"Polizeiruf" zum Muttertag Hart arbeiten, hart lieben

Muttertieralarm! Im Brandenburger "Polizeiruf" geht es um Frauen, die bedingungslos für ihre Kinder kämpfen - der Krimi mit Maria Simon und Lucas Gregorowicz nimmt gefährlich Fahrt auf.

rbb/ Oliver Feist

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Nicht vergessen, Sonntag ist Muttertag. Der Brandenburger "Polizeiruf" fährt zu diesem Anlass eine Parade gefährlich anpackender Muttertiere auf. Hart arbeitende, hart liebende Frauen, zwischen die sich Ermittlerin Olga Lenski (Maria Simon) bestens einreiht. Als sie zu einer Zeugenbefragung ausrückt, sitzt hinten im Maxi-Cosi die kleine Tochter. Später fährt Lenski, das Kind ist da schon in der Betreuung, zu einem blutgetränkten Tatort in einen Wald bei Szczecin nahe der deutsch-polnischen Grenze.

"Krummer Wald" heißt das Grünstück, in dem pittoresk verwachsene Kiefern stehen. "Sehr beliebt bei Pärchen", zwinkert Kommissar Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) etwas zu aufdringlich der Kollegin zu. Das Opfer war vor der Ermordung offensichtlich mit einer Frau hier, vor Ort hat man einen Slip gefunden. Raczek nutzt die Gelegenheit, sehr detailgenau den möglichen Geschlechtsverkehr nachzuahmen.

"Heißer Sex am Baumstamm, irgendwo hier zwischen Fundort und da, wo die Unterhose gefunden wurde", kombiniert er aufgeregt. "Unsere Liebenden sind noch mitten drin. Dann kommt der Dritte von hinten angeschlichen." Für eine Art Tatnachstellung penetriert Raczek im Anschluss pantomimisch und ein bisschen zu plastisch einen Baumstamm im Finsterwald.

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"Polizeiruf" mit Maria Simon: Mama mag es blutig

Der Brandenburger "Polizeiruf" beginnt endlich, starke, verstörende Bilder und Dialoge zu entwickeln. Nach dem Umzug von Lenski an die deutsch-polnische Grenze gab es ja Startschwierigkeiten; aus der spezifischen Topografie konnte kein erzählerisches Kapital geschlagen werden, trotz der Spitzenschauspieler Simon und Gregorowicz kam keine Dynamik zustande. Den dritten Fall, in dem Lenski mit Raczek ermittelt, drehte nun Autor und Regisseur Eoin Moore, der einst den Rostocker "Polizeiruf" zum Leben erweckt hatte.

Krumme Bäume, schiefe Katen

In "Muttertag" (Co-Autorin: Anika Wangard) setzt Moore die Uckermark als weltfernen Ort ins Bild. Krumme Bäume, windschiefe Katen, Krähenschwärme über Kohlfeldern, an dieser Uckermark scheint die Zeit vorbeigegangen zu sein. Die Jugend trifft sich in einer Gaststätte namens "Melli's Oase" und verzichtet weitgehend darauf, auf ihren Handys rumzutippen, weil sie in der kargen Grenzgegend sowieso kaum Empfang haben.

Gibt's mal Ärger in dieser Gegend, weiß man, wer die Schuld trägt. In einer Szene meckert eine erregte Frau in Gegenwart von Raczek: "10 Minuten vor der Grenze, die klauen hier alles, was nicht festgeschraubt ist, Autos, Landmaschinen, hörn sie mir auf!" Raczek, der selbst Pole ist, mimt Verständnis: "Der Pole klaut hier alles?" "Ja, so is it!" Deshalb fällt auch der Mordverdacht auf die von der anderen Seite der Grenze. Zumal der Tote selbst Pole war - und ein Verhältnis mit einer jungen Deutschen aus dem Dorf hatte. Kleiner Grenzverkehr sozusagen, sah man in dem Dorf nicht gerne.

Die Deutsche ist nun spurlos verschwunden. Der Verdacht fällt auf den jungen Enrico, dessen Mutter die beste Freundin von der Mutter der Vermissten ist. Männer gibt es in dieser Welt so gut wie gar nicht. Dafür kämpfen die Frauen ums so stärker um ihre Kinder - kommen aber nicht auf die Idee, einander Vorhaltungen zu machen, obwohl sie die Ermittler doch geradezu gegeneinander aufhetzen. Löwinnen, die verzweifelt mit der Welt ringen, um eine Resthoffnung am Leben zu erhalten, dass sie ihre vaterlosen Familien irgendwie in dieser vaterlosen Uckermark durchbringen können.

Raczek, der zu Hause natürlich eine Frau hat, die sich um die Kinder kümmert, schaut mit einem gewissen Ekel auf die deutschen Familienruinen. Lenski ist da nachsichtiger. Raczek sagt: "Du hast ein weiches Herz, Hippie?" Lenski antwortet: "Ne, Mutti." Nicht vergessen, Sonntag ist Muttertag.

Bewertung: 7 von 10 Punkten


"Polizeiruf 110: Muttertag", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

insgesamt 4 Beiträge
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Herbert B. 12.05.2017
1. Baff!
7 von 10 möglichen Punkten? "Viel aufgestaute Wut in dünner Story" (TV Digital/ Fazit "Geht so" Maria Simon bot vorkuzem eine Glanzleistung im ZDF-Montagsfilm im Zusammenhang mit einer der typischen Antipharmafilme des Deutschen Fernsehens. Überall sitzen die Verschwörer und sie erleidet eine schwere Psychose, grandios gespielt unter der Regie von Kai Wessel. Aber die Tatorte in Zusammenarbeit mit der polnischen Polizei sollten besser eingestellt werden. Die AfD erzielt in den neuen Bundesländern eh schon genug gute Wahlergebnisse. Und es stimmt ja auch: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/an-der-grenze-zu-polen-steigt-die-kriminalitaet-13584732.html
spmc-135322777912941 12.05.2017
2. Maria Simon und Lisa Wagner
sind ja sowieso die Besten.
Dramaturgenfrau 14.05.2017
3. Boah, is dit langweilich! Krause fehlt!
Dialog, Dialog, Dialog und unendliches Gequatsche, wie es denn wohl hätte sein können mit dem roten Mantel, Gequatsche im Polizeipräsidium usw. usf. Leute, nochmal: Dialog ist nicht Film! Wann kapiert Ihr das endlich?! Und dann dieses dämliche Familygedöns mit dem Balg von der Kommissarin. Das hat schon bei der unseligen Furtwängler-Burda alias Lindholm nicht verfangen, wobei bei der noch dazu kommt, dass die ne grottenschlechte Darstellerin ist. Das ist ja bei Maria Simon ganz und gar nicht der Fall. Aber ihr "neuer" Kompagnon, der Pseudopole, bringt echt kein Feuer oder auch nur Epik in diesen P110. Sehnsuchtsvoll denke ich an Krause. Was waren das für schöne P110 mit Krause in einer wunderbaren Landschaft. Tempi passati. Ich zappe immer auf WDR, wo die Ergebnisse der NRW-Wahl diskutiert werden: Hundert Mal interessanter und spannender.
Grammatikfreund 15.05.2017
4. Bisschen dünne Story, aber...
... ich schaue Olga und Adam gerne bei der Arbeit. Eine größere Rolle für Speedy wäre allerdings schön.
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