ARD-Sonntagskrimi Der Brandenburg-"Polizeiruf" im Schnellcheck

Deutsche Frauen sind schlechte Mütter, polnische Männer sind notorische Diebe: Der "Polizeiruf" aus dem Oder-Grenzgebiet kommt als kleiner Kultur-Clash daher.

rbb/ Oliver Feist

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Das Szenario:

Blutiger Muttertag. In einem gespenstischen Wald nahe der deutsch-polnischen Grenze wurde ein Mann beim Geschlechtsverkehr ermordet, von seiner Sexpartnerin fehlt jede Spur. Die alleinerziehende Kommissarin Olga Lenski (Maria Simon) fährt mit der kleinen Tochter im Maxi-Cosi zu Zeugenbefragungen, die ebenfalls alleinerziehende Mutter des Tatverdächtigen kämpft nach langen Nachtschichten wie ein Löwin um ihren Jungen. Zum Muttertag versammelt dieser "Polizeiruf" eine Reihe hart arbeitender und hart liebender Frauen. Lenskis polnischer Kollege Adam Raczek (Lucas Gregorowicz), nicht so der Muttertagsfreund, guckt recht genervt aufs deutsche Alleinerziehendenelend.

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

Dieser sehr detailgenaue "Polizeiruf" fängt gut den gesellschaftlichen Stillstand und die Perspektivlosigkeit in der Uckermark ein.

Der unausgeschlafenste Dialog:

Kommissarin Lenski und Kollege Raczek müssen sich in einer kleinen Pension das Bett teilen. Bei Sonnenaufgang fragt sie genervt: "Herr Raczek, wo ist Ihre Hand?" Er hebt unschuldig die Hand hoch. Sie, noch genervter: "Die andere!" Er schlaftrunken, aber nicht schuldbewusst: "Schulligung." Nimmt dann unter der Decke die Hand vom Po.

Fotostrecke

9  Bilder
"Polizeiruf" mit Maria Simon: Mama mag es blutig

Der ausgeschlafenste Dialog:

Im kleinen deutschen Ort, wo die Kommissare ermitteln, erregt sich eine Frau über die polnischen Nachbarn: "Zehn Minuten vor der Grenze, die klauen hier alles, was nicht festgeschraubt ist, Autos, Landmaschinen, hörn sie mir auf!" Raczek, der selber Pole ist, mimt Verständnis: "Der Pole klaut hier alles?" - "Ja, so is it!"

Der Plausibilitätsfaktor:

Recht hoch. Das Setting zwischen windigen Kohlfeldern, windschiefen Katen und windgebeugten Bäumen ist stimmig angelegt, nur einige der Frauenfiguren in diesem Mütterkrimi sind streckenweise etwas, nun ja, stiefmütterlich in Szene gesetzt.

Die Bewertung:

7 von 10 Punkten. Nach den letzten trostlosen Folgen kommt der Brandenburger "Polizeiruf" endlich ein wenig auf Touren. Deutsche Frauen sind schlechte Mütter, polnische Männer klauen alles, so lässig wie hintersinnig werden die üblichen Klischees verhandelt.

