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ProSieben-Sitcom "New Girl": Neue Mädchen braucht das Land

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"New Girl" ist einer der Überraschungshits der TV-Saison: In den USA lieben die Zuschauer die Sitcom über die Zweck-WG einer schrulligen Lehrerin mit drei Männern. Jetzt will ProSieben den US-Erfolg wiederholen. Dank der großartigen Hauptdarstellerin Zooey Deschanel könnte das gelingen.

Sitcom-Hit "New Girl": Die Männer und das Mädchen Fotos
ddp images / Planet Photos

Der größte Hit der neuen TV-Saison hat riesige blaue Augen, üppige braune Locken und eine große Schwäche für Handglocken. Mit dieser Mischung aus zauberhaft und verstörend hat sich Zooey Deschanel als "New Girl" Jess aus dem Stand in die Herzen der US-Zuschauer gespielt und ihrem Sender Fox Top-Quoten und zwei Golden-Globe-Nominierungen eingebracht.

Nur dreieinhalb Monate nach dem Start der Sitcom in den USA versucht nun ProSieben, auch in Deutschland mit dem neuen Mädchen zu punkten. Am Donnerstagabend zeigt ProSieben im Anschluss an "The Voice of Germany" die erste Folge als Teaser, ab dem 11. Januar läuft die Serie dann regulär ab 21.15 Uhr jeweils im Doppelpack.

"Alle meine Freundinnen sind Models." Mit diesem beiläufig daher gesagten Satz sichert sich Jess (Deschanel) das Zimmer in der Männer-WG. Menschen mit mehr Herz hätten ihr das Zimmer vielleicht aus Mitleid gegeben, weil Jess ihre große Liebe beim Fremdgehen erwischt hat und Hals über Kopf aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen ist.

Zur Beruhigung gibt's "Dirty Dancing"

Doch der smarte Rechtsanwalt Schmidt (Max Greenfield, "Veronica Mars") hat eh kaum anderes als Frauen abschleppen im Kopf. Basketballer Winston (Lamorne Morris) sieht Beziehungen generell eher als sportliche Herausforderung. Und der softe Bartender Nick (Jake M. Johnson) kann einfach jede Art von Ablenkung von seinem eigenen Liebeskummer gut gebrauchen. Als dann aber kein Model, sondern nur die verheulte Grundschullehrerin Jess ihr Fernsehsofa besetzt, um nonstop "Dirty Dancing" zu gucken, machen sich die drei bald arge Sorgen, ob sie es noch einen Tag länger mit Jess aushalten. Denn wenn sie nicht gerade weint, singt sich Jess zur Ermutigung auch gern selbst mal ein Lied.

Dass weder Mitbewohner noch Zuschauer letztlich auf die schrullige Jess verzichten möchten, liegt allein an Zooey Deschanel. Selten ist eine Serie so auf ihre Hauptdarstellerin zugeschnitten gewesen wie "New Girl". In einem einzigartigen Spagat schafft es Deschanel, ihre Jess zu gleichen Teilen hilfsbedürftig und eigenwillig, verklemmt und sexy, niedlich und nervig erscheinen zu lassen.

Mit diesem "shtick" hat Deschanel schon 2009 in der Indie-Liebeskomödie "(500) Days of Summer" überzeugt. Danach brachte die 31-Jährige noch zwei Alben mit ihrem Twee-Pop-Duo "She & Him" heraus und startete außerdem mit zwei Freundinnen das Web-Portal Hello Giggles. In den USA ist Deschanel mit dieser Vielseitigkeit zu Everybody's darling aufgestiegen, ohne durch Überpräsenz zu nerven.

Kennen beste Freunde ihre Penisse?

Fox hat deshalb goldrichtig gelegen, "New Girl" ganz auf ihre Starpower auszurichten. Genauso ist die Strategie aber auch einer sich verändernden Showbranche geschuldet, die erkannt hat, dass Frauen nicht nur lustig sein können, sondern auch richtig Quote und damit Geld bringen. Das beweist nicht nur Kat Denning mit "2 Broke Girls", der anderen Sitcom-Überraschung des TV-Herbstes, sondern auch die Kinokomödie "Brautalarm" mit Kristen Wiig und Melissa McCarthy, deren Oscar-Chancen von Woche zu Woche zu steigen scheinen.

