"Die Queen privat" Heimkino für die Königin

Zum 90. bekam die Queen ein besonderes Geschenk: Ein Heimkino mit privaten Aufnahmen. Aus der Vorführung ist selbst ein Film geworden - Rolf Seelmann-Eggebert, Deutschlands Adelsexperte Nummer eins, hat ihn angesehen.

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Wenn Oma 90. Geburtstag hat, muss sich die Familie anstrengen. Noch einmal eine gemeinsame Kreuzfahrt mit der Jubilarin? Oder ein neues Kleid, in dem das Geburtstagskind hoffentlich aussieht wie 70? Oder ein Ballettbesuch mit der ganzen Familie?

Prinz Charles, Großbritanniens ewiger Thronfolger, stand kürzlich vor dieser Herausforderung, als der 90. Geburtstag seiner Mutter, der Queen, näher rückte. Was um Gottes Willen soll die Familie einer Königin schenken, die alles hat, die alle und alles gesehen hat, zu deren Ehren ohnehin jahrein, jahraus über tausend Mann ihrer Garderegimenter zu einer Geburtstagsparade aufmarschieren?

Am Ende hatte der Fürst von Wales, wie Charles im Deutschen richtig heißt, eine gleichermaßen fantasievolle wie preiswerte Idee. "Wie wäre es, wenn wir Mummy einen Film schenkten mit Aufnahmen, die wir selbst gemacht haben?", fragte er die Kinder, Vettern und Cousinen. Die Windsors waren sich einig wie selten.

Zur Person
  • Gisela Kraus
    Rolf Seelmann-Eggebert, CBE, ist Deutschlands bekanntester Adelsexperte. Seit 40 Jahren berichtet er als Journalist über die europäischen Königshäuser und ist dabei auch der britischen "Royal Family" nahe gekommen. Gelegentlich bezeichnet er sich selbst als "Königsfritze".

Und so machte sich der Thronfolger daran, ungezählte Kilometer hauseigener Filmmaterialien zu sichten. Denn während sich unsereins bemühte, die lieben Kinder und Verwandten mithilfe einer schwarzen Box mit Festeinstellung auf Fotopapier zu bannen, waren die Royals bereits mit Filmkameras unterwegs, mit denen sie lustige und weniger lustige Ereignisse in Bewegtbildern im 16- oder 8-mm-Format festhielten.

An der Menge des Materials gemessen, müssen eigentlich alle britischen Royals einmal Erfahrungen mit einer Schmalfilmkamera gesammelt haben. Besonders tüchtig erwiesen sich dabei die legendäre Queen Mumm sowie die Königin selbst und ihr Mann, der Herzog von Edinburgh.

Die Queen ist Kameras gegenüber freundlich eingestellt

Wochenschau und Fernsehen steuerten ihre Bilder von royalen Großereignissen bei. In einem der Gesellschaftsräume des Buckingham-Palastes wurde eine Projektionsfläche installiert. So entstand ein veritables Studio, in dem Charles als eine Art Chefmoderator seine Mutter zu den alten Filmschnipseln befragt. Das Ergebnis ist "Die Queen privat", ein Film über eine Heimkino-Vorführung für die Königin.

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Fotostrecke: 90 Jahre Queen-Style

Zu Wort kommen viele Familienmitglieder, abgesehen von Mutter und Sohn, reden die Prinzen William und Harry, Prinzessin Anne, der Herzog von Kent und Lady Sarah Chatto, die Tochter von Prinzessin Margaret.

Keine Frage: Die Queen ist Kameras gegenüber ein Leben lang eher freundlich eingestellt. Als Churchill bei der Krönung das Fernsehen heraushalten wollte aus der Westminster Abbey, setzte sich Elizabeth über ihren politischen Ziehvater hinweg mit dem Argument, dass auch die Völker des Commonwealth dank des Fernsehens an der heiligen Handlung teilnehmen könnten. 1969 ließ sie einen Fernsehfilm mit dem Titel "Royal Family" zu. Nie zuvor waren Kameras der Familie so nahegekommen. Traditionalisten wehrten sich dagegen, weil sie um die Magie der Krone fürchteten. Und Dokumentaristen wendeten ein, es sei schließlich doch nur eine inszenierte Dokumentation gewesen, die man bei Hofe zugelassen habe.

