Netflix-Serie "Marvel's The Defenders" Superhelden B-Seite

Was im Kino glückt, sollte auch auf Netflix klappen. Marvel führt seine Serienhelden "Luke Cage", "Daredevil", "Jessica Jones" und "Iron Fist" zusammen. Genau wie bei den "Avengers", nur eben eine Nummer kleiner.

Netflix

Ein Superheld alleine bringt nichts, heutzutage muss es schon ein ganzes Team sein. Das shared universe, das gemeinsame Erzähluniversum, ist der Trend im Comic-Verfilmungs-Genre. Und niemand kann das besser als das Filmstudio von Marvel, die haben es vorgemacht: Hulk, Thor und Ironman sind neben mehreren Einzelfilmen zusätzlich bereits in zwei "Avengers"-Filmen zusammengekommen, mit großem Erfolg an der Kinokasse. Zuletzt hat sich auch die Konkurrenz DC vom Realismus der Nolan-Batman-Filme verabschiedet und versucht sich mit Batman, Wonder Woman und Superman am Thema Teambuilding. "Justice League" soll im November in die Kinos kommen.

Es war also nur eine Frage der Zeit, bis das Prinzip auch das Fernsehen erreichen würde (wobei man sagen könnte, dass das Fernsehen viel früher mit dem shared universe angefangen hat. Erinnert sich noch jemand an Hercules und Xena?). Vor allem, weil Marvel mit seiner zweiten Riege Superhelden auf Netflix sehr erfolgreich ist. Mit "Luke Cage", "Daredevil", "Jessica Jones" und "Iron Fist" haben sie die beste Ersatzbank der Superheldenliga.

Und die schließt sich jetzt in einem eigenen Abenteuer zu "Marvel's The Defenders" zusammen, die TV-Version der "Avengers". Halt nur eine Nummer kleiner. Während Iron Man und Captain America damit beschäftig sind, Aliens, Superroboter oder wahlweise sich gegenseitig zu bekämpfen, kümmern sich Luke Cage und Co. um die Gangster und Kleinkriminellen von New York. In "Defenders" überschneiden sich also die Wege der vier Helden, die man bisher in jeweils einer Staffel alleine bewundern konnte (Daredevil bekam sogar schon zwei). Und natürlich wollen sie zunächst gar nicht zusammenarbeiten. Das gehört sich so, welche Superhelden treffen sich schon und sagen: Los, wir gründen eine Bande. Es muss komplizierter sein, alleine schon aus dramaturgischen Gründen.

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Netflix-Serie "Marvel's Defenders":

Zu Beginn finden sich die Helden an unterschiedlichen Punkten in ihrem Leben. Luke Cage kommt aus dem Gefängnis und kehrt in sein geliebtes Harlem zurück. Matt Murdock ist nur noch Matt Murdock, Anwalt, und nicht mehr Daredevil. Jessica Jones macht das Gleiche wie immer, trinkt und arbeitet als Privatschnüfflerin. Und Iron Fist fliegt um die Welt und möchte die geheimnisvolle Geheimorganisation "Die Hand" zerschlagen. Sein Weg führt ihn nach New York.

Die ersten Episoden folgen den vier Helden jeweils einzeln, wodurch das Tempo hoch bleibt und eine gewisse Dringlichkeit entsteht. So bleibt man als Zuschauer dabei, bevor sich die Helden endlich treffen. Bei nur acht Folgen bleibt nicht viel Zeit für einen langsamen Aufbau.

Und das Zusammentreffen ist natürlich unausweichlich. Schließlich haben sie einen gemeinsamen Feind, jeder der vier kreuzt auf die ein oder anderen Weise den blutigen Weg der "Hand", ob es um den Fall eines verschwundenen Familienvaters geht oder um einen Getto-Jungen aus Harlem, den Luke Cage von der Straße holen will. Hinter der Hand steht die böse Alexandra, gespielt von Sigourney Weaver - die jede Szene, in der sie zu sehen ist, mit der für eine Superschurkin notwendigen Intensität und Kälte bereichert.

Am anderen Ende des Spektrums steht in dieser Hinsicht Finn Jones, manchen (ach was: jedem) bekannt als Loras Tyrell, Ritter der Blume, aus " Game of Thrones". Er spielt Danny Rand aka Iron Fist und klingt von allen vier Helden immer irgendwie am plattesten und pathetischsten zugleich ("I'm the immortal Iron Fist"). Vor allem aber trifft der Charakter Entscheidungen, für die man ihn eigentlich aus dem Superheldenkader streichen sollte. Es verwundert nicht, das "Marvel's Iron Fist" als die schwächste der Netflix-Superheldenserien gilt.

