ARD-Sonntagskrimi Der Magdeburger "Polizeiruf" im Schnellcheck

Jagdszenen auf der Autobahn, Punkrock als Rauschbeschleuniger: Der früher so schleppende Magdeburger "Polizeiruf" zeigt sich neuerdings von seiner rasanten Seite.

MDR/ Stefan Erhard

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Das Szenario:

PS-Rausch in Le Magdeburg. Eine Gruppe junger Männer veranstaltet in der Stadt illegale Wettfahrten - in makabrer Anspielung auf das legendäre 24-Stunden-Rennen in Le Mans fügt man der Stadt bei der frustrierten Polizei einen französischen Artikel hinzu. Bei einem weiteren nächtlichen Rennen wird eine junge Frau überfahren, Brasch (Claudia Michelsen) und Köhler (Matthias Matschke) hängen sich an die Reifen der Speedfreaks.

Der Clou:

Statt sozialpädagogische Warnhinweise aufzustellen, führt der Film lustvoll ins Rumble-Race-Milieu. Obwohl sich die Filmemacher dafür der Erzähltechniken von Hot-Rod-Movies wie "The Fast and the Furious" bedienen, steigen sie im richtigen Moment auch mal vom Gaspedal, um ihre Figuren und deren psychologische Konflikte genauer in Augenschein zu nehmen.

Der Dialog:

"Wessi?" heißt es einmal fragend im Krimi. "Ne, Dresden", so die Antwort. Der Kommentar dazu: "Die Dresdner sind die neuen Wessis." Interessante Einsichten in neue hierarchische Gefälle.

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"Polizeiruf" aus Magdeburg: Die Schnellen und die Kuriosen

Das Bild:

Jagdszene auf der Autobahn: Kommissarin Brasch hängt sich im extra für sie getunten Dienstfahrzeug an die Muscle Cars der jungen Männer, Kollege Köhler krallt sich in den Sitz. Aus den beiden werden keine Freunde mehr werden - aus ihren Darstellern Michelsen und Matschke auch nicht mehr: Köhler-Darsteller Matschke hat bereits seinen Abschied vom "Polizeiruf" angekündigt.

Der Song:

Schon wieder einer von Feine Sahne Fischfilet. Nachdem wir die Ost-Punks schon als musikalische Taktgeber für den starken Rostocker "Polizeiruf" genannt haben, weil da im Punk-Gestus aus den braunen Zonen im Osten erzählt wurde, liefern sie hier mit "Alles auf Rausch" die Begleitmusik für den PS-"Polizeiruf". "Punk with trumpets" (Sänger Monchi über seine Musik) als Rauschbeschleuniger.

Die Bewertung

7 von 10 Punkten. Ein Milieukrimi über das Gasgeben, in dem es doch immer wieder durch Verzögerung, Entschleunigung und Ironisierung gelingt, Brüche und Spannung zu erzeugen. Neue Hoffnung für das Problem-TV-Revier Magdeburg! Im Anschluss läuft an diesem Sonntag nicht "Anne Will", sondern das Kleinsparer-Dokudrama "Lehman. Gier frisst Herz".

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


"Polizeiruf 110: Crash", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 17 Beiträge
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Dramaturgen-Frau 23.09.2018
1. Qualen des Castings
Wieder müssen wir die immer gleichen Gesichter sehen. Als gäbe es für das deutsche öffentlich-rechtliche TV nur einen begrenzten Pool von vielleicht 50 Darstellern, die in allen Krimis von ARD und ZDF einzusetzen sind. Woher kommt das? Resultiert das aus der Unerfahrenheit der zuständigen Redakteurinnen und Casterinnen? Wieder ist Herr Zint der Böse. Wieder sehen (und hören) wir Herrn Becker seine Stimme ölen. Usw. Die Republik ist voll mit talentierten Schauspielern, aber die ARD will den quotenträchtigen Wiedererkennungseffekt. Und dann geht also Herr Matschke, weil er Probleme am Set mit Frau Michelsen hat. Das ist nachvollziehbar und folgerichtig: Herr Matschke ist ein Comedian. Frau Michelsen ist eine Schauspielerin. Herr Matschke chargiert seine Rollen, so, wie er es aus dem Comedyfach kennt. So jemanden möchte man nicht dauernd neben sich "spielen" haben. So dient also der von mir über alles Maßen goutierte Abgang von Herrn Matschke hoffentlich der Entwicklung der Figur Brasch, die von Claudia Michelsen interpretiert wird.
debahn 23.09.2018
2. Gute Nacht
abgesehen von der dürftigen Handlung mit lächerlicher Darstellung der "Szene" verstehe ich von Frau Michelsens Gehauche weniger als die Hälfte. Der erwartete Reinfall.
Dramaturgen-Frau 23.09.2018
3. Dichtung und Wahrheit in fiktionalen TV-Krimis der ARD der Gegenwart
An einer Stelle spricht es der Kommissar an, indem er eine ganze Reihe von Mordraser-Urteilen aufführt, die wie das Hornberger Schießen ausgegangen sind, heißt, mit Bewährung für einen Mord endeten. Alle diese Beispiele, von Berlin bis Köln, hatten "Migranten" (Türken, Araber und Co.) als Täter. Was aber sehen wir in diesem P110: Deutsche "Jungs" (wie Buß das seinem Milieu gemäß nennt), sogar mal wieder einen Upperclassgelangweilten, der dann natürlich auch der "Mörder" ist. So bleibt wieder einmal die Vermutung oder Frage: Sind das unabdingbare Vorgaben der Guidelines für Drehbuchautoren, dass nicht an den tatsächlichen Fällen entlang recherchiert wird? - Rhetorische Frage.
vulcan 23.09.2018
4. Unfug
Woher nehmen die Ermittler die Sicherheit, dass der Täter ausschließlich in dieser albernen Renntruppe zu suchen ist? Hab ich was verpasst oder ist das einfach der von mir befürchtete Unfug. Außerdem glaube ich nicht, dass die Polizei seelenruhig zusieht, wie das Tauschgeschäft Drogen gegen gestohlenes Auto abgewickelt wird und noch dazu dieses Auto einfach wegfahren lassen. Auch ansonsten ein ziemliches Geschwurbele mit peinlichen Klischees wie dem arroganten Jungschnösel und eine Auflösung, wie sie langweiliger und unglaubwürdiger gar nicht sein kann.
Aberlour A ' Bunadh 23.09.2018
5. Bemüht langweilig
Ein Spannungsbogen war nicht wirklich erkennbar. Die Charaktere alle "over-the-top". So dass man an den "tiefenpsychologischen Ergüssen" nicht wirklich interessiert war. Ein Krimi im illegale Autorennen-Milieu - oder was man dafür hält - der auch noch beständig die Soundmassage vor sich her trug, dass 540 PS unter der Haube besser sind als 250. 4 von 10 Punkten.
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