Kultur

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TV-Krimi über Finanzplatz Schweiz

Bad Bänklis

Schließfach-Tourismus auf die kriminelle Tour: Der Zweiteiler "Private Banking" zeigt, wie sich Schweizer Finanzdienstleister an den EU-Steuergesetzen vorbeimogeln.

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Mittwoch, 27.06.2018   09:23 Uhr

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"Das Bankgeheimnis ist gefallen." So wie der ältere Bankdirektor diesen Satz am Anfang dieses Finanzdramas auf einer Feier vor Branchenkollegen ausspricht, klingt das, als ob da ein ganzes Land vor dem Zusammenbruch steht: die Schweiz, sturmreif geschossen durch das EU-Steuerabkommen?

Leopold Weyer (theatralisch malad: Christian Kohlund) wankt an diesem Abend jedenfalls gefährlich, als er am Rednerpult die Schreckensbegriffe aller Schweizer Bankiers aufzählt: elektronischer Informationsaustausch, Digitalisierung, Steuertransparenz. Mit jedem Wort ringt der grau melierte Grandseigneur des Flüster-Bankings verzweifelter nach Luft. Nach seiner Ansprache reißt er sich die Fliege vom Hals und den Anzug vom Leib und fällt in den Zürichsee. Infarkt, eine Branche kollabiert.

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Der TV-Zweiteiler "Private Banking" fährt indiskrete Analogien für das betont diskrete Schweizer Finanzgeschäft auf; das Ungreifbare des finanziellen Versteckspiels, das Abstrakte der fiskalen Verschleierung wird in süffige Szenen und satte Figurenzeichnungen übersetzt. Das Publikum braucht keine Angst zu haben, durch Feinheiten überfordert zu werden.

Das liegt auch an der Hauptfigur, die keine Ahnung vom Geschäft hat und deshalb in der Filmhandlung stellvertretend alles erklärt bekommt: Ausgerechnet die uneheliche, einst drogensüchtige Tochter Caroline (Stephanie Japp) soll Nachfolgerin vom Bankier Weyer werden, der nach seinem Zusammenbruch im Koma liegt. In ihren Zwanzigern ließ Caroline keine Droge aus, heute arbeitet sie als Therapeutin. "Polytoxikomanie" nennt sie selbst die Krankheit, unter der sie litt, Mehrfachabhängigkeit. Sie kennt sich mit Süchten aus.

Auf der Suche nach dem nächsten Finanzkick

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Was ihr jetzt im Umgang mit den wankelmütigen Kunden von Vaters Bank hilft. Denn auch von denen sind ja viele gleich mehrfach süchtig: nach Kunst, Uhren, verwegenen Anlagekonstruktionen. Der Kick stellt sich auch ein, wenn man Geld am Fiskus vorbeigeschmuggelt bekommt. Das wird aber eben schwierig mit dem Steuerabkommen mit der EU, durch das Schweizer Banken Kundendaten offenlegen müssen.

Neu-Bankerin Caroline glaubt, die Zeichen der Zeit erkannt zu haben und entwickelt eine Strategie, mit der sie die alten Kunden zu rechtlich einwandfreien und moralisch unbedenklichen Anlageprodukten überzeugen will. "Going clean" nennt Ex-Junkie Caroline ihre Kampagne. In der jungen Juristin aus der Compliance-Abteilung (Anna Schinz) findet sie eine Mitstreiterin, die alten Partner des Vaters mauern.

Dieses Gegeneinander unterschiedlicher Kräfte kennt das Fernsehpublikum bereits aus dem ARD-Film "Dead Man Working" und der ZDF-Serie "Bad Banks". Hier wie dort geht es um ein großes, der Deutschen Bank ähnelndes Kreditinstitut, bei dem die Chefs in den oberen Etagen einen Kulturwandel beschwören, während die Investmentabteilungen darunter angehalten werden, an umso zweifelhafteren Fonds zu schrauben.

Eine Firma, viele Interessen

Auch in dem Zweiteiler "Private Banking" vom SRF, der am Donnerstag in einem Rutsch bei Arte gezeigt wird und dort schon jetzt in der Mediathek abrufbar ist, geht es ums stetige Reinwaschen dubioser Gelder bei immer neuen Regulierungen, um das interne Gegeneinander unter einem Firmendach. An die Dichte des Verschwörungsszenarios in "Bad Banks" kommt die Produktion allerdings nicht heran.

Gerade im zweiten Teil, als die Story ins Geopolitische gedreht wird, bleibt "Private Banking" weit hinter der behaupteten Komplexität zurück. Die korrupten afrikanischen Politiker, die ihre Gelder in der Schweiz waschen wollen, erscheinen wie Abziehbilder. Und die Wandlung von der Heldin mit Helfersyndrom zur Strategin im Businesslook bleibt dem Publikum relativ schleierhaft.

Dafür zeigt diese Bad-Bänklis-Variation eines Finanzthrillers (Buch: David Sandreuter, Thomas Ritter und Bettina Oberli) eindrücklich, wie sich die Schweiz als Ort der unverbrüchlichen Werte und Währungen präsentiert. Der Service am gehobenen Schließfach-Touristen, das Wissen um die Exklusivität der eigenen Welt, darauf kommt es an. Das Anwerbungsgespräch etwa, das ein Bankmitarbeiter mit einem reichen Dänen führt, funktioniert über Fachsimpeleien über Uhren und exklusive Whiskey-Labels. Man zeigt sich gegenseitig seine Unikate am Handgelenk und lässt die teuersten Flaschen aus dem Keller kommen.

Am Ende ist der umgarnte Däne so betrunken, dass der Anwerber am Urinal dessen Penis halten muss. Wie schon der Bankier Weyer wusste: Persönlicher Kundenkontakt ist alles auf dem Finanzplatz Schweiz.


"Private Banking", Donnerstag, 20.15 Uhr, Arte. Bereits jetzt in der Mediathek abrufbar

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