur "Radio"-Version. Ist diese nicht verfügbar, wird der Ton eben komplett runtergedreht und Musik zum Spiel eingeschaltet. Der Kommentator war, aus meiner Sicht jedenfalls, okay. Das ganze Klimbim davor und danach schau ich mir eh nicht an (egal, auf welchem Sender).
2. Leider nicht empfangbar
joshua_37 08.09.2014
ich kann die Spiele hier nicht sehen, da RTL hier nicht auf DVB-T ausstrahlt also nicht über Antenne empfangbar ist. Schade dass der DFB beim Verkauf der Lizenzen hier nicht Druck gemacht hat.
3. RTL und EM
aat 08.09.2014
Die Beiden Kommentatoren, König und Lehmann, waren so ziemlich das Schwächste, was man installieren konnte. Der bessere Teil war da noch Lehmann, weil er versuchte eine Art von Spontanität zu kreieren. König war nicht besser, als die Werbung für Twix oder Seitenbacher. Einfach nur langweilig und ein Grund, den Sender zu wechseln ! Der Unterschied zu den öffentlichen-rechtlichen Sendern war sicher nicht groß, aber es gibt ihn und die anderen waren deutlich besser !
4. Wenn man RTL denn sehen könnte
Herr_Ärmel 08.09.2014
Wenn man sie denn auch sehen könnte, die Quali-Spiele auf RTL. Der Sender hat behauptet, sie wären weiter für alle frei empfangbar. Was glatt gelogen ist. Wer nur DVB-T hat, guckt in die Röhre. Da, wo DVB-T überhaupt jemals verfügbar war und die Privatsender überhaupt jemals mitgemacht haben, hat RTL sich inzwischen zurückgezogen (weil sie auf DVB-T2, Verschlüsselung und damit auf Zusatz-Abzocke warten). Wer meint, dann halt einen Live-Stream im Internet anzuschauen zu können, hat auch Pech gehabt. Gibt's bei RTL nur in einem kostenpflichtigen Abo. Das Spiel heute gab's zum Anfixen noch umsonst. Ab dem nächsten Spiel kostet's. Auf dem iPad funktioniert es sowieso nicht. Wer dann halt auf andere (legale) Internet-Streaming-Angebote (à la Zattoo) ausweichen will, wird überrascht feststellen, dass die Privatsender dort auch immer extra kosten. Wenn ich mich recht erinnere, haben diese Herrschaften mal eine Sendelizenz für frei empfangbares, werbefinanziertes und ansonsten kostenloses Fernsehen für alle bekommen. Vielleicht sollte man mal die Sendelizenzen überprüfen. Nicht, dass mir RTL ("Bauer sucht Frau" etc.) irgendwie gefehlt hätte. Bis zum heutigen Länderspiel.
5. Das
Checkker 08.09.2014
war nach ARD und ZDF ein neuer Graus. Fussballübertragungen deutscher Spiele sind nur noch im ausländischen TV geniessbar. Dabei kann man sogar einen arabischen Reporter mehr abgewinnen, als diesen Pfeiffen im deutschen Fernsehen. Und da macht RTL keine Ausnahme. Ausser das es da gefühlt noch mehr Werbung gibt, als bei den anderen. Aber das kann täuschen. Wie schon bei der F1 ist auch Fussball bei dem Sender mehr als deplaziert, leider regiert das Geld. Aber es gibt ja inzwischen genug Streams, um sich diese Hasenhirne vom Schirm zu halten.
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