Erfolgs-Comedy "Pastewka": Ein Ego wie aus Lego

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Mein Fernseher, meine Frau und ich: In seiner Ego-Comedy auf Sat.1 stolpert Bastian Pastewka wieder über die Aufdringlichkeit der anderen und die eigene Verbohrtheit. Auch in Staffel sechs starrt man gebannt auf die tragikomischen Verrenkungen, mit denen er sich das Leben zur Hölle macht.

Komik-As Bastian Pastewka: Friede, Freude, Marmorkuchen Fotos
SAT.1

Keine Bars, keine Läden, kein Publikumsverkehr. Das Villenviertel Köln-Marienburg ist genau der richtige Ort für den Menschenfeind Bastian Pastewka. Promi-Bunker reiht sich hier an Promi-Bunker, vom Wohnzimmer aus kann er mit dem Fernrohr anderen Halbberühmtheiten ins Schlafzimmer gucken. Also dem RTL-Klöppel, dem Nerv-Pocher und der Anke, äh, na, wie heißt die noch, genau: Engelke.

Das ideale Lebensumfeld also für einen wie Bastian Pastewka, der sich die Welt gerne auf Abstand hält, um vor seinem Plasma-Fernseher alte deutsche Serien zu gucken, der gleichzeitig aber so eitel ist, dass er irgendwie doch mit dem verachteten Unterhaltungsbetrieb auf Tuchfühlung bleiben muss. So gesehen ist der Umzug mit seiner Fast-Frau Anne (Sonsee Neu) ins Promi-Ghetto Marienburg in der an diesem Freitag beginnenden sechsten Staffel "Pastewka" eine glückliche Fügung. Auch wenn der verachtete Olli Pocher mit seinem viel zu großen SUV dort die Vorgärten plattfährt.

Wie viel Pastewka in "Pastewka" steckt? Schwer zu sagen. Auf jeden Fall ist die Sat.1-Comedy über das Leben eines Sat.1-Comedian so gut gebaut, dass man sie für das wahre Leben halten möchte. Im Grunde genommen scheint der Mann mit den hängenden Schultern und Gesichtszügen doch einer von uns; den Promi-Bonus setzt er ein wie unsereins das Bonus-Heft der Sparkasse. Am Ende gibt's als Extra doch nur Müll. Das Showgeschäft als Schmalspurleben: So gründlich wie Pastewka treibt keiner dem Unterhaltungsbetrieb den Glamour aus.

Der Mann fürs grotesk Normale

Ausgerechnet der sehr deutsche Pastewka schafft es auf diese Weise, legendäre amerikanische Ego-Comedys wie "Seinfeld" oder "Curb Your Enthusiasm" nachzuahmen, wo ebenfalls der Fernsehbetrieb bespiegelt wurde. Was allerdings gleich in den nächsten Schlamassel führt: Jerry Seinfeld war vor der Kamera immer nur als TV-Version seiner selbst erfolgreich; Larry David, der Chefautor von "Seinfeld" und Anti-Star aus "Curb Your Enthusiasm", ebenso.

Und so waren bis jetzt auch fast alle künstlerischen Ausfallschritte Pastewkas in Richtung Serie oder Spielfilm nur mäßig befriedigend. Klar, seine Auftritte an der Seite Anke Engelkes als Volksmusikpärchen Wolfgang und Anneliese sind große Verzauberungskunst, aber die übrigen Komödieneinsätze bleiben weit unter "Pastewka"-Niveau. Im Oktober ist er beispielsweise neben Judy Winter im ZDF in der Komödie "Mutter muss weg" zu sehen. Ein nettes freudianisches Geplänkel über ein Muttertier und ihren gequälten Nachwuchs - das aber lange nicht den Biss und die Subversion von "Pastewka" entwickelt.

Als Komiker lebt man nun mal im Charakter-Ghetto, zumal wenn man Bastian Pastewka ist, der vor allem die Darstellung des grotesk Normalen beherrscht. Ein luxuriöses Leid - das er mit den besten Humorarbeitern des Landes teilt. Christoph Maria Herbst, sorry, ist eben auch nur als "Stromberg" (fünf Staffeln!) verlässlich gut, Anke Engelke nur in "Ladykracher" (sieben Staffeln!). Und sonst so? Man schlägt sich mit Gastauftritten durch, veredelt die eine oder andere TV-Gala. Eine Art Zeitvertreib bis man im ganz kleinen Privatfernseh-Format (22 Minuten plus Werbung) wieder ganz große Charakterkunst bietet.