Dennoch ist im Fall von "New Girl" die Verengung auf die weibliche Hauptfigur/Hauptdarstellerin auch irreführend. Denn eigentlich geht es in der Serie nicht um Jess und ihre liebevollen Macken - sondern darum, wie die Männer damit klarkommen. Während Jess einfach ihr etwas aus der Zeit gefallenes Selbst bleibt, sind es Schmidt und Co., die um neue Geschlechterbilder ringen müssen.

Nicht umsonst ist in der WG ein "douchebag jar" aufgestellt, ein Einmachglas, in das die Jungs bei dämlichen Macker-Sprüchen einzahlen müssen. Der Frontverlauf zwischen Macho-Deppen und Weicheiern ist alles andere als geklärt und muss von morgens bis abends, vom Frühstückstisch bis an die Bar immer neu vermessen werden. Als Jess einmal zufällig Nick nackt sieht, ist Schmidt ehrlich empört - weil er als einziger in der WG offensichtlich noch nie Nicks Penis gesehen hat. "Dabei sind wir beste Freunde!"

Nicht immer ist der Schlagabtausch zwischen den Jungs hundertprozentig treffsicher und klischeefrei. Denn statt Streit über kaputte Klobrillen will man im Zweifelsfall lieber noch ein bisschen mehr von Jess und ihren Gimmicks sehen. Im besten Fall kommt aber beides zusammen, wie zum Beispiel in Episode drei. Da schrammt Nick auf einer Hochzeit knapp an der totalen Blamage vor seiner Ex-Freundin vorbei, während Jess ein Plastikgebiss herausholt - um der Party ein bisschen Leben einzuhauchen. Wie das den Jungs letztlich doch als die beste Idee der gesamten Feier erscheint, ist wunderbar anrührend und lustig zugleich anzusehen - und zeigt, wann "New Girl" am stärksten ist: Wenn nämlich neue Jungs auf das neue Mädchen treffen.


"New Girl", Donnerstag, 23.15 Uhr, ProSieben. Ab 11. Januar um 21.15 Uhr

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insgesamt 58 Beiträge
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1. Künstlerisch kastrierte Serien
gibbonnobbig 05.01.2012
Zitat von sysop"New Girl" ist einer der Überraschungshits der TV-Saison: In den USA lieben die Zuschauer die Sitcom über die Zweck-WG einer schrulligen Lehrerin mit drei Männern.*Jetzt will ProSieben den US-Erfolg wiederholen. Dank der großartigen Hauptdarstellerin Zooey Deschanel könnte das gelingen. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,807095,00.html
Jetzt mal ehrlich: Welchen Beitrag leistet Zooey dazu? Von ihrem Können bleibt doch nach der Synchronisierung doch eh nur noch Lächeln und Körper über. Ihre schauspielerische Interpretation und Wortwitz gehen verloren, die Serie könnte dann genausogut mit Handpuppen auf Sendung gehen.
2.
MichiD 05.01.2012
Diese Sitcom kommt übrigens ohne eingespielte Lacher aus. Wem das fehlt, der muß sich nicht sorgen. Sicher gibt es schon eine Äpp dafür.
3. .
MashMashMusic 05.01.2012
Zitat von gibbonnobbigJetzt mal ehrlich: Welchen Beitrag leistet Zooey dazu? Von ihrem Können bleibt doch nach der Synchronisierung doch eh nur noch Lächeln und Körper über. Ihre schauspielerische Interpretation und Wortwitz gehen verloren, die Serie könnte dann genausogut mit Handpuppen auf Sendung gehen.
Die synchronisierte Fassung schon gesehen? Und: Schauspieler drücken sich nicht nur über die Stimme aus.
4. Titel, Thesen, Temperatur
Walter Sobchak 05.01.2012
In Zeiten digitalen TVs koennte Pro7 die Serie ja mal im Zweikanal Ton mit UT ausstrahlen. Verwegen? Ach was.
5. Die Synchro...
Jott 05.01.2012
... ist ja leider bei fast allen ausländischen Serien ein Problem. Aus dem pro7-Trailer ist noch nicht so viel zu erkennen, aber Dechanels Charakterzeichnung ist schon stark abhängig von ihrer Stimme. Ich befürchte nichts Gutes... und bin mal wieder froh, die Serie über meine US-IP Adresse im Original sehen zu können ;)
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