ARD-Sonntagskrimi Der Rostock-"Polizeiruf" im Schnellcheck

Schenk ein, teil aus: Im Rostocker "Polizeiruf" geht es ums Saufen und Prügeln im Ultra-Milieu. Ein Gewaltkrimi, in dem die Frauen die stärksten Auftritte haben.

NDR/ Christine Schroeder

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Das Szenario:

Rage in Rostock. Nachdem sich die örtlichen Ultras mit verfeindeten Fans zum Verprügeln verabredet haben, kommt ein Hool ums Leben. Kommissar Bukow (Charly Hübner) zieht den schwarzen Hoodie über und mischt sich unter die fanatischen Fußballfans; er fällt zwischen den Krawallmachern nicht auf. Kommissarin König (Anneke Kim Sarnau) gibt sich am Disco-Tresen die Kante, nachdem sie den Bericht zum letzten Fall geschrieben hat, bei dem sie beinahe vergewaltigt worden ist. Wie gesagt: Rage in Rostock.

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

Dieser "Polizeiruf" versucht sich nicht an soziologischen Erklärungen zum Thema Hool-Gewalt. Keine Betroffenheit, keine Skandalisierung: Hier ist die Gewalt Selbstzweck.

Der schmerzhafte Auftritt:

Lana Cooper (die neue deutsche Indie-Ikone aus "Love Steaks") als Ultra-Frau. Ihr Ex-Freund steigt bei ihr in die Wohnung ein, sie gibt sich ihm hin, reißt sich die Bluse vom Hals - und gibt ihm eine Kopfnuss. Im Anschluss zerschlägt sie eine Bierflasche, hält ihm die Scherben an den Hals und rät ihm sehr überzeugend, er solle aus ihrem Leben verschwinden.

Fotostrecke

5  Bilder
"Polizeiruf" mit Bukow und König: Mörderischer Fanatismus

Der reinigende Auftritt:

Anneke Kim Sarnau als traumatisierte Kommissarin. Die Ermittlerin muss einen Bericht schreiben, in dem sie Auskunft darüber geben muss, wie sie ein Sexualstraftäter bei einer fehlgeschlagenen Verhaftung zu vergewaltigen versucht. Sie liest diesen Bericht ihrem Vorgesetzten vor: "Er versucht von hinten in meine Seele einzudringen. Seele steht hier nicht, das soll nur den Vortrag auflockern."

Der Plausibilitätsfaktor:

Hoch. Eben weil die Filmemacher nicht versuchen, Hool-Fanatismus über gesellschaftliche Schräglagen zu erklären, nähern sie sich dem Kern der Gewalt, die hier vor allem eine Art pervertierte Kommunikationsform ist.

Die Bewertung:

9 von 10. Ein Hool-Krimi, bei dem die Frauen die stärksten, grimmigsten und körperlichsten Auftritte haben. Schenk ein, teil aus, furios!

Die ausführliche Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


"Polizeiruf 110: Einer für alle, alle für Rostock", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
brom36 28.05.2017
1. schon beim Lesen....
....wird einem schlecht. Diese Schauspieler können noch so viele rote Teppiche streicheln, die werden nie das Niveau erreichen, um je darauf zu laufen. Allein die Vorgeschichte zum Film ist schon Müll. "Die Elite des deutschen Fernsehkrimis"...mir wird schlecht.
Grammatikfreund 28.05.2017
2. Egal
Es ist mir egal, was SPON schreibt. Ich schau mir König/Buckow immer an und kann mich nicht erinnern, es je bereut zu haben. Die beiden gehören eindeutig zu meinen Top Five der Tatort-/Polizeiruf-Gespanne.
palef 28.05.2017
3. ...ja der Bus...
...von Frauen und Sonntagskrimis versteht der einfach was...Was?...Keine Ahnung....
lupo62 28.05.2017
4. Durchsichtige Inzenierung
Die "Elite des deutschen Fersehkrimis" ? Der Film ist eindeutig überinzeniert. 1. Kronfrontation. Großer Autritt, große Worte, Sex 2. plötzlich Geschrei, Drohungen, oft blitzartige Gewalt. 3. Entspannung. Alle sind sich wieder gut. Und das etwa 20 mal in diesem Film. Und kein Spannungsbogen dauert länger als 2 Minuten. Fernsehkrimi auf dem Weg zur Sitcom. Fehlt noch das Lachen der unsichtbaren Zuschauer
CancunMM 28.05.2017
5.
ich habe noch nie so viele soziopathen in einem film gesehen eie heute. und das auf beiden seiten.
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