ARD-Sonntagskrimi Der Magdeburg-"Polizeiruf" im Schnellcheck

Der "Polizeiruf 110" als endloses Problemgespräch: Die Magdeburger Ermittler sind dermaßen mit Therapiemaßnahmen in eigener Sache beschäftigt, dass der Fall in den Hintergrund gerät.

MDR/ Conny Klein

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Das Szenario:

Mobbing und Frustsaufen auf dem Morddezernat in Magdeburg. Kommissar Dirk Köhler (Matthias Matschke) wird von Kollegin Doreen Brasch (Claudia Michelsen) kleingemacht, die verbringt inzwischen mehr Zeit in der Kneipe als am Schreibtisch. Ein Supervisor soll die Wogen glätten. Bei den Therapiemaßnahmen in eigener Sache droht der eigentliche Fall, der Mordanschlag auf einen unbeliebten Bauunternehmer, in den Hintergrund zu geraten.

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

Schwer auszumachen. Vielleicht soll die Botschaft lauten: "Redet miteinander!" Ist aber ein bisschen wenig für einen anspruchsvollen Fernsehkrimi.

Das missglückte große Zitat:

In einer Szene gibt es einen Verweis auf Alfred Hitchcocks "Vertigo": Der Bauunternehmer, um den der Fall angelegt ist, hat einst seine Frau bei einem Skiunfall verloren. Jetzt lässt er seine Schwägerin deren Rolle einnehmen. Sie muss sich kleiden und frisieren wie die Verstorbene, und der Witwer schläft dann mit ihr. Verunglückter Fetischsex.

Die geglückte kleine Flucht:

Die burschikose Kommissarin Brasch flüchtet vor den nervenden Kollegen auf die Toilette. Doch bei den Damen trifft sie auf eine Truppe schnatternder und sich schminkender Kolleginnen. Brasch rollt die Augen und verzieht sich zu den Herren. Geglücktes Entkommen vom Schreibtisch.

Der Plausibilitätsfaktor:

Sehr gering. Dass ein Coach durch sanften Zuspruch das Krach-und-Chaos-Revier in Magdeburg einen kann, ist genauso unglaubwürdig wie die Auflösung des komplexen Falles durch ein bisschen Küchenpsychologie.

Die Bewertung:

3 von 10 Punkten. Nach dem Absturz-Finale von "Bella Block" am Samstag im ZDF ein weiterer Krimi mit einer Ermittlerin, die ihren Frust in der Kneipe ertränkt. Ein Film wie ein schlechtes Besäufnis: kein Spaß, aber Riesenkater.

Die ausführliche Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


"Polizeiruf 110: Starke Schultern", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 4 Beiträge
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MiBod 25.03.2018
1. Ich frage mich wirklich..
wer diese gefühlt 1000 - unendlich vielen "Krimis", pro Jahr, allein bei ARD/ ZDF eigentlich sieht, und warum. Sind "die Menschen" (um die es ja angeblich immer geht..) mittlerweile komplett sediert? Wenn man Pech hat, auch mal gleich 2 Krimis hintereinander. Die intelligenteren Programmteile, die ich eigentlich sehen möchte (und damit meine ich NICHT diese grauenhaften sogenannten Talkshows), verschieben sich dann mal locker auf nach 23.00 Uhr- ist das gewollt ? wer will das eigentlich? Und wenn kein "Krimi", dann Machwerke, denen man mit einer Hirnwindung folgen kann.., irgendwelche Arzt, exotische Reisen, Klosterschwestern- oder Bergbauern oder andere dümmlich HaHa- Schmonzetten im Zeitgeist... - und das alles abgedeckt mit einem scheinbar festen Stamm von gefühlt 2-300 Darstellern, plus Drehbuchautoren und Regisseuren denen man seit 40 Jahren beim "altern" zuschauen kann. Haben die Alle, trotz fragwürdiger Qualität eine lebenslange Arbeitsplatzgarantie? Wenn nicht, wofür die hohen GEZ- Gebühren.?., das könnte mann sicher alles viel billiger beim Discounter kaufe, so man will. Zum besonderen Thema "News" im ÖR wurde glaube ich bereits alles gesagt.
emobil 25.03.2018
2.
wie um alles in der Welt kommen Sie denn darauf, dass die GEZ-Beiträge hoch sind? Nur weil es Programm-Teile gibt, die Ihnen nicht gefallen? Mir gefallen auch einige Programme nicht, z.B. stundenlange Sportübertragungen. Aber bei dem umfassenden Programmangebot in Hörfunk (!!) und Fernsehen sind die Gebühren mehr als in Ordnung. Ich bin jedenfalls heilfroh, dass ich nicht auf die Schwachsinns-Privaten in Hörfunk und TV angewiesen bin!
Europa! 26.03.2018
3. Nix verstanden
In diesem Film ging es um Psychologie und um Männerrollen und Frauenrollen. Relativ subtil wurden fünf Männer (und vier Frauen) in ihren Beziehungen gegeneinandergestellt. Und das war durchaus spannend. Die Frage hieß: Was macht einen Mann zum Mann? Die Antworten waren recht differenziert, auch wenn sie sich krimigemäß an der Grundstruktur: Täter-Opfer-Ermittler orientierten. Leider hat das der Rezensent offenbar nicht verstanden und den "gesellschaftlichen Auftrag" irgendwo an der falschen Stelle gesucht.
ancoats 26.03.2018
4.
Das Ding war echt schlecht. Anfangs hatte ich noch Hoffnung, wenngleich die Story so ähnlich schon gefühlte 1000 Mal in deutschen Krimis erzählt worden ist. Spätestens bei der "Familienaufstellung" (nebenbei bemerkt: eine schwer obskure "Analyse"-Form aus der Psycho-Quacksalber-Ecke) aber konnte man sich nur noch an den Kopf fassen. Ohnehin ist das Ermittlerduo grundsätzlich eine einzige Katastrophe: Frau Michelsen (eine andernorts sehr gute Schauspielerin) möchte man stets ein beherztes "Was zum Teufel ist eigentlich dein Problem?!" zurufen oder sie ob ihres erratischen Verhaltens gleich ganz entlassen, und bei Herrn Matschke warte zumindest ich immer auf eine Sketch History-artige Pointe... Selten so unglaubwürdige, undurchdachte und unausgearbeitete Rollencharaktere gesehen - und das will hierzulande was heißen. Lasst es einfach bleiben. Ersatzlos streichen, diesen Magdeburger Tatort, ehrlich mal.
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