ARD-Sonntagskrimi Der Brandenburger "Polizeiruf" im Schnellcheck

Ein totes Au-pair-Mädchen in der Oder, eine Familie im Schweigemodus: Der "Polizeiruf" an der deutsch-polnischen Grenze erzählt von Familienversagen. Brutal und gut.

rbb/ Oliver Feist

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Das Szenario:

Väter im Angriff, Töchter auf der Flucht. Nachdem eine Au-pair tot aus der Oder gezogen wurde, stoßen Lenski (Maria Simon) und Raczek (Lucas Gregorowicz) bei den Ermittlungen in der Gastfamilie auf einen weiteren ungelösten Fall: Vor 15 Jahren verschwand die Tochter des Hauses spurlos, damals wurde der Stiefvater beschuldigt, sie missbraucht zu haben. Die Mutter schweigt zu allem.

Der Clou:

Die Aufklärung des mutmaßlichen Sexualverbrechens wird zu einem Drama über familiäre Entfremdungsprozesse. Die Leitung zu den Kindern ist schon lange gekappt; weil die Töchter nicht mehr verstanden werden, überlässt man sie ihrem Schicksal.

Der Spruch:

"Telefonieren sie mal mit 'ner 19-Jährigen. Passt auf einen Bierdeckel. Die wollte ja sofort weg, in die USA oder so, was weiß ich." Das sagt der Vater der ermordeten Au-pair. Er bestand darauf, dass die ihm immer fremder werdende Tochter im sicher geglaubten Brandenburg bleibt, damit er auf sie aufpassen kann. Ein Irrglaube, das Mädchen starb an der Oder, direkt vor der Haustür.

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9  Bilder
"Polizeiruf" mit Maria Simon: Tod in der Oder

Das Bild:

Ein anderer Vater, er ist Pole, streichelt über das Bild der Tochter, die vor 15 Jahren verschwunden ist. Es steht auf einer Art Altar, so als betete der Vater jeden Tag, auf dass die Tochter doch noch heimkommt. Als die Polizei an der Haustür klingelt, seufzt der Vater dankbar: "Endlich passiert etwas."

Der Song:

"Down By The Water" von PJ Harvey. Kommt nicht im Film vor, aber dieser monströs dröhnende moderne Bluessong über eine Mutter, die ihre Tochter im Fluss ertränkt hat, gibt sehr gut die unheilvolle Stimmung dieses an der Oder spielenden, sehr atmosphärischen Generationen-Kriegsgemäldes.

Die Bewertung:

8 von 10 Punkten. Obwohl das Publikum gelegentlich etwas zu deutlich auf die Schräglagen der Familien gestoßen wird: starkes, unheilvoll nachhallendes deutsch-polnisches Krimidrama über Elternversagen.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


"Polizeiruf 110: Der Fall Sikorska", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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Fotostrecke: Alle "Tatort"-Teams im Überblick
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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
Susi Sorglos 25.11.2018
1. Ei jei jei....
Acht Punkte von Herrn Buß...klingt nach Apallischem Syndrom, das nach 3 Minuten beim Zuschauer einsetzt.
rainer82 25.11.2018
2. Ich bin sehr gespannt.
Schon die Rezension lässt ahnen, dass es um einen sehr realistischen und aus dem Leben gegriffenen Fall geht. Sowas erwartet der Zuschauer beim Tatort oder Polizeiruf.
Susi Sorglos 25.11.2018
3. Genial ??
Weiße Untertitel auf weißem Hintergrund. Wann lernt die "Alle Reden Durcheinander", dass man dabei mit schwarzen Linien als Buchstabenrahmung das Problem nicht beschert ?
bosworth 25.11.2018
4. @3
Keine Ahnung, was an den Untertiteln zu nicht lesbar gewesen sein soll.Ich zumindest hatte keine Schwierigkeiten; allerdings schaue ich eh jeden fremdsprachigen Film in der OmU. Reine Übungssache.
Dramaturgen-Frau 25.11.2018
5. Das ist nun...
Zitat von bosworthKeine Ahnung, was an den Untertiteln zu nicht lesbar gewesen sein soll.Ich zumindest hatte keine Schwierigkeiten; allerdings schaue ich eh jeden fremdsprachigen Film in der OmU. Reine Übungssache.
... maximal uninteressant, was und wie Sie, werte Kollegin Clararu, Filme schauen. Wie sieht denn Ihr Mann Filme? Das wäre doch mal wieder interessant. Hätten Sie nicht noch ein wenig Künstlerprosa à la Godard? Inhaltlich haben Sie ansonsten nichts beizusteuern? Warum auch, gelt?! Grüße aus dem Wiener Caféhaus.
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