Opdenhövels Countdown: Blödsinn mit Charme

Von Arno Frank

ARD-Mann Matthias Opdenhövel wird seinem Ruf als Allzweckwaffe gerecht. Er moderiert seine neue Spielshow mindestens so souverän wie die "Sportschau". Bei "Opdenhövels Countdown" lässt er Kandidaten Glühbirnen einschrauben oder Bälle auf Buchstaben werfen - und macht dabei einfach Spaß.

Neue ARD-Show: Bälle, Buchstaben, Blödsinn Fotos
WDR

Immerhin - die neue ARD-Show "Opdenhövels Countdown" ist keine Hehlerware. Die Ideen wurden nicht, wie im deutschen Fernsehen sonst üblich, aus England oder den USA zusammengeklaut und unbeholfen fürs hiesige Publikum übersetzt. Vorsichtshalber legt sie sich auf gar kein Prinzip fest und bedient sich ansonsten offen bei einheimischen Produktionen. Das Ergebnis ist ein sinnfreies Potpourri aus "Schlag den Raab", "Wetten, dass ..?", "100.00 Mark Show" und "Spiel ohne Grenzen".

Vor allem aber ist es eine Bühne für Matthias Opdenhövel, seit knapp einem Jahr bei der ARD und dort als die neue "Allzweckwaffe" gefeiert, wie vor ihm schon Kai Pflaume oder Jörg Pilawa. Einer, der von den "Tagesthemen" bis zum "Musikantenstadl" notfalls alles gleichermaßen souverän wegmoderieren können soll. Und wirklich: "Opdenhövels Countdown" hätte leicht ein Desaster werden können - wäre die Show nicht von Opdenhövel moderiert worden.

Der Mann ist 41 Jahre alt, hat mal BWL studiert, war dann bei Viva, beim Frühstücksfernsehen und moderierte zuletzt das Auswahlverfahren für den "Eurovision Song Contest", die "Wok-WM" oder "Schlag den Raab". Im Sommer 2011 machte er die ohnehin etwas bemühte Frauenquote zunichte und folgte der wegen Krankheit ausgeschiedenen Monica Lierhaus bei der "Sportschau".

Seitdem wurde er nicht müde zu erwähnen, er fühle sich endlich "angekommen" und habe beim Öffentlich-Rechtlichen eine "Heimat" gefunden. Kritiker fürchteten wahlweise, er werde mit seinem losen Mundwerk im seriösen Fach anecken - oder aber sich den Schneid abkaufen lassen. Nichts von beidem trat ein. Bei der "Sportschau" liefert er eine solide Leistung ab, gilt inzwischen gar als Bereicherung. Blieb also nur die Frage, ob er überhaupt noch unterhalten kann. Er kann.

Bälle, Buchstaben, Blödsinn

Bei "Opdenhövels Countdown" treten vier Kandidaten mit- und gegeneinander an und spielen um maximal 100.000 Euro. Eine hauptberufliche Mutter, ein Harley fahrender Feuerwehrmann, ein Student (Management) und eine Studentin (Weinbau). Ganz normale Leute also, die in 90 Minuten Bälle auf Buchstaben warfen, Autos auf Waagen austarierten, Dominosteine aufstellten, Städte anhand ihrer Silhouetten errieten, Glühbirnen einschraubten und allerhand anderen Blödsinn trieben.

Weil es schnell gehen musste, ging es oft drunter und drüber, und als Opdenhövel versehentlich den Kasten mit den Glühbirnen zerstörte, breitete er die Arme aus und rief: "Wer hat diesem Trottel hier ne Show gegeben? Dann ha'm wir gleich zwei Sendungen hier, die erste und die letzte!"

Solch situative Selbstironie hob sich wohltuend ab von den üblichen Witzen über Cindy aus Marzahn, Lady Gaga oder Rainer Calmund. Überhaupt war Opdenhövel immer dann am besten, wenn er von einstudierten Späßen à la "Wie wird man Weinkönigin? Ich hab' mich oft beworben und bin's nie geworden!" Abstand nehmen und improvisieren konnte.

Die Kandidaten spielen die Hauptrolle

Dabei glitt er nie ins Zotige ab und zeigte Häme selbst dort nicht, wo sie sich anbot. Zu seinen Gästen suchte und fand er schnell den passenden Draht, wusste, wen er milde bespötteln durfte und wer ein wenig Aufmunterung gebrauchen konnte - und vor allem, dass er hier nicht die Hauptrolle spielte.