Solche Argumente sind gegen den Geburtstagsfilm nie vorgetragen worden. Es handelt sich ja auch eher um Heimkino als um irgendein Profiformat, wobei das Heimkino in diesem Fall dank seiner Quellen und Darsteller jedem anderen Format den Rang abläuft.

Was mich am meisten überrascht: Man erlebt die Windsors wirklich so, wie man sie sich vorgestellt hat. Sie lieben das Outdoorleben mit Hunden und Pferden, sie spielen und singen zusammen, und sie haben einen immer wieder durchschimmernden Sinn für Humor.

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90. Geburtstag von Elizabeth II.: Das Leben der Queen in 90 Bildern

Zu den Gratulanten des Films gehört auch die "andere" Königin Europas, Königin Margrethe von Dänemark, die um drei Ecken mit den Windsors verwandt ist und voller Respekt das Pflichtbewusstsein der älteren Kollegin würdigt. Aber noch viel mehr hat sie wohl die Rolle beeindruckt, die die Cousine bei der Eröffnung der Olympischen Spiele in London gespielt hat. Da sieht man James Bond alias Daniel Craig, wie er die echte Queen aus dem Buckingham-Palast abholt und sie über dem Stadion mit dem Fallschirm aus dem Hubschrauber springen lässt. Selbst William und Harry sollen einen Augenblick lang um das Überleben der Großmutter gefürchtet haben.

Liebhaber und Kenner des britischen Königshauses werden mit Überraschung zur Kenntnis nehmen, dass der Name "Crafie" in dem Film wieder auftaucht. Marion Crawford war 15 Jahre lang die Gouvernante und Vertraute der jungen Prinzessin Elizabeth. Dann schrieb sie ein Buch über ihre Zeit in königlichen Diensten, mit dem Ergebnis, dass der Palast alle Beziehungen zu ihr unterband und auch in der Familie der Name nie wieder erwähnt werden durfte. Jetzt, mit 90, kommt die Queen offenbar gut damit zurecht, dass "Crafie" für einen Augenblick auf der Bildfläche erscheint und Charles sie auch beim Namen nennt.

Das Verhältnis von Charles und seinen Eltern war nicht immer einfach. Er hat sich öffentlich darüber beklagt, dass sie ihn nicht aus dem ungeliebten Internat Gordenstoun nach London zurückholten, als er darum bat. Auch im Zusammenhang mit seiner ersten Ehe mit Diana hat es Reibereien gegeben.

Wenn man sich heute diesen Film zum 90. Geburtstag ansieht, kann man sich das kaum mehr vorstellen, so viel Sympathie scheint zwischen beiden zu walten. Ein bisschen wirken Königin und Thronfolger wie ein altes Ehepaar, das sich gegenseitig die Stichworte zuwirft, während die familiären Filmszenen über die Leinwand huschen, sehr vertraut, sehr liebevoll.


Den Film "Die Queen privat" zeigt Spiegel-TV am Sonntag, 22.20 Uhr bei RTL



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
blabla55 16.07.2017
1.
Der Adel Opium für's Volk.
Minette 16.07.2017
2. an blabla.....
Tausend mal lieber sehe ich mir den weltweiten Adel an als die dämlich/dümmlichen vermeintlichen Stars & Sternchen, It girls, Blogger/innen, Influencerinnen (kotz), Fashion Queens, Reality TV Teilnehmer - denn den Begriff Diva kann man nicht mehr anwenden, ebensowenig den Begriff Mannequin......
Stäffelesrutscher 16.07.2017
3.
»Besonders tüchtig erwiesen sich dabei die legendäre Queen Mumm« ... Tja, manchmal muss es eben Sekt sein statt Tee.
adal_ 16.07.2017
4.
Zitat von Stäffelesrutscher»Besonders tüchtig erwiesen sich dabei die legendäre Queen Mumm« ... Tja, manchmal muss es eben Sekt sein statt Tee.
Gin Tonic
Krokodilstreichler 17.07.2017
5.
Als überzeugter Anhänger einer Republik stehe ich den Monarchien zwar ziemlich kritisch gegenüber, aber ich habe dennoch mehr Respekt vor Monarchen, die militärisch ausgebildet worden, sich aber dennoch höflich benehmen können, als vor irgendwelchen Kleinbürgern, die den Wehrdienst verweigert haben, und sich in in der Öffentlichkeit als Könige gebären wollen, aber in Wirklichkeit einfach nur Tyrannen sind.
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