Promi-Talk bei Plasberg: Glücksmomente mit Gottschalk

Von Arno Frank

Wie viel Nichtbeachtung verträgt Thomas Gottschalk? Mit solchen Fragen beschäftigte sich Frank Plasberg in seiner Talk-Runde zum Thema "Berühmt um jeden Preis". Eine Antwort vom anwesenden Show-Master gab es nicht, dafür drohte die Debatte zur Selbsthilfegruppe für Gefallsüchtige zu verkommen.

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dapd

Plasberg-Gäste Antony, Gottschalk, Karasek: Wie viel Nichtbeachtung darf es sein?

Irgendwann am frühen Montagabend muss Frank Plasberg in der Sendung von Gottschalk gewesen sein. Gesehen hat das wahrscheinlich wieder einmal niemand, aber offenbar deshalb war Thomas Gottschalk nun am späten Abend bei Plasberg. So geht's zu bei der ARD. Man pflegt da noch persönliche Kontakte, besucht sich gegenseitig und spricht auch mal Probleme an.

Wer wohl mehr Quote gemacht hat? Gottschalk mit Plasberg oder Plasberg mit Gottschalk? Thematisch jedenfalls war "Hart aber fair" perfekt auf den hohen Besuch zugeschnitten: "Berühmt um jeden Preis - wie viel Öffentlichkeit verträgt der Mensch?" Und schon Plasbergs erste Frage ("Wie viel Nichtbeachtung verträgt Thomas Gottschalk?") nahm Gottschalk zum Anlass, den Frieden zu preisen, den er mit sich und der Welt längst gemacht hat: "Ich habe das Glück, wenn ich auf die Toilette muss, dass ich irgendwo in Deutschland an der Tür klingeln kann und reingelassen werde."

Dazu gesellt sich freilich das Glück, dass er, wenn er mal in Los Angeles ein Bedürfnis verspürt, dort eine eigene Toilette hat. Zwischen dem öffentlichen und dem privaten Gottschalk liegt nicht nur ein Ozean, sondern zur Sicherheit auch noch einen ganzer Kontinent. So sollten sich die Zumutungen der Öffentlichkeit ganz gut ertragen lassen.

Gottschalks persönliches Glück

Im Übrigen könne man unmöglich "gegen die Medien moderieren", eine gewisse Aufmerksamkeit sei doch die Geschäftsgrundlage. Jeden treffe man immer irgendwann wieder: "Du kannst Feindschaften gar nicht pflegen." Und so ficht es Gottschalk auch nicht an, wenn Plasberg ihm auf den Quadratmeter genau vorrechnet, wie groß die "Wetten, dass..?"-Stierkampfarena in Palma auf Mallorca war und wie winzig sein aktuelles Studio in Berlin ist. Brav erläutert Gottschalk, was er seit Monaten erläutert, dass ihn die neue Aufgabe reize und so weiter, mit Nachdruck irgendwann: "Mein persönliches Glück hat nichts mit meiner Quote zu tun." Schon wieder so ein Glücksmoment.

Irgendwann wird es Ralf Höcker zu bunt: "Der Mann ist 60, was soll er denn machen?" Höcker hat als Anwalt schon Problemfälle wie Jörg Kachelmann vertreten und kann in der Plasberg-Runde über den fahrlässigen Umgang mancher Leute mit ihrem "Budget an Grundrechten" nur bedenklich den Kopf schütteln.

Was ein Gottschalk sich beispielsweise vom Leib halten muss, danach hungert eine Mirjam Weichselbraun. Die junge Frau moderiert angeblich irgendwas und ist offenbar eingeladen worden, weil sie Facebook "zur Bekanntschaftspflege" nutzt. Sie ist nicht wirklich berühmt, arbeitet aber daran. Während der Sendung jedenfalls war ihre Homepage hoffnungslos überlastet. Oder Ross Antony, noch so ein Fall. Ein echtes Geschöpf des Privatfernsehens, gewaschen mit allen Wassern von RTL, RTL II, Super RTL, Sat.1 und Vox. Er sagt, er sei "gerne öffentlich" und hält es "für ein schönes Gefühl, dass jemand da ist".

"Ich habe vorgestern im Fernsehen etwas Spannendes gesehen…"

Da geht es ihm wie Hellmuth Karasek. In der Öffentlichkeit fühlt sich der 78-Jährige "embedded", regelrecht "aufgehoben" in der Gesellschaft derer, die ihn erkennen. Er sei zwar "kein Literaturkritiker, nie gewesen". Aber "das Facebook" (Karasek) mit seinen ins Unendliche gestapelten Nichtigkeiten findet er toll: "'Ulysses'! Die Darstellung eines Tages in einem Leben!" Er selbst habe im Leben immer nur "Dinge vermitteln" wollen: "Ross Antony vermittelt sich selbst."

Über seine eigenen Eitelkeiten spricht Karasek indes nur ungern und schöpft lieber aus seinem reichen Schatz an Anekdoten, denen man vielleicht gerne gelauscht hätte, wären sie nicht mit Sätzen wie "Ich habe vorgestern im Fernsehen etwas Spannendes gesehen..." eingeleitet worden. Irgendwann greift Plasberg ein und liest Karasek testweise einen kurzen Text vor, der wie eine banale Statusmeldung auf Facebook klingt. Es kommen die Worte "Hund" und "Tegernsee" drin vor, und ausgerechnet Gottschalk schaltet schneller: "Thomas Mann".