Die manchmal etwas ungelenken Dialoge helfen den Defenders auch nicht gerade. Aber irgendwie müssen sich die Superhelden ja schnell zusammenschließen, sich streiten, sich versöhnen und gleichzeitig noch so viel Exposition unterbringen, dass die Serie auch für Zuschauer ansehbar ist, die die vorangegangenen Serien nicht kennen. Das verlangt schon einiges. Und dabei müssen die Defenders auch noch menschlich klingen, das ist ihr größtes Unterscheidungsmerkmal zu den Avengers. Die Defenders sind normale Menschen, denen eher zufällig außergewöhnliche Kräfte verliehen wurden. Die Avengers sind einfach nur außergewöhnlich (ein millionenschweres Tech-Genie, ein nordischer Gott, Hulk).

Wenn die Helden sich in Folge vier endlich zusammenschließen, ist auch schon die Hälfte der Staffel vorbei. Bald werden sie wieder zu ihren eigenen Geschichten zurückkehren, eine zweite Staffel "Jessica Jones", "Luke Cage" und "Iron Fist" sollen 2018 kommen. Und wenn die dann durch sind, da kann man fast sicher sein, wartet eine zweite Staffel Defenders auf die Helden. Das ist nämlich auch ein Trend im Comicverfilmungs-Genre: Niemals aufhören.


