ARD-Sonntagskrimi Der neue Rostock-"Polizeiruf" im Schnellcheck

Die Mafia kontrolliert den Hafen von Rostock. König und Bukow ermitteln zwischen Edelitalienern und Proletendiscos: Der "Polizeiruf" kommt als schöner schäbiger Mafia-Schocker daher.

NDR/ Christine Schroeder

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Das Szenario:

Koks überschwemmt Rostock, die 'Ndrangheta benutzt den Ostseehafen als Knotenpunkt für ihre Lieferungen in unterschiedliche skandinavische Länder. Nach der Ermordung eines Sonderermittlers vom Zoll entwickelt sich der Kampf gegen die Mafia für die Rostocker Ermittler zu einer sehr persönlichen Angelegenheit: König (Anneke Kim Sarnau) begegnet dem Gangster wieder, der sie einst ins Koma geschossen hatte. Bukow (Charly Hübner) versucht ausgerechnet in der Disco seines Vaters kleine Koksdealer abzugreifen, auf dass sie ihn zu den Paten führen.

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

Klar, die 'Ndrangheta hat tatsächlich ein paar Geschäfte in Deutschland laufen. Wichtiger aber als ein Verbrechensbericht ist den Verantwortlichen, vor dem Mafia-Hintergrund einen stimmigen Milieuthriller mit stimmigen Menschen zu erzählen. Schrille Verzweiflung, stille Liebe, alles drin.

Der schönste lakonische Vater-Sohn-Dialog:

Bukow sitzt mit seinem Alten (großartig: Klaus Manchen) in dessen neuem Klub. Es kommt zu einer Generationsaussprache, die trockener nicht sein könnte. Vater: "Prostata muss raus. Alles." Sohn: "Wann?" Vater: "Übermorgen. Und dann musst du den Laden schmeißen."

Der schönste lakonische Kollegenflirt:

"Frau König, kommen wir eigentlich mal zusammen?" So Bukow bei einer Observation zu der Kollegin. Die ist glücklich, als das Telefon klingelt und die Aktion ohne Antwort auf die Frage fortgesetzt werden muss. Gleich zu Anfang dieses "Polizeiruf" hatte sie Bukow bei einem Besäufnis ja bereits eine deutliche Abfuhr erteilt: "Spacken!"

Der Plausibilitätsfaktor:

Ziemlich hoch. Auch wenn bei der Figurenzeichnung ordentlich Gas gegeben wurde. Die Mafiosi wirken gelackt und parfümiert wie in dem italienischen Serien-Meisterwerk "Gomorrha", Bukow indes schaut mal wieder aus der Wäsche, als sei er eben aus einem Container mit Fischabfällen gekrochen.

Die Bewertung:

8 von 10 Punkten. Kleiner norddeutscher Mafia-Schocker mit Cliffhanger. Wir bleiben auf jeden Fall dran.

Die ausführliche Analyse:

Bitte lesen Sie hier weiter!


"Polizeiruf 110: Im Schatten", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
mariakäfer 16.10.2016
1. Warum
in Gottes Namen sehen hier fast alle Ermittler, Dealer, V-Männer und Zollfritzen gleich aus? Ich komme nicht mehr mit. Leider kann ich all die blonden Männer nicht auseinander halten.
ed_tom_bell 16.10.2016
2. Chicago - Rostock
Verstehe nicht wie die König dem Sexappeal der Plautze von Urviech Bukow widerstehen konnte. Pah, Frauen! Große Klasse mal wieder! Klasse Schauspieler bis in die kleinste Nebenrolle. Starke Story, klasse erzählt. Das einzige was ich vielleicht ein bisschen kritisieren würde ist diese hie und da eingestreute Schulfernsehen-Attitüde: Ich glaube z.B. kaum, dass Frau König ihren Kollegen so plakativ erklären müsste was ein "Burner-Handy" ist. Aber da kann man ruhig drüber hinweg sehen. Zwischendurch habe ich mir auch ein bisschen Sorgen gemacht, dass Frau Sarnau womöglich austeigen will, weil es so aussah als ob da ein Ersatz für sie aufgebaut würde. Zudem hatte sie sich ja um einen anderen Posten beworben. Aber das hat sich nun wohl zum Glück erledigt. Möge uns diese Perle deutscher TV-Unterhaltung noch lange in Gänze, also mit Sarnau, Hübner, Heynert, Guenther und Preuss, erhalten bleiben!
ed_tom_bell 16.10.2016
3. Blondwütige Kritik
Zitat von mariakäferin Gottes Namen sehen hier fast alle Ermittler, Dealer, V-Männer und Zollfritzen gleich aus? Ich komme nicht mehr mit. Leider kann ich all die blonden Männer nicht auseinander halten.
All die blonden Männer? Wer außer dem einen Zollbeamten und dem Sohn des Ermordeten war denn noch blond?
Schuma99 16.10.2016
4. Wer kann mir etwas erklären?
Wie immer ein sehr guter Polizeiruf aus Rostock! Wer kann mir bitte sagen, was der überführte Zollbeamte im Verhör gesagt hat? Ich habe es akustisch nicht verstanden? Und wer kann mir erklären, warum er in der letzten Szene weiterhin im Dienst war und weiterarbeiten durfte?
cafe-wien 16.10.2016
5. Wo, bitte, sehen Sie einen Cliffhanger, Herr Buß?
Meinen Sie die Nachricht, dass Bukows Vater nach seiner Prostata-OP im Koma liegt? Das ist kein Cliffhanger, Herr Buß. Bitte lesen Sie diesbezüglich nochmal in Ihren filmtheoretischen und serienbezogenen Unterlagen nach! Ob und dass die Nebenfigur Vater Bukow im Koma liegt, hat für jedweden Fortgang einer Haupthandlung keine Cliffhanger-Relevanz! Ich finde es bedenklich, wenn die offizielle Kritik des SPIEGEL in filmtheoretischen Termini nicht sicher im Sattel sitzt. Zu begrüßen ist, dass die Rostock-Erzählung jetzt allmählich wieder wegkommt von diesem Familygedöns um den Bukow-Clan, und dass Bukow das macht, was einer bei seiner Figurenzeichnung eben machen sollte: Trinken (Szene mit König im Revier) und eindeutige Verlustierung mit schönen Frauen (letzte Szene). Das ist schön anzusehen, das ist nachvollziehbar, das will ich sehen. Danke daher für diesen schönen Sonntagsausklang!
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