"Promi Big Brother": "Wer oben ohne auflegt, gilt heute schon als prominent"

"Promi Big Brother": Dschungelcamp ohne Kakerlaken Fotos
ProSieben

"Big Brother", Urmutter des modernen Trash-Fernsehens, ist wieder da - diesmal in der Promi-Variante. Im Interview sprechen die Moderatoren Ilka Bessin alias Cindy aus Marzahn und Oliver Pocher über Pseudopromis und fremde BHs.

SPIEGEL ONLINE: Herr Pocher, Frau Cindy aus Marzahn, Sie moderieren ab Freitag die erste Staffel "Promi Big Brother". Etwa aus Leidenschaft?

Cindy aus Marzahn: Ja, ich habe alle Staffeln zuvor geguckt, von der ersten bis zu letzten. Ein tolles Format.

SPIEGEL ONLINE: Alle erinnern sich immer nur an Jürgen und Zlatko aus der ersten Staffel, dabei gab es viel spektakulärere Kandidaten. Welcher ist Ihnen im Gedächtnis geblieben?

Cindy aus Marzahn: Ich mochte den Micha, der auch seine Staffel gewonnen hat. Der kam aus Berlin, hatte längere dunkle Haare, sehr tätowiert, hat sich dann im Haus die Haare abgeschnitten und sah ganz toll aus. Oder dieses Pärchen, das sich dauernd fast gekloppt hätte, und dann haben sie doch geheiratet - sie kam in einem roten Kleid auf einem weißen Pferd dahergeritten. Und der Vater, der mit seiner Tochter ins Haus gegangen ist. So eine Blondine, die hat sich dann dort in einen anderen Bewohner verliebt, und der wurde dann adoptiert, als Prinz.

Pocher: Entschuldige, erzählst du jetzt privat von deinem Dorf?

SPIEGEL ONLINE: Sie, Herr Pocher, sind dann wohl nicht so tief in der Historie drin?

Pocher: Nein, nicht wirklich. Tut mir leid, ich musste zwischenzeitlich auch mal Geld verdienen. Übrigens mein Hauptargument, bei der Show jetzt als Moderator mitzumachen.

SPIEGEL ONLINE: Die regulären "Big Brother"-Staffeln haben ja kontinuierlich hochgeschaltet: In der ersten lagen alle nur bräsig auf dem Sofa, am Ende wurde immer mehr auf schräge Action gesetzt. Da furzt dann ein Kandidat namens Porno-Klaus einer Mitbewohnerin heimlich in den BH. Können die Promis den Ekelfaktor noch mal hochsetzen?

Cindy aus Marzahn: Wir haben keinen dabei, der "Porno" im Namen trägt. Darum wird auch niemand an fremde BHs gehen.

SPIEGEL ONLINE: Die größte Herausforderung dürfte es sein, Kandidaten zu finden, die nicht schon in allen anderen Reality-Formaten durchgenudelt wurden. Inzwischen gibt es ja so etwas wie ein festes Trash-TV-Ensemble, siehe "Wild Girls" bei RTL.

Pocher: Das ist tatsächlich unser Anspruch: so viele Leute wie möglich zu haben, die noch nicht komplett durchgereicht wurden. Wenn ein paar davon dabei sind, ist das auch nicht schlimm. Dann weiß man, wofür die stehen. Im Idealfall müssen wir unsere Prominenten nicht erst umständlich vorstellen. Aber die Kanzlerin kann leider nicht, weil während der Sendung ja auch Wahl ist. Und Gottschalk und Jauch machen jetzt ihre eigene Sendung, sonst hätten die auch supergerne mitgemacht.

SPIEGEL ONLINE: In Großbritannien hat "Celebrity Big Brother" mit dem Phänomen der Schein-Prominenz gespielt: Eine völlig unbekannte Kandidatin gab sich bei den echten Promis als Mitglied einer erfundenen Girlgroup mit mehreren Nummer-eins-Hits aus - und kam damit durch.

Cindy aus Marzahn : Ich weiß nicht, ob das in Deutschland auch funktionieren würde. Ein Problem ist aber sicher, dass die Definition von "prominent" immer mehr heruntergeschraubt wurde. Wenn man heute oben ohne als DJ in Hinterdeppendorf auflegt, gilt man ja schon als prominent.

SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie, dass diese Pseudopromi-Blase irgendwann platzen wird? "Wild Girls" auf RTL und "Reality Queens" bei ProSieben sind ja jämmerlich gefloppt.

Pocher: Trotzdem lassen sich diese Halb- und Viertelpromis nicht so einfach aus dem Programm fegen. Die sind jetzt da, und die werden nicht mehr gehen. Und solange jeden Tag zwei neue Sender dazu kommen, wird es immer irgendeinen Job für sie geben.

SPIEGEL ONLINE: Ganz ehrlich, weshalb könnte es sich lohnen, "Promi Big Brother" anzuschauen?

Pocher: Mich interessiert der ganze psychologische Komplex, all das Zwischenmenschliche. Das ist ja im Grunde eine tägliche Telenovela. Ich gehe stark davon aus, dass es gewisse interessante Konflikte geben wird.

Cindy aus Marzahn : Das konnte man ja schon sehr schön sehen, als Daniel Küblböck einmal in einer regulären Staffel ein paar Tage zu Gast war. Da ist der komplett ausgeflippt und bekam einen richtigen Tobsuchtsanfall, das fand ich auch sehr unterhaltsam.