"Marvel's Defenders". Ab 18.8. auf Netflix



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hegri 18.08.2017
1. Auch die erste Liga
der Marvel-Helden ödet. Selbst gute Besetzungen helfen nicht mehr, wenn die Aufnahmefähig der Zuschauer durch überbordende Effekt-Feuerwerke an natürliche Grenzen stößt.
silkhood 18.08.2017
2. Erst informieren dann schreiben
Sehr geehrter Herr Giammarco. Nicht nur, das Sie in Ihrem Artikel Ihr seidenes Halbwissen plakativ zur Schau stellen, nein Sie bringen auch soviel persönliche Meinung mit ein, das Ihr Artikel eigentlich als Kolumne und damit als subjektive Meinung gekennzeichnet werden müsste. Hätten Sie sich die Mühe gemacht, wenigstens etwas, über das Marvel Cinematic Universe zu recherchieren, dann hätten Sie erkannt das diesem ein komplexes Storyboard zu Grunde liegt, dessen Roadmap schon seit Jahren feststeht. Es handelt sich also keineswegs um eine kurzfristige Entscheidung um mal eben noch ein paar Millionen zu scheffeln. Hätten Sie sich, nur etwas, mehr mit den zu Grunde liegenden Serien und Filmen beschäftigt, wäre Ihnen aufgefallen, das die Defenders schon jetzt miteinander verbunden sind. Jessica Jones hat eine Affäre mit Luke Cage. Und der wird von der Freundin von Dare Devil, einer Krankenschwester versorgt. Zur Veranschaulichung empfehle ich Ihnen folgendes Diagramm: http://i.imgur.com/ipXtr3J.jpg. Und um Ihr Bild vom Großen und Ganzen zu vervollständigen sollten Sie mal nach Marvel Infintysteine googeln. Dann wird auch Ihnen klar das darüber Thor, die Avengers, Guardians of the Galaxy zusammen gehören. Und, Achtung Spoiler, 2019 wird das ganze Marvel Cinematic Universe mit Infinty War II einen Abschluss finden. cu silkhood
aschie 18.08.2017
3. Avangers
War nicht wirklich mein Fall Die übertreiben ein bißchen mit den Superhelden. Erst alleine und dann als Gang .Die Vier die da nun an den Start gehen könnte auch als Selbsthilfe Gruppe für manisch depressive Superhelden durchgehen.Das könnte vieleicht sogar innteresannt werden.
twistie-at 18.08.2017
4.
Zitat von silkhoodSehr geehrter Herr Giammarco. Nicht nur, das Sie in Ihrem Artikel Ihr seidenes Halbwissen plakativ zur Schau stellen, nein Sie bringen auch soviel persönliche Meinung mit ein, das Ihr Artikel eigentlich als Kolumne und damit als subjektive Meinung gekennzeichnet werden müsste. Hätten Sie sich die Mühe gemacht, wenigstens etwas, über das Marvel Cinematic Universe zu recherchieren, dann hätten Sie erkannt das diesem ein komplexes Storyboard zu Grunde liegt, dessen Roadmap schon seit Jahren feststeht. Es handelt sich also keineswegs um eine kurzfristige Entscheidung um mal eben noch ein paar Millionen zu scheffeln. Hätten Sie sich, nur etwas, mehr mit den zu Grunde liegenden Serien und Filmen beschäftigt, wäre Ihnen aufgefallen, das die Defenders schon jetzt miteinander verbunden sind. Jessica Jones hat eine Affäre mit Luke Cage. Und der wird von der Freundin von Dare Devil, einer Krankenschwester versorgt. Zur Veranschaulichung empfehle ich Ihnen folgendes Diagramm: http://i.imgur.com/ipXtr3J.jpg. Und um Ihr Bild vom Großen und Ganzen zu vervollständigen sollten Sie mal nach Marvel Infintysteine googeln. Dann wird auch Ihnen klar das darüber Thor, die Avengers, Guardians of the Galaxy zusammen gehören. Und, Achtung Spoiler, 2019 wird das ganze Marvel Cinematic Universe mit Infinty War II einen Abschluss finden. cu silkhood
dankeschoen, das war mir auch gleich aufgefallen. Da herrscht wohl Halb- bis Nichtwissen. Und auch wenn "Civil War" offiziell kein Avengersfilm war, dann brachte er doch die Helden zusammen, namentlich ja nun Iron Man, War Machine, Black Widow, Hawkeye, Captain America, Ant Man, Black Panther, Spiderman, Scarlet Witch, Vision. Thor, Hulk fehlten aus dramaturgischen Gründen. Aber das ganze ist von langer Hand geplant und schon jetzt greifen ja Serien wie auch Filme ineinander, besonders deutlich wie Agents of Shield und den Filmen rund um die Avengers.
Celegorm 18.08.2017
5.
Zitat von silkhoodSehr geehrter Herr Giammarco. Nicht nur, das Sie in Ihrem Artikel Ihr seidenes Halbwissen plakativ zur Schau stellen, nein Sie bringen auch soviel persönliche Meinung mit ein, das Ihr Artikel eigentlich als Kolumne und damit als subjektive Meinung gekennzeichnet werden müsste. Hätten Sie sich die Mühe gemacht, wenigstens etwas, über das Marvel Cinematic Universe zu recherchieren, dann hätten Sie erkannt das diesem ein komplexes Storyboard zu Grunde liegt, dessen Roadmap schon seit Jahren feststeht. Es handelt sich also keineswegs um eine kurzfristige Entscheidung um mal eben noch ein paar Millionen zu scheffeln. Hätten Sie sich, nur etwas, mehr mit den zu Grunde liegenden Serien und Filmen beschäftigt, wäre Ihnen aufgefallen, das die Defenders schon jetzt miteinander verbunden sind. Jessica Jones hat eine Affäre mit Luke Cage. Und der wird von der Freundin von Dare Devil, einer Krankenschwester versorgt. Zur Veranschaulichung empfehle ich Ihnen folgendes Diagramm: http://i.imgur.com/ipXtr3J.jpg. Und um Ihr Bild vom Großen und Ganzen zu vervollständigen sollten Sie mal nach Marvel Infintysteine googeln. Dann wird auch Ihnen klar das darüber Thor, die Avengers, Guardians of the Galaxy zusammen gehören. Und, Achtung Spoiler, 2019 wird das ganze Marvel Cinematic Universe mit Infinty War II einen Abschluss finden. cu silkhood
Jein. Natürlich haben solche Projekte, egal ob Kinofilm oder TV-Serie, immer eine lange Planungs- und Vorlaufzeit. Ebenso besitzt Marvel natürlich ein langfristiges Konzept für das "Cinematic Universe". Anzunehmen, dass dieses Konzept nicht beständig und so weit als möglich an der Resonanz des Publikums und dem finanziellen Erfolg angepasst wird, ist aber auch naiv. Das zeigt sich auch daran, dass u.a. bei den Filmen diverses umgestellt wurde, sowohl im Zeitplan wie grundlegend. Von da her muss man sicherlich davon ausgehen, dass die "Defenders"-Entwicklung erst dann gutgeheissen wurde, als "The Avengers" ein voller Erfolg wurden, und auch dass die Produktion wohl nicht angelaufen wäre, wenn "Jessica Jones" ein Flop geworden wäre.
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