Krimi-Vote Wie fanden sie den Nazi-"Polizeiruf"?

Neonazis im Hygge-Ambiente, Populisten bei der Holocaust-Leugnung: Der "Polizeiruf" aus Rostock zeigte auf kluge Weise neue rechte Phänomene. Oder sind Sie anderer Meinung?

NDR/ Christine Schroeder

Wie wohnt der ökologisch verantwortungsvolle Neonazi? "Der Heimat und dem Volke treu"-Schild über der Haustür, eleganter Hitler-Stich an der Küchenwand, die Kate im feinsten Retro-Look, am großen Holztisch backen die Kleinen Brot aus selbst geerntetem Korn, die Mutter trinkt dazu Tee aus altem Porzellan. Der "Polizeiruf" aus Mecklenburg-Vorpommern mit Charly Hübner lieferte detailgenau Einsichten ins Milieu der völkischen Siedler. So lebt der Nazi im Hygge-Zeitalter.

Allerdings war es schon der dritte Sonntagskrimi, der sich mit Rechtsaussteigern beschäftigt hat. Vielen Zuschauern stieß die Themenballung unangenehm auf. Dabei war die Episode unter dem ursprünglichen Titel "Dunkeldeutschland" schon vor einem Jahr fertiggestellt worden, sie wurde dann jedoch wegen der Vielzahl an ARD-Produktionen zum Thema Rechtsextremismus und -populismus ganz ans Ende der Krimi-Saison gestellt.

Bis in den August hinein werden nun keine neuen "Tatort"- und "Polizeiruf"-Folgen zu sehen sein. Eine Ausnahme: Die ARD zeigt am 8. Juli den Kino-"Tatort" mit Til Schweiger, "Tschiller: Off Duty", als TV-Erstausstrahlung. Action, die sich nicht um deutsche Problemzonen schert.

Der "Polizeiruf" jedoch zeigte das ganze Spektrum neuer rechter Phänomene: vom deutschen Öko-Nazi bis zum AfD-Spitzenpolitiker mit Neigung zu relativierenden Holocaust-Vergleichen.

Wir gaben in unserer "Fadenkreuz"-Besprechung 9 von 10 Punkten. Das Fazit: "Die Gespräche sind an der Schmerzgrenze ambivalent, die gesellschaftlichen Spaltungsprozesse erscheinen fast schon körperlich spürbar: eine Krimi-Bombe vor der langen Sommerpause." Wie bewerten Sie den "Polizeiruf"?

cbu

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