Serie "24: Legacy" Zeit für einen neuen Helden

Die Serie "24 "ist wieder da. "Legacy" spielt drei Jahre nach der letzten Mission von Jack Bauer. Jetzt geht der junge Agent Eric Carter auf Terroristenjagd: Kann er mit dem Vorgänger mithalten?

AP/ Fox

Von Nina Rehfeld


"Tock-tick, tock-tick, tock-tick" pingt die elektronische Uhr von "24" durch eine Unterführung im New Yorker JFK-Flughafen, die von oben bis unten zur Werbefläche für "24: Legacy" umfunktioniert wurde. "Neuer Tag, neuer Held", flimmert über die Bildschirme neben dem Fußgänger-Laufband. Fox hat kaum Kosten und Mühen gescheut, die Zuschauer für diesen Reboot zu begeistern - ein riskantes Projekt, denn das neue "24" muss ohne seine bisherige Hauptfigur auskommen.

Jack Bauer, Terroristenjäger und Weltpolizist im Alleingang, ist nicht mehr. Das Schicksal Amerikas, der westlichen Zivilisation, der ganzen Welt, liegt nun in den Händen des ehemaligen Army Rangers Eric Carter (Corey Hawkins). Kiefer Sutherland, der Jack Bauer von 2001 bis 2010 in der Serie verkörperte (und außerdem in dem TV-Film "24: Redemption" und der 12-teiligen Weiterführung "24: Live Another Day"), ist nur noch als Produzent dabei.

Kann das funktionieren? Ja, es funktioniert. Und das liegt nicht nur an der soliden Darstellung von Corey Hawkins, sondern an einer clever konzipierten Neuauflage, die an den richtigen Stellen Innovation wagt und ansonsten der altbewährten, wenn auch imperfekten Formel verhaftet bleibt.

Seien wir ehrlich: Kiefer Sutherlands Jack Bauer war zuletzt nur noch ein Schatten - ausgebrannt, kaputt, ein Mann, der nichts mehr zu verlieren hatte. Es war, sofern man an "24" festhalten mochte, an der Zeit, einen neuen Helden zu finden. Und es war ein kluger Zug, einen zu finden, der Bauer ziemlich unähnlich ist. Carter ist Afroamerikaner, er ist jung, er hat einen Ehrenkodex und eine Ehefrau (Anna Diop als Nicole) - dieser Mann hat einiges zu verlieren. Auch Carter trägt Narben, aus Einsätzen in Afghanistan, auch er muss fürchten, von der eigenen Regierung verraten worden zu sein. Und auch er sieht sich im Dienst einer größeren Sache, die sonst niemand zu schultern wagt.

Die Macher von "24" - Joel Surnow, Robert Cochran, Howard Gordon, Evan Katz und Manny Coto - verfolgen ihr erprobtes Rezept mit routinierter Konsequenz: Maulwürfe, verzwickte Verschwörungen, die in höchste Regierungskreise reichen, enormer Zeitdruck und ein widerwilliger Held, der eben tut, was nötig ist, um die Welt vor dem Untergang zu bewahren.

Terroristen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln unschädlich machen

"24" brachte 2001 den Actionfilm mit einem cleveren Konzept ins Fernsehen: Jede Staffel erzählte einen Tag im Leben des Terroristenjägers, jede Folge in Echtzeit eine Stunde, und mit dem (zugegebenermaßen bisweilen seltsam unmotivierten, aber visuell effektiven) Split Screen und der dramatisch tickenden Uhr im Soundtrack wurde die Spannung nicht nur erzählerisch, sondern strukturell gefasst. Man muss kein Faible für den politischen Überbau der Story haben - Terroristen bedrohen die Welt und müssen notfalls unter Rückgriff auf alle zur Verfügung stehenden Mittel unschädlich gemacht werden - um sich von diesem Thrillerkonzept in den Bann ziehen zu lassen.

Im Nachgang der Terroranschläge vom 11. September 2001 kanalisierte die Serie, die im November des Jahres debütierte, wirkungsvoll den Schock und die Ängste vieler Amerikaner. Jack Bauer fand gar Eingang in die reelle politische Debatte darüber, ob Folter gerechtfertigt ist, um Informationen zu bekommen, die womöglich künftige Terroranschlägen verhindern könnten. Das freilich ist inzwischen zugleich eine seltsam ferne und wieder aktuelle Ära. Und dass "24: Legacy" sorgfältig eine Thematisierung zeitgemäßer Terror-Ängste und des politischen Umgangs damit umschifft, wurde ihr hierzulande vielfach zum Vorwurf gemacht. Inwiefern fiktionales Fernsehen gehalten ist, die politische Realität zu reflektieren oder gar zu kommentieren, ist indes eine Debatte für sich.

Weitgehend einig mag man sich darüber sein, dass das Kabelfernsehen mit "24" begann, seinen Status als schmuddeliger Cousin des Kinos abzustreifen. Und inzwischen hat sich einiges getan in der amerikanischen TV-Landschaft - unter anderem im Hinblick auf die Modalitäten der Abbildung afroamerikanischer Figuren. Dennis Haysbert wurde in "24" (das auch eine weibliche Präsidentin imaginierte) als Präsident David Palmer zu einer Art televisionärem Vorläufer von Barack Obama, aber er war letztendlich auch eine Alibi-Figur, wie sie vielfach in der Form von schwarzen Juristen, Polizeipräsidenten oder sonstigen positiven Nebenfiguren vorkamen: Afroamerikaner in einer von weißen Figuren dominierten Geschichte, welche die Lebenswirklichkeit vieler schwarzer Amerikaner kaum widerspiegelten.