So wie Pastewka jetzt eben wieder in "Pastewka" (Regie: Erik Haffner und Tobi Baumann), wo vor der Marienburger Promi-Fassade das Spießerdasein des Helden umso monströser erscheint. Wie sich Pastewka erfolglos abstrampelt, um endlich alleine fernsehen zu können, wie er sich noch erfolgloser selbst betrügt, um im Spiegel etwas an Größe zu gewinnen, ist brillant; seine Selbstbezüglichkeit besitzt einen tragischen Aberwitz.

Hier sehen wir einen Mann mit einem Ego wie aus Lego: Seine Selbstgewissheit ist aufgetürmt wie die bunten Steinchen, am Ende fällt alles wieder in sich zusammen. Eine Qual, dieses Promi-Leben.


"Pastewka", freitags, 22.45 Uhr, Sat.1
"Mutter muss weg", Donnerstag, 18. Oktober, 20.15 Uhr, ZDF

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insgesamt 45 Beiträge
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1. Bitteres Fazit
yast2000 20.09.2012
Das Drama dieser deutschen Möchtegernkomiker liegt leider ganz woanders und insofern ist ihr landesweiter Absturz völlig gerechtfertigt. Ohne Fernsehen lebt es sich besser...
2. Jetzt lasst mal den armen Pastewka in Ruhe
Matzescd 20.09.2012
Er ist auch nicht schlechter, als andere unlustige Kopien dieses Formats. Ob der Protagonist nun Profitlich, Engelke, Herbst oder Pastewka heißt. Alternativ könnte man die "dreisten drei" usw. nennen. Alles ein Konzept, alles gleich unlustig. Loriot ist tot...
3.
outsider-realist 20.09.2012
Pastewka ist eine absolut geniale Produktion mit Liebe zum Detail. Ich kenne bald jede Folge schon in - und auswendig, entdecke aber immer wieder neue Feinheiten, die einem große Freude bereiten. In vielen Dingen erkennt man Paralellen zu Loriot und merkt, das der Meister für Pastewka wohl ein großes Vorbild war. Pastewka ist ein positives Beispiel für deutschen Humor, den es durchaus gibt. Eine gute Alternative zu den Brachialkomödianten a la Mario Barth. Ich hoffe auf mehr Staffeln.....bisher konnte sich Pastewka noch steigern, dank auch den anderen großartigen Darstellern, die in der Serie mitwirken, insbesondere Matthias Maschke und Bettina Lamprecht.
4. Vergnügen?
Freewolfgang 20.09.2012
Zitat von sysopMein Fernseher, meine Frau und ich: In seiner Ego-Comedy auf Sat.1 stolpert Bastian Pastewka wieder über die Aufdringlichkeit der anderen und die eigene Verbohrtheit. Auch in Staffel sechs starrt man gebannt auf die tragikomischen Verrenkungen, mit denen er sich das Leben zur Hölle macht. Pastewka: Sechste Staffel der Erfolgs-Comedy auf Sat.1 - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,856475,00.html)
Ich hatte mal das "Vergnügen", Herrn Pastewka anlässlich einer Filmpremiere in Berlin persönlich kennenzulernen. Schlecht gelaunt, rüpelhaft zu einem Taxifahrer und einen Gesprächspartner am Telefon zusammen stauchend - so ist er mir in Erinnerung geblieben...
5. Der Beweis
rimaldo 20.09.2012
Zitat von sysopMein Fernseher, meine Frau und ich: In seiner Ego-Comedy auf Sat.1 stolpert Bastian Pastewka wieder über die Aufdringlichkeit der anderen und die eigene Verbohrtheit. Auch in Staffel sechs starrt man gebannt auf die tragikomischen Verrenkungen, mit denen er sich das Leben zur Hölle macht. Pastewka: Sechste Staffel der Erfolgs-Comedy auf Sat.1 - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,856475,00.html)
Auf meiner Top-10-Liste der Hinweise, dass ich nun wirklich kein Deutscher bin ist der Punkt: Ich kann mit Pastewkas Humor nichts anfangen. Man muss nicht nur hier geboren, sondern auch deutsche Gene haben, um dieser Humor etwas abzugewinnen. Es ist mir unmöglich ausländischen Freunden zu erklären, was an Pastewka witzig sein soll.
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