"Noch Fragen?" auf ProSieben Würstchenwissen

Unterhaltung nach dem "Warum ist die Banane krumm"-Prinzip: "Noch Fragen? Die Antwortshow" hat ihre amüsanten Momente - problematisch wird es, wenn man sich beim Zuschauen zurück in der Schule wähnt.

ProSieben

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Am schönsten war die Stelle mit dem Würstchen. Als "Germany's Next Topmodel"-Absolventin Elena Carrière mit einem handelsüblichen Wienerle als Ersatzfinger ein Tablet bediente, hatte das eine grobe Poesie, die einen ganz wie damals in der Schule kurz wegdriften ließ von der schnöden Physikwelt. Tatsächlich fühlte sich "Noch Fragen? Die Antwortshow" (ProSieben) mitunter tatsächlich an wie damals, als man sich gerade mühsam durch eine Doppelstunde Erdkäs gewuchtet hatte und keine Ahnung hatte, wie man gleich noch Frau Huberschnalz, die überstelzte Geschichtslehrerin, überstehen sollte.

Drei Stunden Wissensshow fühlten sich tatsächlich an wie sechs Stunden Schule, vom anschließenden Wahlunterricht ganz zu schweigen. Dabei musste man sich allerdings, das war schön, ausnahmsweise einmal zu Hause nicht schämen, als der generelle Wissensstand prominenter Menschen geprüft wurde, wie erst letztens beim "Nachsitzen!"-Stumpfdebakel auf RTL.

In der ProSieben-Variante hatten sich die Promis vorbereitet: Angeleitet von Aiman Abdallah und Florian "Schmiso" Schmidt-Sommerfeld übernahmen Menschen wie Tim Bendzko, Esther Schweins, Jana Pallaske, Antoine Monot jr. und Thomas Heinze jeweils ein Wissensgebiet, zu dem sie ihre Kollegen im "Sendung-mit-der-Maus"-Stil befragten: Warum ist Schnee weiß und warum sind Gullydeckel rund? Wo geht das Fett hin, wenn wir abnehmen? Und, natürlich muss das die erste Frage sein: Warum bekommen Männer eine morgendliche Erektion?

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"Noch Fragen? Die Antwortshow": Das Geheimnis der Falttechnik

Die Antworten darauf wurden in der gebotenen Zackigkeit abgehandelt, auch das ein Pluspunkt. Gelegentlich gab es Extraerklärungen von Moderatorin und Physikerin Angela Halfar, von Abdallah selbstverständlich als "attraktivste Physikerin Deutschlands" angekündigt. Nur einmal möchte man erleben, dass ein Moderator einen gut aussehenden männlichen Physiker mit ähnlich onkeligem Augenzwinkern fragt, warum er sich denn um Gotteswillen ausgerechnet für dieses ja doch ganz schön komplizierte Fach entschieden habe.

Leider verpasste die Show die Frage, warum das Aussehen bei Frauen immer noch so viel wichtiger ist als ihre Schlauheit, klärte aber immerhin, warum gefaltete, vollbeladene Umzugkartons eigentlich nicht auseinanderkrachen. Nämlich mit einer Art Menschenmikado, bei dem sich die prominenten Rater analog zur Falttechnik mit ihren Körpern ineinander verwoben.

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Jedes Wissensgebiet wurde nämlich mit einem etwas aufwendigeren Experiment aufgeheitert, die tatsächlich ganz amüsant anzuschauen waren. Comedian Ingmar Stadelmann bewies, dass zwei ineinander gefaltete Telefonbücher eine so stabile Allianz eingehen, dass man damit sogar einen Reisebus ziehen kann, Thomas Heinze briet auf einer Zeitungsseite immerhin semi-erfolgreich ein Spiegelei, und Esther Schweins zeigte, dass ein gewöhnlicher Tischtennisball mit seiner Bewegungsenergie den dazugehörigen Schläger durchlöchern kann, wenn man ihn aus einem Unterdruckrohr schießt. Eine schöne Anregung für den perfekten Mord.

In etwas kleineren Häppchen verabreicht wäre all das ein solide gemachtes, durchaus unterhaltsames Format - ausgedehnt auf drei Stunden macht es leider vor allem Appetit auf ein drei Tage im Ranzen vergessenes Leberwurstbrot.



insgesamt 13 Beiträge
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nibbler 14.07.2017
1. Frau Rützel: Setzen, sechs!
Liebe Frau Rützel, ich gehe davon aus dass Sie die Show nicht gesehen haben. 3 Stunden Langeweile, Promis die nicht vorbereitet waren (besonders Antoine Monot jr), langweiligen, wenn auch sachlich richtigen, Erklärungen ("warum muss man nach Alkoholgenuss öfter auf Toilette?") und einem Moderator dem es sichtlich peinlich war sowas zu präsentieren. Am Ende waren alle sichtlich froh dass es vorbei war....6 Stunden Unterricht Kunstgeschichte wären interessanter gewesen als 5 Minuten dieser Sendung.
dingstabumsta 14.07.2017
2. Programmplatz 155
Ich mag schon lange die privaten Sender nicht mehr. Anfangs stimmte noch das verhältnis von Werbung und Unterhaltung - aber seit jahren nicht mehr. Es geht nur noch darum, Shows so lange zu strecken, damit noch mehr Werbung bzw. Werbepopups aufgehen können...Inhaltlich war diese Rateshow auf dem geistigem Niveau von Grund oder -Förderschülern. Es gab mal Shows, wo man sich gefreut hat, wenn diese mal 30 min Überzogen hatten, weil es einen Charismatischen Showmaster gab, witzige Spiel Ideen....etc...heutige Moderatoren verwechselt man leicht mit einem Immobillienmakler, oder Wärmedeckenverkäufer auf Kaffeefahrten...sprich Talentfrei und Charmgefühl.
max-mustermann 14.07.2017
3.
Zitat von dingstabumstaIch mag schon lange die privaten Sender nicht mehr. Anfangs stimmte noch das verhältnis von Werbung und Unterhaltung - aber seit jahren nicht mehr. Es geht nur noch darum, Shows so lange zu strecken, damit noch mehr Werbung bzw. Werbepopups aufgehen können...Inhaltlich war diese Rateshow auf dem geistigem Niveau von Grund oder -Förderschülern. Es gab mal Shows, wo man sich gefreut hat, wenn diese mal 30 min Überzogen hatten, weil es einen Charismatischen Showmaster gab, witzige Spiel Ideen....etc...heutige Moderatoren verwechselt man leicht mit einem Immobillienmakler, oder Wärmedeckenverkäufer auf Kaffeefahrten...sprich Talentfrei und Charmgefühl.
Na das passt doch dann perfekt zum durchschnitts (Privat)Fernsehkonsumenten. Ist doch schön wenn die Leute auf diesem Weg ein bisschen was lernen wo sie doch in der Schule kaum (geistig) anwesend waren.
ncassady 14.07.2017
4. Danke
Frau Rützel, ich möchte mich bedanken, da ich dank ihnen kein Fernsehen schauen muss und trotzdem immer weiss was läuft. Das Lesen macht viel mehr Spaß als fernsehen. Oh Gott, drei Stunden, danke, dass sie sich das antun.
realplayer 14.07.2017
5.
Nur zur Info - die Einschaltquoten waren hundsmiserabel.
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