Das ist in Amerikas Fernsehlandschaft inzwischen anders. Der Titelheld von Netflix'"Luke Cage", lebt im vorwiegend schwarzem Harlem, wo sich die Alteingesessenen von Gentrifizierungsprojekten gutverdienender Weißer bedroht fühlen; die FX-Comedyserie "Atlanta" betrachtet eine Handvoll aufstrebender schwarzer Musiker; "Queen Sugar" erzählt auf Oprah Winfreys Sender OWN von den afroamerikanischen Erben einer Zuckerrohrplantage. All dies sind, wie inzwischen viele andere, Geschichten aus genuin afroamerikanischer Perspektive.

Auch Eric Carter ist in einer schwarzen Lebenswirklichkeit verwurzelt - den Projects von Washington, D.C. "Es geht nicht darum, eine Serie über ethnische Identitäten zu machen. Aber dies ist die Realität", sagte Corey Hawkins dem "Hollywood Reporter". Erics Bruder Isaac (Ashley Thomas) ist dort ein Drogenbaron, der es Eric noch immer verübelt, das "Team" verlassen und sich auf die Seite der Regierung geschlagen zu haben, die dafür berüchtigt ist, politischen Opportunismus über das Wohl ihrer treuesten Soldaten zu stellen. Und dass Erics Ehefrau Nicole die Ex von Isaac ist, macht die Sache besonders delikat.

Actionsequenzen und undurchsichtige Spielchen auf höchster Regierungsebene

Denn für Eric Carter werden die Projects zum komplizierten Rückzugsgebiet auf seiner Flucht vor den Dschihadisten, die vier seiner Teamkameraden samt deren Familien ermordet haben und nun ihn und seinen Kumpel Ben (Charlie Hofheimer) im Visier haben. Ben droht an den Härten des Krieges den Verstand zu verlieren, und Eric begreift sich als seinen Mentor und Beschützer - auch wenn Bens Instabilität zum echten Problem für Carter und die Terrorismusbekämpfungsbehörde CTU wird.

Neuer Chef des CTU ist Keith Mullins (Teddy Sears), ein Mann, dessen Integrität weit fragwürdiger ist als die der vormaligen Chefin Rebecca Donovan (Miranda Otto), die ihren Posten verließ, um die Präsidentschaftskampagne ihres Mannes John (Jimmy Smits) als erster Hispanier im Weißen Haus zu unterstützen. Sie ist Carters Vertraute, auch wenn sie offiziell nicht mehr im CTU legitimiert ist.

Das neue "24", das drei Jahre nach den Ereignissen von "24: Live Another Day" ansetzt, ist damit genau das, was man erwartet: "Es ist albern", urteilte der Hollywood Reporter" treffend, "aber eben albern im Rahmen von '24'." "Legacy" ist immer noch keine vielschichtige Auseinandersetzung mit internationalem Terrorismus, aber für die Fans von "24" mag so viel genügen: Corey Hawkins ist als Eric Carter allemal ein würdiger Nachfolger von Jack Bauer.


24: Legacy: Ab 13. Februar, immer montags um 22.20 Uhr auf Sky 1



insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
blueberryhh 06.02.2017
1. cool !
freu mich `drauf!
madlex 06.02.2017
2.
Die erste Folge lief gestern Abend als Special nach dem Superbowl, FOX hat dafür ordentlich die Werbetrommel gerührt. Wirklich überzeugt war ich nicht, werde der zweiten Folge heute Abend aber in jedem Fall nochmal eine Chance geben. Wenns mir dann immer noch nicht gefällt, schaue ich Staffel 1 der Originalserie nochmal, die war damals absolut großartig.
NewYork76 06.02.2017
3. War OK
Die erste Folge war ok. Aber wirklich fesselnd war es dann auch nicht. Die Split-Screen Schnitte waren ja bei der ersten 24 Staffel noch sinnvoll eingesetzt um Parallelhandlungen zu zeigen und Spannung aufzubauen, aber nun ist es nur noch ein Gimmick. Die Handlung konnte man auch noch nach Super Bowl Bierkonsum problemlos verfolgen. Fuer mich also insgesamt eher in der Kategorie: "Wenn sonst nichts laeuft..." Aber vielleicht werden die naechsten Folgen ja noch interessanter.
GegnerallerDummköpfe 06.02.2017
4. Viel Werbung...
gestern beim Superbowl für diese Serie. Und ich musste die ganze Zeit den Kopf schütteln angesichts der Ideenlosigkeit heutiger Serienmacher. Es wird alles wiederholt. Zudem musste ich mit dem Kopf schütteln da die Pseudolinken wirklich alles ruinieren, Filme wie Fernsehen. Es gibt wenige Ausnahmen. Die ganze Serie ist abscheinend voller PC-Schwachsinn, nur eines ist noch geblieben. Die Propaganda gegen Moslems. Diesen Rassismus gibt es von den Linken und den Rechten in den USA.
3daniel 06.02.2017
5. Wir hingen damals an der Nadel
Nachts um zwei: "Eine Folge geht noch" trotz Kind und Arbeit. Wir haben dann mal "versucht" die alten Staffeln wieder zu sehen. OMG wie reaktionär ist das denn. Dagegen ist Trump mit Waterboarding ja Kindergarten. Wenn ich mich recht erinnere hat Sutherland in einer Serie einem Bösewicht den Kopf abgesägt um damit einen anderen Bösewicht zum reden zu bringen. Mann oh Mann wir waren damals schon etwas "unreflektiert" aber Spaß hat es uns gemacht, ehrlich jetzt....... die Neuauflage ist schon gebucht :)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.