Pumuckl-Erfinderin Ellis Kaut ist tot

Sie erfand den berühmten rothaarigen Kobold Pumuckl, der in Hörbüchern, Büchern, Filmen und einer Fernsehserie zum Helden vieler Kinder wurde: Jetzt ist Ellis Kaut gestorben. Sie wurde 94 Jahre alt.

DPA

Die Pumuckl-Erfinderin Ellis Kaut ist tot. Sie starb nach langer Krankheit am frühen Donnerstagmorgen im Alter von 94 Jahren in einem Pflegeheim nahe München, wie ihre Tochter Uschi Bagnall jetzt mitteilte.

Geboren wurde Elisabeth "Ellis" Kaut 1920 als Tochter eines Münchner Bank-Prokuristen und einer schwäbischen Bauerntochter in Stuttgart. Zwei Jahre später siedelte die Familie nach München um. Kaut absolvierte zunächst ein Schauspielstudium, ehe sie von 1940 bis 1944 Bildhauerei an der Akademie für Bildende Künste in München studierte.

Neben der Bildhauerei fing sie früh an, Novellen, Hörspiele und Erzählungen zu verfassen. Beim Bayerischen Rundfunk war sie als Sprecherin für Hörspiele und Kindersendungen tätig. Einen ersten Erfolg erzielte sie mit den "Geschichten vom Kater Musch", einer sprechenden Katze, ehe der BR im Jahr 1962 mit Kauts eigentlicher Erfolgsfigur Pumuckl auf Sendung ging.

"Pumuckl" wurde zu einem ungeahnten Erfolg. Der Name Pumuckl stammte von Kauts Ehemann, der ihn bei einer Neckerei der beiden Eheleute erfunden hatte. Der freche Kobold, der niemandem etwas Böses will, aber immer wieder gegen Vorschriften und Konventionen verstößt, Dinge, Bezeichnungen und Gebräuche infrage stellt und dabei allerlei Schabernack treibt, entwickelte sich rasch zum Liebling von Kindern und Eltern.

Seit 1978 war Pumuckl auch eine Fernsehfigur

Bis 1971 verfasste Kaut rund 90 Hörspielfolgen, die auch dank der eindrucksvollen stimmlichen Umsetzungen des Pumuckl durch Hans Clarin und seines Ziehvaters, des Schreinermeisters Eder (durch Gustl Bayrhammer), vielen Zuhörern unvergesslich blieben.

Pumuckl war nur am Anfang seiner Karriere eine reine Hörspielfigur. Ab 1965 erschienen auch "Pumuckl"-Bücher, später etliche Schallplatten, Kassetten, CDs und DVDs. Mit der Ablösung des Leitmediums Hörfunk durch das Fernsehen wurde Pumuckl ab 1978 auch zum Star einer 52-teiligen Fernsehserie im Kinderprogramm.

Für die dazu geeignete Visualisierung des Kobolds schrieb Kaut einen Wettbewerb an der Münchener Kunstakademie aus. Die Vorlage für den TV-Pumuckl lieferte schließlich die Künstlerin Barbara von Johnson in Gestalt eines barfüßigen, rothaarigen Kerlchens mit rundem Bäuchlein und großen Händen.

Mit Johnson kam es später zum Streit: Als "Pumuckl" 1982 ins Kino kam, zeichnete Kauts Schwiegersohn Brian Bagnall die Koboldfigur neu, was einen längeren Urheberrechtsstreit zwischen Barbara von Johnson und Kaut zur Folge hatte. Die Gerichte entschieden im August 2003 schließlich, dass die Grafikerin auch an der überarbeiteten neuen Figur Urheberrechte besäße und dementsprechend an deren Vermarktung zu beteiligen sei.

Das Erscheinen des ersten "Pumuckls"-Buches vor 50 Jahren ist in diesem Jahr Anlass einer Neuauflage gewesen. Ursprünglich hatte Kauts Tochter Uschi Bagnall für diese eine verschlankte Pumuckl-Erscheinung vorgesehen. Nach Protesten der Pumuckl-Fans entschied sich Bagnall aber, die zusammen mit Barbara von Johnson und ihrem Mann Brian Bagnall die Rechte an Pumuckl hält, dem Kobold sein Bäuchlein zurückzugeben.

tha/dpa



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