ARD-Sonntagskrimi Der München-"Polizeiruf" im Schnellcheck

Der Kommissar in Flammen, der Kommissar am Verglühen: Der vorletzte "Polizeiruf" mit Matthias Brandt als Hanns von Meuffels steigt rigoros in die rechten Abgründe von München hinab.

BR/ Hagen Keller

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Das Szenario:

Auf Tuchfühlung mit dem braunen Mob. Nach dem Mord an einem Flüchtling ermittelt von Meuffels (Matthias Brandt) unter Neonazis. Ein zähes Unterfangen: Der Staatsanwalt legt ihm Steine in den Weg, der Verfassungsschutz macht Tatverdächtige zu V-Männern, und einer der jungen Männer, ein Halbiraner, will so überhaupt nicht ins Nazi-Schema passen. Dem Kommissar bleibt nichts anderes übrig als im Alleingang aus der Nahperspektive zu ermitteln.

Der Clou:

Ekel und Nähe liegen in diesem "Polizeiruf" dicht beisammen. Das Gebaren der Nazis, ihre besinnungslos gegrölten Schlager, ihre biervernebelte Sicht auf die Welt, ihr notgeiles Rumgefummel an einer vom Verfassungsschutz gespendeten Pistole, das alles ist abstoßend. Gleichzeitig muss von Meuffels und mit ihm das Publikum in diese Welt eintauchen und die sichere Distanz zu den Nazi-Dummbatzen aufgeben.

Das Bild:

Drei Menschen versuchen einen anderen Menschen zu erschießen. Nachdem die Nazi-Truppe endlich eine Pistole hat, will sie einen Verräter aus ihrer Mitte "hinrichten". Doch keiner bringt die Konzentration auf, gezielte Schüsse abzugeben. Am Ende schreit das Opfer schmerzvoll über die Verletzungen, das Sterben zieht sich. Grausam.

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"Polizeiruf" mit Matthias Brandt: Deutschlands brauner Abgrund

Der Spruch:

"Wir halten nicht für einen Asylanten unseren Kopf hin. Meine Frau hat neulich schon die Wintermäntel von meinen Eltern gespendet. Irgendwann ist auch Schluss." Sagt der Staatsanwalt, der sauer ist, weil Kommissar von Meuffels vier junge Deutsche hat einsperren lassen. Er hat Angst, die Öffentlichkeit könnte sich gegen ihn richten.

Der Song:

"Ein Hoch auf die Erinnerung". Ein Schlagerlied, von dem man glaubt, es schon etliche Male gehört zu haben. Stampfender Beat, hochgepitchter Chorus, besinnungsloser Text. Klingt wie eine Mischung aus Helene Fischer, Andreas Bourani und Böhse Onkelz. Wurde aber extra für diesen "Polizeiruf" von den Filmkomponisten Caroline Cox, Antonio de Luca, Lucas Croon geschrieben und aufgenommen. Die Nazis geben sich zu dem Lied die Kante.

Die Wahrheit:

Von Meuffels brillant wie immer, müder denn je. Noch eine Folge, dann verlässt der von Matthias Brandt gespielte Kommissar den Münchner "Polizeiruf". Hier steht er in Flammen, um dann grandios zu verglühen.

Die Bewertung:

9 von 10. Aggressiver, rigoroser, risikobereiter Post-NSU-Gesellschaftsschocker.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


"Polizeiruf 110: Das Gespenst der Freiheit", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
Planquadrat 19.08.2018
1. Wenn
ich lese dass Matthias Brandt dabei ist, komme ich nie in Versuchung den Tatort einzuschalten. Diese in ständiger Düsternis spielenden und mit allen Problemen der Welt beladenen Drehbücher, sind nicht das was ich benötige um entspannt den Abend zu verbringen. Probleme gibt es im realen Leben schon genug.
permissiveactionlink 19.08.2018
2. Werde ich mir nicht
entgehen lassen. Höchst bedauerlich und traurig, dass Matthias Brandt als Komissar Hanns von Meuffels nicht mehr weitermacht. Der macht es richtig : Der hört auf, wenn er am besten ist. Er war und ist eine Top-Besetzung. Die Folge, in der ihm ein Fahndungsfehler unterläuft, dem wahren Mörder einer jungen Frau und dessen Aussagen zum Verbleib der Leiche zunächst nicht glaubt, war bemerkenswert gut, besonders auch wegen des Darstellers des Mörders (brilliant : Karl Markovics). Am Ende findet Meuffels den Ort, an dem der Täter das Mordopfer vergraben hat, und macht sich mit einem Spaten an die Arbeit. Cut. Zeitlos gut. Wird man auch in fünfzig Jahren noch mit Spannung anschauen können....
Augustusrex 19.08.2018
3. Wenn
ich lese, dass Matthias Brandt dabei ist, dann ist es für mich eine Pflichtübung, den Polizeiruf einzuschalten. Fernsehkrimi vom Besten. Schade, dass er aufhört. Aber wie Poster Nr. 2 schreibt, ist es wahrscheinlich richtig, dass er aufhört, ehe er verschlissen wird.
Little_Nemo 19.08.2018
4. Warum lese ich nur immer wieder diese düsteren, miesepetrigen Posts?
Zitat von Planquadratich lese dass Matthias Brandt dabei ist, komme ich nie in Versuchung den Tatort einzuschalten. Diese in ständiger Düsternis spielenden und mit allen Problemen der Welt beladenen Drehbücher, sind nicht das was ich benötige um entspannt den Abend zu verbringen. Probleme gibt es im realen Leben schon genug.
Na, Sie müssen doch nicht über einen "Polizeiruf", ein oder zweimal im Jahr, in Depressionen verfallen. Wie düster er auch sein mag. Es gibt doch Pilcher und Fforde und Lindström und wie sie alle heißen bis zum Abwinken im ZDF. Stichwort "Herzkino". Dergleichen gibt es in der ARD auch. Und bei den Privaten sowieso. "Das Traumschiff" nicht zu vergessen. Und wenn es denn ein fröhlicher Krimi sein soll, versuchen Sie es doch mit den "Rosenheim Cops", "Notruf Hafenkante", "Großstadtrevier" oder dem Müsteraner "Tatort". Warum also stört Sie das Kontrastprogramm? Sie müssen es doch nicht gucken. Bei dem gewaltigen Angebot kann man aber auch schonmal den Überblick verlieren, gell?
Frauenversteher007 19.08.2018
5.
Matthias Brandt ist für mich einer der schlechtesten Schauspieler, die Deutschland zu bieten hat. Er kann nur exakt eine einzige Rolle spielen, sonst gar nichts. Und was den Axel Milberg angeht (Klaus Borowski) da schreibe ich jetzt besser möglichtst nichts, denn der kann auch überhaupt fast nichts als Schauspieler - außer, eben auch diesen einen Charakter, Pscho, irgendwie immer bissel kränkelnd psychisch. Sehr traurig, dass diese schlechten Schauspieler hier auch noch so beweihräuchert werden.
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