"TV total" 75.000 Euro Strafe für "Bimmel-Bingo"

Für das "Bimmel-Bingo" klingelte "TV-Praktikant" Elton bei "TV total" nachts unbescholtene Bürger aus dem Bett und freute sich über aggressive Reaktionen. Die Medienaufsicht sah darin eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts. Nun muss ProSieben 75.000 Euro zahlen.  

Moderator und Produzent Raab: "Bimmel-Bingo" hat Persönlichkeitsrechte verletzt
dpa

Moderator und Produzent Raab: "Bimmel-Bingo" hat Persönlichkeitsrechte verletzt


Hamburg/Leipzig - Sie schlugen die Tür zu oder drohten mit der Polizei: Als vor zehn Jahren Elton samt Kamerateam nachts unangekündigt an Wohnungstüren klingelte, waren die meisten Bewohner verständlicherweise nicht sehr erfreut. Nun muss ProSieben für sein umstrittenes "TV total"-Spiel "Bimmel-Bingo" 75.000 Euro Werbeeinnahmen abgeben.

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gab am Mittwoch einer entsprechenden Forderung der Medienanstalt Berlin-Brandenburg statt. Die Medienaufsicht sah durch mehrere Folgen von "Bimmel-Bingo" die Persönlichkeitsrechte argloser Bürger verletzt und hatte die Abführung der erzielten Werbeeinnahmen gefordert.

Beim "Bimmel-Bingo" war vor zehn Jahren Stefan Raabs "TV-Praktikant" Elton nachts um die Häuser gezogen und hatte Bewohner aus dem Schlaf geklingelt. Ihnen wurde ein Geldgewinn in Aussicht gestellt, wenn sie ihrer Verärgerung für das Wecken in drastischen Sätzen Luft machten. Auch Bilder von Betroffenen, die sich dagegen gewehrt hatten, wurden ausgestrahlt.

ProSieben räumte zwar die Verletzung von Persönlichkeitsrechten ein, wollte aber nicht zahlen. Die Länder Berlin und Brandenburg hätten nicht die Kompetenz, eine solche Sanktion zu beschließen, so die Argumentation. Laut dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts war die Anordnung der Strafzahlung jedoch zulässig, da die Bundesländer die Gesetzgebungskompetenz für den Erlass solcher Regelungen innehaben. Der Entscheidung war ein mehrjähriger Rechtsstreit vorangegangen.

Nach dem Leipziger Urteil hält es sich ProSieben offen, vor das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe zu ziehen. "Wir werden das ernsthaft prüfen", sagte Anwalt Stulz-Herrnstadt.

seh/dpa/AFP/dapd



insgesamt 15 Beiträge
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M. Michaelis 23.05.2012
1.
Wurde denn Material ohne Zustimmung gesendet, oder wo liegt das Problem. Und warum ist das erst jetzt nach 10 Jahren entschieden worden?
xbooomx 23.05.2012
2. optional
Ich fands echt witzig und war traurig als es abgesetzt wurde. Kann das ganze nur teilnweise nachvollziehen. Zum einen bleibt im dunkeln, warum sich die Entscheidungsfinung sich so gezogen hat. Zum anderen wirkt eine Bestraffung von der Medienanstallt Berlin-Brandenburg übertrieben, ich hätte es verstanden, wenn die Betroffenen selbst gegen die Verlezung ihrer Persöhnlichkeit vorgegangen währen.
spon-facebook-1338567574 23.05.2012
3. @M. Michaelis
Anscheinend handelt es sich um ein Verfahren der Verwaltungsgerichtsbarkeit das in zunächst letzter Instanz vom Bundesverwaltungsgericht entschieden wurde. Zuvor muss das Verwaltungsgericht und das entsprechende nächstinstanzliche Verwaltungsgericht (z.B. Verwaltungsgerichtshof oder Oberverwaltungsgericht) mit der Sache befasst gewesen sein. Bereits in der 1. Instanz dauert das Verfahren im schnellsten Fall 1 Jahr (mal abgesehen von sog. Eilverfahren). Berücksichtigt man nun, dass auch die beiden nächsten Instanzen entschieden haben, können, die Rechtsmittelfristen und etwaige Vertagungen hinzugerechnet, schnell 10 Jahre zusammen kommen. Beste Grüße aus Bonn
raven_wolf 23.05.2012
4. interessant
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEFür das "Bimmel-Bingo" klingelte "TV-Praktikant" Elton bei "TV total" nachts unbescholtene Bürger aus dem Bett und freute sich über aggressive Reaktionen. Die Medienaufsicht sah darin eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts. Nun muss ProSieben 75.000 Euro zahlen. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,834768,00.html
man braucht also 10 jahre für 1 verfahren
moev 23.05.2012
5.
Gerechtfertigt. Überrascht mich auch ehrlich, ich dachte bisher immer das die Gesendeten Aufnahmen immer mit, wenn vielleicht auch erst nachträglicher (um bei Aufnahme den gewünschten echten Überraschungseffekt zu erzielen), Einverständniserklärung einhergehen. Es ohne Einverständnis oder sogar bei vorliegendem Widerspruch zu senden rechtfertigt eigentlich ein richtige Strafe (nur auf den Gewinn aus der Sache zu verzichten ist IMHO nicht genug, das ganze muss einen Verlust nach sich ziehen)
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