ARD-Sonntagskrimi Der Rostock-"Polizeiruf" im Schnellcheck

Mit Rechten reden, wie geht das? So, wie es Kommissar Bukow in diesem "Polizeiruf" tut: freundlich, burschikos, bei Bedarf zupackend. Furioser Abschluss der Sonntagskrimi-Saison.

NDR/ Sandra Hoever

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Das Szenario:

"Unser braunes Bullerbü". So nennt einer der Ermittler den Bio-Hof, der vor den Toren Rostocks von völkischen Siedlern bewirtschaftet wird. Kommissarin König (Anneke Kim Sarnau) und Kollege Bukow (Charly Hübner) werden durch den Mord an einer rechtspopulistischen Politikerin mit den Öko-Nazis konfrontiert. König wendet sich angeekelt ab, der Rostocker Bukow erkennt in ihnen die Abgehängten der Gesellschaft, tritt offen auf sie zu - und poliert ihnen, wenn es sein muss, trotzdem die Visage.

Der Clou:

Mit Rechten reden, wie geht das? Hier zeigt nun der Meckpom-Proll Bukow, wie man sich mit nach rechts abgedrifteten Meckpom-Prolls auseinandersetzt: freundlich, burschikos, bei Bedarf zupackend. Dadurch wird uns der didaktische Überbau anderer Sonntagskrimis erspart.

Der Spruch:

"Wissen Sie, was der größte Mindfuck der Geschichte ist? Dass sich Leute wie Sie auf einen Gaul setzen, was rot angestrichen ist, und von da oben mit einer Moralgrütze über alles und jeden herziehen, der unten ihnen sitzt." So weist Bukow die zugezogene Kollegin König zurecht, als diese sich über den "Blut-und-Boden-Dreck" am rechten Rand Mecklenburg-Vorpommerns ereifert.

Fotostrecke

13  Bilder
Rostock-"Polizeiruf": Konfrontationstherapie in Meckpom

Der Song:

"Zuhause" von Feine Sahne Fischfilet. Die linke Punk-Band aus Meckpom, über die der "Polizeiruf"-Hauptdarsteller Hübner zeitgleich zu diesem Krimi die Doku "Wildes Herz" gedreht hat, behauptet das Recht auf Geborgenheit und Solidarität für alle in einer Welt, die von rechts zusehends aufs Völkische verengt wird. Reißt alle Mauern ein!

Die Wahrheit:

"Ziehen Sie her und helfen Sie den Leuten!" Weil er einen guten Lauf hat, zitieren wir hier noch mal eine Mahnung von Bukow an die Kollegin König, die schnell mit ihrem Urteil ist, aber keine Lösungen parat hat.

Die Bewertung:

9 von 10 Punkten. Ein Krimi, der zum Teil schmerzhaft ambivalent die Sprachlosigkeit und Handlungsunfähigkeit thematisiert. Ein Krimi auch, dessen Produktionsprozess schwierig gewesen sein soll - und der dafür jetzt umso heller strahlt. Furioser Abschluss der Sonntagskrimi-Saison.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


"Polizeiruf 110: In Flammen", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
Taiga_Wutz 10.06.2018
1. freu freu freu
Endlich wieder elfnull-Rostock! Das beste, was tatort/110 derzeit zu bieten haben meiner Meinung nach. Eine DVD- Box wär nun mal ganz schön. Und für den Polizeiruf endlich eine neue Titelmelodie. *couchanwärm*
gersois 10.06.2018
2. Schon wieder
Öko-Nazis! Müssen jetzt alle Sonntagskrimis diese Thema verfolgen? Staatlich erwünscht? Ein Urteil werde ich mir aber leiber selbst bilden, auf die Schnell-Analyse von Herrn Buß verlasse ich mich erfahrungsgemäß besser nicht.
lupo62 10.06.2018
3. Groschenheft-Niveau
Düstere Atmosphäre, seltsame Farben - ist mein Ferrnseher kaputt? Genuschelte, atemlose Dialoge und eine ständige Hintergrundmusik der unangenhmen Art. Man könnte glauben, das sei schlechtes Handwerk, aber es ist nicht das erste Mal, es ist Absicht. Und die allgegenwärtige Gewalttätigkeit ist weder besonders unterhaltsam, noch ein Zeichen herausragender Qualität. Und dann diese wie ausgestanzt wirkenden Figuren. Das Opfer ist Mitglied der "bösen" Partei. Am Anfang des Filmes habe ich mich gefragt, wie sie dann das Opfer sein kann. Das wurde dann ganz einfach dadurch gelöst, dass sie auch böse ist. Ich habe den Polizeiruf immer gerne gesehen, aber dieses Groschenheft-Niveau ist einfach abstoßend. Ich erwarte intelligentere Plots.
Little_Nemo 10.06.2018
4. Wenn Brandstifter in Flammen aufgehen
Mal wieder Sonderklasse. Klasse gespielt und spannend und mit Esprit erzählt. Das Privatleben der Protagonisten rückte diesmal ungewohnt in den Hintergrund, was ich jetzt weder besonders positiv, noch negativ fand. Mit der Auflösung wurde ein dramaturgisches Tabu verletzt. Eigentlich sogar ein absolutes No go in einem Whodunit. Auf ein Whodunit muss und sollte man diesen Polizeiruf allerdings auch nicht reduzieren. Und so war dieser Stilbruch sogar ein effektiver Schachzug. Was ich ein wenig unglücklich fand war Bukows Übergriff auf den Öko-Nazi, unter Waffeneinsatz (wenn auch ohne abzudrücken). Das hätte ihn wohl in der Realität seinen Job gekostet. Aber da drücke ich ein Auge zu. Dass dieser Polizeiruf nicht den Beifall des rechten Lagers findet war natürlich vorhersehbar. Alles andere würde auch eher verwundern, nöhlen die doch ohnehin über alles was auf den pösen ÖR läuft. Insofern ist es dann ja auch eigentlich wurscht.
ichliebeeuchdochalle 11.06.2018
5.
Zitat von lupo62Düstere Atmosphäre, seltsame Farben - ist mein Ferrnseher kaputt? Genuschelte, atemlose Dialoge und eine ständige Hintergrundmusik der unangenhmen Art. Man könnte glauben, das sei schlechtes Handwerk, aber es ist nicht das erste Mal, es ist Absicht. Und die allgegenwärtige Gewalttätigkeit ist weder besonders unterhaltsam, noch ein Zeichen herausragender Qualität. Und dann diese wie ausgestanzt wirkenden Figuren. Das Opfer ist Mitglied der "bösen" Partei. Am Anfang des Filmes habe ich mich gefragt, wie sie dann das Opfer sein kann. Das wurde dann ganz einfach dadurch gelöst, dass sie auch böse ist. Ich habe den Polizeiruf immer gerne gesehen, aber dieses Groschenheft-Niveau ist einfach abstoßend. Ich erwarte intelligentere Plots.
Der Plot spielt in Dunkel-Deutschland, deshalb war da gestern wenig Farbe und wenig Licht im Film.
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