Zero-Künstler Otto Piene im Alter von 86 Jahren gestorben

Er kreierte Lichtinstallationen, ließ Skulpturen durch den Himmel gleiten und schuf Kunst, indem er Bilder in Flammen setzte: Otto Piene. Er war einer der großen Avantgardisten der Nachkriegskunst. Nun ist er im Alter von 86 Jahren gestorben.

Otto Piene im Juli 2014: "Kunsterneuerer des 20. Jahrhunderts"
DPA

Otto Piene im Juli 2014: "Kunsterneuerer des 20. Jahrhunderts"


Berlin - Einen Tag vor seinem Tod eröffnete Otto Piene noch eine große Ausstellung mit seinen Bildern in der Neuen Nationalgalerie in Berlin. An diesem Samstag wollte der Künstler illuminierte Luftskulpturen in Sternform über dem Dach des Gebäudes in den Himmel aufsteigen lassen. "Sky Events" nannte er diese Aktionen.

Noch kurz vor seinem Tod hatte Otto Piene gesagt, er genieße es besonders, seine Kunst wieder in Berlin zu zeigen. Hier habe er vor Jahrzehnten eine seiner ersten Einzelausstellungen gehabt. "Es schließt sich ein Kreis". Trotz seines Todes werden die Himmelskörper am Samstag in die Luft gehen. Die Familie will es so.

Charakteristisch für den großen Nachkriegskünstler und mehrfachen Documenta-Teilnehmer Piene waren neben seinen Himmelsskulpturen und Lichtinstallationen auch seine Gemälde, auf denen er Rauch und Feuer thematisierte. Piene hatte mit Heinz Mack 1957 in Düsseldorf die Avantgarde-Gruppe Zero gegründet. Sie wollte einen Neuanfang der zeitgenössischen Kunst schaffen. Später schloss sich Günther Uecker Zero an.

Der Berliner Ausstellungskurator Joachim Jäger hatte Piene bei der Ausstellungseröffnung einen "der großen Kunsterneuerer des 20. Jahrhunderts" genannt. Pienes Kunst erinnere an die künstlerische Aufbruchzeit der Sechziger- und Siebzigerjahre, an die Visionen, Hoffnungen und Taten einer Generation, für die Piene stellvertretend stehe. "Eine Generation, die sich von der Malerei verabschiedet hat, um andere Dinge zu tun, um andere Felder in der Kunst zu öffnen." Piene sei "sehr glücklich und zufrieden" über seine Ausstellung in Berlin gewesen.

Er wurde am 28. April 1928 im nordrhein-westfälischen Bad Laasphe geboren und wuchs in der Kleinstadt Lübbecke in der Nähe von Bielefeld auf. Piene wurde geprägt durch die Schrecken des Zweiten Weltkriegs, den er als jugendlicher Flakhelfer erlebte.

Später studierte er Kunst und Philosophie in München, Düsseldorf und Köln. Bis 1964 arbeitete Piene als Dozent an der Modeschule Düsseldorf, dann zog es ihn nach Amerika. Mitte der Siebzigerjahre ging er ans Massachusetts Institute of Technology (M.I.T.) in Boston, wo er 20 Jahre ein Medienlabor für künstlerisch-optische Experimente leitete.

Piene konnte Massen mit seiner "Sky Art" begeistern. Berühmt ist der riesige Plastikregenbogen, den er bei den Olympischen Spielen in München 1972 in den Himmel steigen ließ. "Inflatables", aufblasbare Skulpturen, nannte er seine Luftprojekte - stachelige weiße Sterne oder Blumen.

Piene starb am Donnerstag im Alter von 86 Jahren in Berlin.

kha/dpa



insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fxe1200 18.07.2014
1. Das Institut, dass Otto Piene in...
...den 80igern leitete, war das C.A.V.S. oder "Center For Advanced Visual Studies" in der Amherst Street in Cambridge, MA. An diesem Institut arbeiteten Künstler wie Harriet Casdin-Silver, Hans-Christian Lischewski, Joe Davis, Aldo Tambellini, Tom Van Sant, Charlotte Moorman und Nam June Paik um nur einige zu nennen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.