Neue Comicserien und -filme Ein Iron Man fürs "Star Wars"-Universum

Der Markt der Comic-Adaptionen ist hart umkämpft: Disneys "Star Wars"-Serie bekommt einen Showrunner mit Marvel-Meriten, Netflix sichert sich ein extremes Helden-Universum, Vin Diesel wird Supersoldat.

Valiant

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Jon Favreau
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Jon Favreau

Bei "Star Wars" darf Disney nichts dem Zufall überlassen, da sind die Fans empfindlich. Für die geplante TV-Serie aus dem Sternenkrieger-Kosmos, die als Premiere auf dem hauseigenen Streamingdienst gelauncht werden soll, hat der Entertainment-Konzern jetzt den Mann verpflichtet, der einst den Weg für das Marvel Cinematic Universe bereitete: Jon Favreau soll die Live-Action-Serie schreiben und als Produzent aktiv betreuen.

Der 51-Jährige, der seine Karriere als Schauspieler begann (u.a. "Very Bad Things"), drehte für Marvel 2008, kurz vor der Disney-Übernahme, den ersten "Iron Man"-Film, der zum weltweiten Blockbuster wurde. Auch bei "Iron Man 2" führte Favreau Regie und übernahm dann die Produktion der Reihe und der anschließenden "Avengers"-Filme. Nebenbei trat er in den Marvel-Filmen immer wieder kurz als Happy Hogan auf, der tumbe, aber liebenswerte Bodyguard von "Iron Man" Tony Stark.

Favreau drehte für Disney auch schon die erfolgreiche Live-Action-Adaption des "Dschungelbuchs" und arbeitet zurzeit an der Neuverfilmung von "Der König der Löwen" mit Donald Glover in einer der Hauptrollen. Auch für die Regie von "Star Wars: Das Erwachen der Macht" war Favreau einst im Gespräch, nun übernimmt er stattdessen den TV-Ableger des Franchise.

Lucasfilm-Präsidentin Kathleen Kennedy freute sich, dass die Serie, die vermutlich Ende 2019 starten wird, "Jon die Gelegenheit geben wird, mit einer diversen Gruppe aus Autoren und Regisseuren zusammenzuarbeiten, um eine robuste Talentbasis zu bilden".

Favreau hat sicher das richtige Händchen und den nötigen Humor für die Aufgabe, nicht alle waren jedoch begeistert über Disneys Wahl, die ausgerechnet am Weltfrauentag verkündet wurde. Auf Twitter regte sich Unmut, dass erneut keine Frau oder eine Person of Colour eine so wichtige Position erlangen konnte: "Vielleicht mal Leute anheuern, die nicht weiße Heteromänner sind? Vielleicht nur ein einziges Mal?", schrieb ein User.

Andere beklagten, dass Disneys Anspruch, mehr Diversität in ihre Filme und Serien zu bringen, geheuchelt sei, solange auf Führungsebenen keine anderen Geschlechter oder Hautfarben eine Rolle spielen.

Valiant-Comic "Bloodshot"
Valiant

Valiant-Comic "Bloodshot"

Gegen die Marktübermacht von Disney (Marvel, "Star Wars") und Warner (DC) zu bestehen, ist nicht leicht. Um das, was abseits der großen zwei Comicverlage an Heften und Graphic Novels publiziert wird, tobt ein Verteilungskampf. Eines der größten alternativen Superhelden-Universen unterhält der Verlag Valiant, deren populärste Comics "Bloodshot" und "Harbinger" von Sony verfilmt werden. Den mit Nanotechnologie reanimierten Supersoldaten, der versucht, sein altes Leben zu rekonstruieren, wird Vin Diesel verkörpern. Sony meldete am Freitag die Vertragsunterzeichnung mit dem "Fast and Furious"-Star.

Der "Bloodshot"-Film, geschrieben von "Arrival"-Autor Eric Heisserer, soll im Stile von Achtzigerjahre-Actionfilmen wie "RoboCop" gedreht werden. Regie soll Dave Wilson führen, der mit Tim Miller bereits an Marvels "Deadpool"-Film gearbeitet hat. Die 1992 erstmals veröffentlichte "Bloodshot"-Heftreihe umfasst über 100 Ausgaben, von denen mehr als sieben Millionen Exemplare verkauft wurden. Andere erfolgreiche Valiant-Titel, darunter "X-O Manowar", "Shadowman", "Archer & Armstrong" und "Ninjak" sollen in den kommenden Jahren von DMG Entertainment (u.a. "Looper") verfilmt werden. DMG ist seit Januar einer der Hauptanteilseigner des Comicverlags.

Vin Diesel
Getty Images

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Auch Netflix, wo bisher exklusiv Marvel-Serien wie "Daredevil", "Luke Cage" oder "Jessica Jones" laufen, versucht, sich unabhängiger von der Disney-Ware zu machen. Der Streamingdienst erwarb jetzt die Rechte am sogenannten Extreme Universe, einem Figuren- und Themenkosmos des US-Comic-Künstlers Rob Liefeld, der einst "Deadpool" miterfand. Zum Rechte-Portfolio, das Netflix angeblich für einen siebenstelligen Betrag erwarb, gehören ultrabrutale, einer größeren Öffentlichkeit weitgehend unbekannte Anti-Helden-Comics wie "Bloodstrike", "Bloodwulf" und "Re-Gex", die Liefeld in den Neunzigerjahren schuf. Branchenberichten zufolge will Netflix zunächst eine Reihe aus Stand-Alone-Filmen aus den Stoffen machen.

Liefeld-Comic "Bloodstrike"
Rob Liefeld/ Image Comics

Liefeld-Comic "Bloodstrike"

Liefelds bekanntere Heftreihen, darunter die für Image Comics produzierten Serien "Youngblood", "Prophet" und "Glory" sind auffälligerweise nicht Teil des Deals. Dafür sicherte sich Netflix bereits im vergangenen Jahr die Rechte an allen künftigen Comics des Star-Autors Mark Millar, indem es dessen eigenen Imprint Millarworld kaufte. Millars erfolgreichste Bücher "Kick-Ass" und "Kingsman" wurden bereits erfolgreich verfilmt. Der Schotte gilt als einer der größten Ideengeber und eines der größten Talente der Branche und wird bereits mit Marvel-Legende Stan Lee verglichen.



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