Die ausführliche Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


"Polizeiruf 110: Muttertag", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
stoffi 14.05.2017
1. was man bei ARD und ZDF zu sehen bekommt
ist nur noch Erziehungsfernsehen. Ich bin kein Freund von RTL usw... aber da glaube ich, werden wir nur für blöd gehalten, während ARD und ZDF uns eintrichtern wollen, was wir für richtig und was für falsch halten und denken müssen. Kaum noch eine Sendung, die man nicht als Staatsfernsehen bezeichnen kann. Leider sieht es bei den Medien alles Art ebenso aus. Erst wenn man sich bei der ausländischen Presse informiert, darf man wieder selber denken. Hier im Forum ist es zumindest ab und zu mal erlaubt
Dramaturgenfrau 14.05.2017
2. Krause fehlt schmerzlich!
Dialog, Dialog, Dialog und unendliches Gequatsche, wie es denn wohl hätte sein können mit dem roten Mantel, Gequatsche im Polizeipräsidium usw. usf. Leute, nochmal: Dialog ist nicht Film! Wann kapiert Ihr das endlich?! Und dann dieses dämliche Familygedöns mit dem Balg von der Kommissarin. Das hat schon bei der unseligen Furtwängler-Burda alias Lindholm nicht verfangen, wobei bei der noch dazu kommt, dass die ne grottenschlechte Darstellerin ist. Das ist ja bei Maria Simon ganz und gar nicht der Fall. Aber ihr "neuer" Kompagnon, der Pseudopole, bringt echt kein Feuer oder auch nur Epik in diesen P110. Sehnsuchtsvoll denke ich an Krause. Was waren das für schöne P110 mit Krause in einer wunderbaren Landschaft. Tempi passati. Ich zappe immer auf WDR, wo die Ergebnisse der NRW-Wahl diskutiert werden: Hundert Mal interessanter und spannender.
K. Behnert 15.05.2017
3. sprachliche Verirrungen
was mir in letzter Zeit häufiger auffällt, ist, dass man verstärkt bei den Dialogen auf neumodische Wörter setzt. Ich weiss nicht, wer bei diesem Filmchen die Dialoge geschrieben hat, aber bemerkenswert war es schon, dass dieser doch reichlich dümmliche Täter es nicht unterlassen durfte, das Wort "Fuck" zu benutzen. Wenn damit gemeint ist, dass in deutschen Fernsehfilmproduktionen etwas mehr Internationalität erscheinen soll, so kann ich mich nur darüber wundern. Die deutsche Sprache bietet für solche Ausdrücke reichlich eigene Wörter, da braucht man sich doch nicht auf dem internationalen Markt der Fäkaliensprachen zu bedienen. Es ist nur peinlich, wie in öffentlich rechtlichen Sendeanstalten um die unterste Schicht der Primitivität gebuhlt wird.
uli_san 15.05.2017
4. Sie haben wohl...
Zitat von K. Behnertwas mir in letzter Zeit häufiger auffällt, ist, dass man verstärkt bei den Dialogen auf neumodische Wörter setzt. Ich weiss nicht, wer bei diesem Filmchen die Dialoge geschrieben hat, aber bemerkenswert war es schon, dass dieser doch reichlich dümmliche Täter es nicht unterlassen durfte, das Wort "Fuck" zu benutzen. Wenn damit gemeint ist, dass in deutschen Fernsehfilmproduktionen etwas mehr Internationalität erscheinen soll, so kann ich mich nur darüber wundern. Die deutsche Sprache bietet für solche Ausdrücke reichlich eigene Wörter, da braucht man sich doch nicht auf dem internationalen Markt der Fäkaliensprachen zu bedienen. Es ist nur peinlich, wie in öffentlich rechtlichen Sendeanstalten um die unterste Schicht der Primitivität gebuhlt wird.
...keinerlei Beziehung mehr zur jungen Generation? Dieser Ausdruck für alles überraschende oder negative gehört (leider) zum ganz normalen Sprachgebrauch bei Jugendlichen. Zum Gespött würde sich der Drehbuchschreiber eher machen, wenn er die Akteure immer politisch korrekt sprechen lassen würde.
uli_san 15.05.2017
5. Bringen Sie mal ein Beispiel...
Zitat von stoffiist nur noch Erziehungsfernsehen. Ich bin kein Freund von RTL usw... aber da glaube ich, werden wir nur für blöd gehalten, während ARD und ZDF uns eintrichtern wollen, was wir für richtig und was für falsch halten und denken müssen. Kaum noch eine Sendung, die man nicht als Staatsfernsehen bezeichnen kann. Leider sieht es bei den Medien alles Art ebenso aus. Erst wenn man sich bei der ausländischen Presse informiert, darf man wieder selber denken. Hier im Forum ist es zumindest ab und zu mal erlaubt
...aus dem Tatort von gestern, damit ich verstehe, was Sie meinen. Ihren Kommentar haben Sie ja schon einige Stunden vor Ausstrahlung geschrieben. Interessant, dass Sie den Film da schon bewerten konnten.
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