Von Tim Slagman
Woher kenne ich dieses Format nur? Das Konzept ähnelt schon auffällig dem von "Schlag den Raab": ein prominenter Gegner, ein moderierender Zeremonienmeister (mit Sonja Zietlow hier eine Meisterin), ein Sportreporter als Kommentator und die exorbitante Länge der Sendung. Selbst das riesige elektronische Laufband, auf dem die Studiokulisse das jeweilige Spiel anzeigt, hat man sich anscheinend bei ProSieben ausgeborgt.
Tritt der Raab nicht sogar selbst auf? Nein, aber sein Imitator (und Senderkollege) Max Giermann von "Switch Reloaded". Für das Spiel "Körper-Karaoke" setzt er Songtexte pantomimisch um. Klasse Idee, höchst witzig dargebracht, sauschwer.
Und die Zietlow? Ist die nicht längst in Australien, Dschungelcamp und so? "Alle auf den Kleinen" ist natürlich aufgezeichnet. Also keine superauthentischen Pinkelpausen wie bei Raab, dafür ein paar schön altmodisch gezeichnete Cartoons, die die Umbauarbeiten im Studio überbrücken. Und Sylvie und Rafael van der Vaart sind hier, jedenfalls in einer Quizfrage, auch noch zusammen.
Wie sind die Spiele? Geradezu verkrampft vielseitig, Beweglichkeit oder körperliches Geschick ist bei den meisten gefragt. Ein Tisch ist nur mit dem Mund zu dekorieren, auf seltsamen Riesenwasserskiern gilt es, Plastikentchen aus dem Pool zu löffeln, als lebende Glockenklöppel müssen die Kandidaten eine Melodie nachspielen. Dazu kommen verschärfte Quizrunden, in denen Kakteen den Buzzer umringen oder die Kandidaten sich in einem gigantischen Hamsterrad auf dem Fahrrad überschlagen. Dabei tritt Pocher entweder in einem Duell gegen nur einen der drei Kontrahenten oder gegen alle gleichzeitig an.
Ist das nicht total unfair? Höchstens, weil Pocher den Abend im Anzug mit Fliege gegen seine sportgerecht gewandeten Gegner bestreiten muss. Das Punktesystem jedenfalls räumt ihm in der Gesamtabrechnung einigermaßen gleiche Chancen ein. Aber zum Konzept der Show gehört unbedingt der Underdog-Faktor des Protagonisten, den die Profis vor der Kamera in geradezu penetranter pseudo-komischer Manier wieder und wieder betonen. Da sind wir auch schon beim
lahmsten Running Gag: Siehe Titel der Sendung. "Du brauchst dich nicht zu bücken, um unter dem Tisch durchzukommen." Ha. "Für Pocher reicht ein normaler Standföhn." Haha. Oder, als die Kandidaten sich in einen vielleicht hüfthohen Plastikwürfel zwängen: "Sein Vorteil ist, er kann darin stehen." Hahaha.
Wie munter ist Pocher? Erst gegen Ende wird er schön frech, zuvor ist er merklich nervös und dadurch deutlich weniger giftig als gewohnt. Dies fällt vor allem deshalb auf, weil er ja zur totalen Nervensäge stilisiert wurde, auf deren zu erwartende deftige Niederlage man sich unbedingt zu freuen habe. In Wirklichkeit spekuliert man bei RTL aber offensichtlich darauf, dass sich das Blatt der Sympathie wendet, wenn der Kleine gegen zwei durchtrainierte Kerle und eine nicht minder fitte Frau antreten muss. Diese Taktik scheint zumindest beim Studiopublikum einigermaßen aufzugehen - selbst, als Pocher irgendwann punktet und punktet und sogar in Führung geht.
Fiebert man kräftig mit? 100.000 Euro Preisgeld locken heutzutage vermutlich nicht mehr allzu viele Menschen vor den Fernseher - was allerdings eher ein Problem unserer TV-Kultur als dieses spezifischen Formats ist. Dennoch hat man sich an größere Triumphe gewöhnt und an stärker personalisierte Duelle, und dieser Vergleich, ob bewusst oder unbewusst, schadet "Alle auf den Kleinen" doch enorm.
Wozu dann das Ganze? Während die meisten anderen Shows noch in der Weihnachtspause vor sich hin schlummern, stößt RTL mit aller Gewalt in diese Lücke - jüngst gab es eine aufgewärmte Version der "Traumhochzeit", schon an diesem Samstag wird zum ersten Mal für die mittlerweile 10. Staffel von "DSDS" vor Dieter Bohlen und Co. geträllert und ab 11. Januar stehen wieder Krokodilpenis und Schneckenschleimcocktail im australischen Dschungel auf der Speisekarte.
Also keine Innovation weit und breit? Doch: Kurz vor dem Finale, das nur einer der Pocher-Gegner gegen ihn bestreiten darf, müssen sich die drei auf einen von ihnen als Kandidaten einigen. Wer freiwillig verzichtet, hat 10.000 Euro sicher - falls es keine Einigung gibt, entscheidet das Publikum, und die beiden Übrigen gehen komplett leer aus. Tatsächlich brauchen die Kandidaten gar nicht so lange, um den Arzt Knut fürs Finale zu nominieren, der tatsächlich mit den verbleibenden 80.000 Euro nach Hause gehen kann. Belohnte Uneigennützigkeit, das gibt's in einem Wettbewerbsformat nicht so häufig.
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