Die spielte am Ende eine brave dreifache Mutter, die auf dem Weg zu ihren 65.000 Euro exakt zehn Mal das Wort "Scheiße" sagte, rief oder stöhnte. Sehr nett. Je mehr die zeitlich leicht überzogene Sendung mit ihren schlecht vorbereiteten Spielen aus dem Ruder zu laufen drohte, umso ruhiger und vergnügter wurde Opdenhövel, umso sympathischer wurden einem auch die Kandidaten. Ob Markus Lanz das bei "Wetten, dass ..?" auch wieder so hinbekommt?

"Hat Spaß gemacht", meinte Opdenhövel denn auch abschließend - und wirkte dabei, als habe ihm das jetzt wirklich Spaß gemacht. Wenn dieser Typ an der alten Moderatorenkrankheit der aalglatten Schmierigkeit leidet, dann kann er das jedenfalls gut verbergen.

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insgesamt 16 Beiträge
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    Seite 1    
1. Ein absoluter Glücksfall
driftwood1973 13.04.2012
Zitat von sysopARD-Mann Matthias Opdenhövel wird seinem Ruf als Allzweckwaffe gerecht. Er moderiert seine neue Spielshow mindestens so souverän wie die "Sportschau". Bei "Opdenhövels Countdown" lässt er Kandidaten Glühbirnen einschrauben oder Bälle auf Buchstaben werfen - und macht dabei einfach Spaß. Opdenhövels Countdown: Blödsinn mit Charme - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur (http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,827158,00.html)
Der Mann ist für die ARD ein absoluter Glücksfall, der bei Schlag den Raab schwerlich vermisst wird. Seine lockeren Sprüche und Seitenhiebe gegen Stefan Raab alleine waren Grund für mich vier Stunden lang den Wettbewerb um eine halbe Millionen Euro an einem Samstag anzuschauen. ( schlag den Raab). Da hat die ARD wirklich ein Glücksgriff getätigt. Opdenhövel traue ich sogar die Moderation von Wetten daß ?! locker zu.
2.
Altesocke 13.04.2012
Zitat von sysop"Opdenhövels Countdown" "und vor allem, dass er hier nicht die Hauptrolle spielte." "Die Kandidaten spielen die Hauptrolle"
Ja, nee, schon klar! Dann haette man (Sender) das Teil besser nur Countdown genannt!
3.
tüttel 13.04.2012
Auch Blödsinn mit Charme bleibt leider nur Blödsinn. Ich habe leider nur bis zur schönen Weinkönigin durchgehalten. Es wäre schön, wenn sich Opdenhövels Charme nicht nur auf die Moderation beschränkte, sondern er sich auch mal paar neue charmante Konzepte ausdenken könnte.
4.
Rodelkönig 13.04.2012
Ich hab die Sendung zwar nicht gesehen und auh bis eben niht von ihrer Existenz gewusst, aber es ist schön zu lesen, dass die ARD auch mal selbst wieder was Neues entwickelt und ausprobiert. Und wenn's dann auch noch gut ankommt, ob nun nur wegen dem Moderator oder aus sonst einem Grund, umso besser. Die ARD muss langsam auch mal mehr Angebote für jüngere Zuschauer machen, wenn sie nicht mit dem allmählichen Wegsterben der alten Zuschauergeneration ihre Daseinsberechtigung verlieren will. Das ZDF ist beispielsweise mit ZDFneo und vielen neuen und jungen Formaten und Talenten, die dort ausprobiert werden, ja schon auf einem guten Weg. Ich würde mir nur wünschen, dass das ZDF öfters mal irgendeine erfolglose und belanglose Sendung (Gottschalk Live, diverse Soap-Sendungen) in einen Spartenkanal abschiebt und dafür ein oder zwei Formate/Sendungen, die sich auf ZDFneo bewährt haben, ins Hauptprogramm rübernimmt, um mal zu schauen, ob die auch bei der breiten Bevölkerung ankommen.
5.
berlinerkindl 13.04.2012
der Typ ist die größte Lusche die sich die ARD jemals haben andrehen lassen. Sportschau mach keinen Spaß mehr und auf weitere Sendungen von ihm hb ich noch weniger Lust. Dieser Mensch besitzt keinen eigenen Humor und wertet sich immer nur auf, indem er andere abwertet oder beleidigt! Eigentlich eine Schande für die ARD, da sie, im Gegensatz zu den privaten Sendern, ein gewisses Verhaltensniveau aufzeigen müsste
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