SPIEGEL ONLINE: Die Container-Promis werden auch Tagesaufgaben lösen müssen, für die sie der Zuschauer nominieren kann. Nach einer Woche wird ein Kandidat nach dem anderen rausgewählt - klingt wie Dschungelcamp ohne Kakerlaken.

Pocher: Das ist ein Riesenunterschied: "Big Brother" hat nicht diese extremen äußeren Umstände, die Temperaturen, die Zeitverschiebung. Das grundsätzliche Genre ist natürlich dasselbe - wobei die Sendung ja das erste Reality-Format war, das Menschen 24 Stunden gefilmt hat. Das Original kommt also mit einem neuen Aufschlag zurück.

SPIEGEL ONLINE: Wer wäre Ihr Wunschkandidat für den Container?

Pocher: Die van der Vaarts - vielleicht noch mit einer guten Freundin!

SPIEGEL ONLINE: Könnten Sie sich selbst vorstellen, "Big Brother"-Kandidat zu werden?

Pocher: Ich hätte kein Problem damit und nichts zu verstecken. So, wie ich im Fernsehen bin, bin ich auch privat. Nur die Tatsache, dass auch in der Toilette gefilmt wird, finde ich unangenehm.

Cindy aus Marzahn : Man darf auch nicht vergessen, dass die Leute damit Geld verdienen. Wenn es mir finanziell nicht gut gehen würde - dann fände ich das völlig legitim. Ich glaube nur, dass ich irgendwann aggro werden würde, wenn die Leute mich vollquatschen. Nur wenn ich selber rede, fühle ich mich so richtig wohl.


"Promi Big Brother", 13. September 2013, 20.15 Uhr, an den darauf folgenden 14 Tagen jeweils um 22.15 Uhr., Sat.1

Das Interview führte Anja Rützel

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insgesamt 26 Beiträge
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1. Super-Idee
stevenspielberg 11.09.2013
Ich finde auch dass Cindy aus Marzahn und Oliver Pocher in einen Container gesperrt gehören. . Am besten auf Lebenszeit!
2. Verfehlter Vorsatz
Nachtfuchs 11.09.2013
Ich hab mir wirklich ganz fest vorgenommen, das gesamte Interview zu lesen. Aber nach wenigen Absätzen ist mein IQ rapide gefallen und ich musste aufhören. Das passiert mir immer, wenn diese Frau, der sinnentleerte Pocher, Atze Schröder, diverse Z-Promis und ähnliches Gezücht ins Spiel kommen. Was für eine Verschwendung von Raum, Zeit und wertvollem Protoplasma, das etwas so Nützliches wie, hmmm... Plankton hätte werden können!
3. Au ja
eine_frage_noch 11.09.2013
Zitat von stevenspielbergIch finde auch dass Cindy aus Marzahn und Oliver Pocher in einen Container gesperrt gehören. . Am besten auf Lebenszeit!
Das wären aber beileibe nicht die einzigen Kandidaten, und auf Kameras sollte man verzichten. Das wäre perfekt.
4. Nimm mich mit, Kapitän...
HuHa 11.09.2013
Zitat von sysopProSieben"Big Brother", Urmutter des modernen Trash-Fernsehens, ist wieder da - diesmal in der Promi-Variante. Im Interview sprechen die Moderatoren Ilka Bessin alias Cindy aus Marzahn und Oliver Pocher über Pseudopromis und fremde BHs. http://www.spiegel.de/kultur/tv/promi-big-brother-ilka-bessin-und-oliver-pocher-im-interview-a-920838.html
Ich hätte da einen Vorschlag: Die Kandidaten und diese beiden ab in den Container, Türen zu, ab damit zum nächsten Hochseecontainerhafen und aufs nächste Mega-Containerschiff z.B. der Maersk-Linie - in die unterste Reihe. Und immer schön dort lassen, von Hafen zu Hafen. Hin nach Shanghai, zurück nach Hamburg, wieder nach Shanghai. Oder meinetwegen auch Kuala Lumpur. Aber bloß nicht mehr ausladen. Da würde ich doch glatt noch mehr "Demokratieabgabe" zahlen, um den Transport auf Dauer zu finanzieren...
5. Containerschrott
uwecux 11.09.2013
Zitat von stevenspielbergIch finde auch dass Cindy aus Marzahn und Oliver Pocher in einen Container gesperrt gehören. . Am besten auf Lebenszeit!
...und Barth und die Kiewel gleich hinterher!
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Zur Person
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    Cindy aus Marzahn: Sie ist die unangefochtene Proll-Prinzessin, ihr Markenzeichen ist der pinke Frottee-Jogginganzug: Ilka Bessin alias Cindy aus Marzahn. Die 41-jährige Prekariats-Komödiantin schaffte den Sprung vom RTL-Inventar zum "Wetten, dass..?"-Sidekick von Markus Lanz. Mittlerweile hat sie sich wieder von der Abendunterhaltung des ZDF verabschiedet und tourt mit ihrem Solo-Programm "Pink is bjutiful" durch die Republik.

Zur Person
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    Oliver Pocher: Der ehemalige Viva-Moderator Oliver Pocher hat sich in den vergangenen Jahren als Privatsender-Moderator etabliert - wenngleich seine Shows immer wieder mit mauen Quoten zu kämpfen haben. Auch seinen Ausflug zum Öffentlich-Rechtlichen an der Seite von Harald Schmidt blieb glücklos. Für mehr Aufsehen sorgen da diverse Läster-Kommentare (so riet er einer "Wetten, dass..?"-Zuschauerin zu einer Schönheitsoperation) und seine inzwischen geschiedene Ehe mit Boris-Becker-Ex Alessandra Meyer-Wölden.