Bevor die Sendung endgültig zur heiteren Selbsthilfegruppe für Gefallsüchtige verkommen konnte, kam Sylvia Hamacher ins Spiel: Die Abiturientin ist gemobbt worden und hat ein Buch darüber geschrieben, wie der übliche Schulhofquatsch durch die Mittel des Internet plötzlich eine ganz andere, fast lebensbedrohliche Dimension annahm. Während Karasek dem Mädchen eine Literaturempfehlung mit auf den Weg gibt ("Lesen Sie mal den 'Törless' von Musil!"), rät Höcker zur juristischen Keule. Man könne durchaus löschen, was im Internet so verbreitet werde: "Elternsprechtage und Schulpsychologen in Ehren", aber wer im Netz mobbt, der "kriegt 'ne Abmahnung, eine einstweilige Verfügung mit einer fetten Kostenrechnung dran", dann sei Ruhe: "Ich habe schon ganze Google-Seiten leergeräumt."

Am Ende wirkt selbst Plasberg erschöpft. Er nimmt einen sehr langen Anlauf, erkundigt sich umständlich nach den akademischen Graden seiner Gäste, um ein Zitat aus der 80 Jahre alten Radiotheorie von Bertolt Brecht loszuwerden: "Man hatte plötzlich die Möglichkeit, allen alles zu sagen, aber man hatte, wenn man es sich überlegte, nichts zu sagen." Ob denn die Gäste abschließend noch etwas sagen wollten? Der Reihe nach winken sie alle ab. Sie haben, wenn sie es sich überlegen, nichts zu sagen. Nur Thomas Gottschalk zwinkert in die Kamera und sagt tatsächlich: "Ich möchte dem Publikum eine Sendung ans Herz legen, morgen um 19.20 Uhr." Da sollte man vielleicht wirklich mal reinschauen...

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1. ...
jujo 28.02.2012
Zitat von sysopWie viel Nichtbeachtung verträgt Thomas Gottschalk? Mit solchen Fragen beschäftigte sich Frank Plasberg in seiner Talk-Runde zum Thema "Berühmt um jeden Preis". Eine Antwort vom anwesenden Show-Master gab es nicht, dafür drohte die Debatte zur Selbsthilfegruppe für Gefallsüchtige zu verkommen. Promi-Tal bei Plasberg: Glücksmomente mit Gottschalk - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur (http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,817951,00.html)
Gottschalk meinte, das er in Deutshland an jeder Tür für einen Gang zur Toilette klingeln könne und man ihn hereinliesse! Er hat Recht! Wer wolle denn den psychischen Knacks verantworten, wenn man ihn nicht hereinliesse.
2. Diese Talkrunde
Erich91 28.02.2012
Zitat von sysopWie viel Nichtbeachtung verträgt Thomas Gottschalk? Mit solchen Fragen beschäftigte sich Frank Plasberg in seiner Talk-Runde zum Thema "Berühmt um jeden Preis". Eine Antwort vom anwesenden Show-Master gab es nicht, dafür drohte die Debatte zur Selbsthilfegruppe für Gefallsüchtige zu verkommen. Promi-Talk bei Plasberg: Glücksmomente mit Gottschalk - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur (http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,817951,00.html)
mit dem unseligen Herrn Plasberg, geht sowas am Leben vorbei.
3. Grauenvoll
berns 28.02.2012
Zitat von sysopWie viel Nichtbeachtung verträgt Thomas Gottschalk? Mit solchen Fragen beschäftigte sich Frank Plasberg in seiner Talk-Runde zum Thema "Berühmt um jeden Preis". Eine Antwort vom anwesenden Show-Master gab es nicht, dafür drohte die Debatte zur Selbsthilfegruppe für Gefallsüchtige zu verkommen. Promi-Talk bei Plasberg: Glücksmomente mit Gottschalk - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur (http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,817951,00.html)
Die Sendung "Hart aber Fair" wird immer schlechter. Die gestrige Sendung war nur noch peinlich. Merkt denn kein Verantwortlicher des TV-Senders, dass Gottschalk total abgehalftert ist und dass er ungepflegt auftritt, wie ein Penner? Diese gegenseitige Lobhudelei Plasberg- Gottschalk ist ehrlich gesagt eine Schweinerei. Dass wir für solch mieses TV auch noch zwangsweise zahlen müssen, ist eine Ungeheuerlichkeit!
4. Abschalten und sich ........
curti 28.02.2012
Zitat von sysopWie viel Nichtbeachtung verträgt Thomas Gottschalk? Mit solchen Fragen beschäftigte sich Frank Plasberg in seiner Talk-Runde zum Thema "Berühmt um jeden Preis". Eine Antwort vom anwesenden Show-Master gab es nicht, dafür drohte die Debatte zur Selbsthilfegruppe für Gefallsüchtige zu verkommen. Promi-Talk bei Plasberg: Glücksmomente mit Gottschalk - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur (http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,817951,00.html)
.....sinnvolleren Dingen zuwenden. Befreit ungemein!
5. Schwachsinn
wolfgangotto 28.02.2012
Schwachsinn der unsolidarischen Steuervermeider und -verkürzer. Mögen sie sich auf ihrer "Leistung" ausruhen und uns mit ihren Ergüssen verschonen. Nie war es einfacher ab- oder umzuschalten und sich einen guten Film auf ARTE anzusehen.
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