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Schöner fernsehen

"Quizduell" in der ARD Pilawa unplugged

"Quizduell"-Show: Es ist wie verhackt Fotos
ARD

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Der erste Versuch, eine App ins Fernsehen zu holen, ging komplett in die Hose. Oder, um es mit Moderator Jörg Pilawa zu sagen, den am Ende der Sendung eine ähnliche Erkenntnis ereilte: "Der erste Versuch, eine App ins Fernsehen zu holen, ging komplett in die Hose".

Tatsächlich ging beim Versuch, die ungeheuer beliebte App "Quizduell" in eine Fernsehshow zu verwandeln, alles schief, was nur schiefgehen konnte - sogar das, was eigentlich unmöglich hätte schiefgehen können.

Bundesweit spielen Millionen Menschen täglich gegen andere User "Quizduell" auf ihren Smartphones oder Tablets. 18 Fragen aus verschiedenen Wissensgebieten müssen in jeweils 20 Sekunden beantwortet werden. Wer die meisten Antworten kennt, hat gewonnen. So einfach und flott sich "Quizduell" spielt, so bemüht und lahm geriet die TV-Adaption des Spielprinzips.

Die Sendung soll wochentäglich um 18 Uhr den verwaisten Sendeplatz von "Verbotene Liebe" füllen, es geht um immerhin 22.000 Euro. Und darum, den berüchtigten "Second Screen", zu dem immer mehr Zuschauer abwandern, mit dem klassischen Bildschirm zu vermählen und nebenbei die sinkenden Quoten für generell alle Quizshows abzufedern. Das "Quizduell" als Generationen übergreifende, "User" und Zuschauer versöhnende eierlegende Wollmilchsau.

Im Studio grübelten vier Gymnasiallehrer, vor sich Stoffbärchen als Glücksbringer, in Konkurrenz zu oder im Verein mit dem Publikum im Saal, so ganz klar war das nicht. In welcher Stadt wurde Peter Paul Rubens geboren? Antwerpen? Madrid? Mechelen? Siegen? Pilawa, der offenbar die jüngsten Debatten um das Niveau seines öffentlich-rechtlichen Arbeitgebers aufmerksam verfolgt hat, kommentierte launig: "Mehr Kunst-, Kultur- und Bildungsfernsehen geht nicht!"

Der Clou: Zusätzlich zu den Kandidaten und dem Saalpublikum sollten sich allerdings auch 187.000 User beteiligen können, ohne die Sendung überhaupt zu sehen - eben per App. Ein besonders smarter Beitrag des Fernsehens zu seiner Selbstabschaffung.

"Wir sind gehackt worden!"

Aber genau da hakte es. Als erstmals die Antwort dieses geheimnisvollen und angeblich irre intelligenten Schwarms verkündet werden sollte, musste Pilawa passen: "Die sind noch nicht fertig", verkündete er, was ihm die Regie eingeflüstert hatte - und befragte stattdessen die Kandidaten ausführlich danach, ob sie eher G8 oder G9 bevorzugten. Nach dieser kleinen bildungsbürgerlichen Spontandiskussion allerdings leitete Pilawa den Offenbarungseid: "Die Server sind überlastet. Aber wir wären nicht das gute alte Fernsehen, wenn wir nicht auch unplugged spielen könnten!" Offenbar hatten technische Probleme soeben das Prinzip des ganzen Formats ausgehebelt - und das gleich beim Debüt.

Es spricht für Pilawa, dass er dieses Fiasko zunächst mühelos mit routiniertem Charme überspielte: "Wir spielen klassisches Quiz, ohne App", als wäre es ja noch schöner, jeden neumodischen Schnickschnack mitzumachen. Stattdessen improvisierte der Moderator, frotzelte oder flirtete mit den Gästen im Publikum und behielt die Contenance. Hin und wieder gab er lächelnd weiter, was ihn seine Regie vom Stand der Dinge wissen ließ: "Wir sind gehackt worden!"

Um ein wenig Zeit zu schinden, befragte er seine Gymnasialkandidaten erneut - diesmal nach ihren Lieblingssendungen. Die räumten freimütig ein, außer ausgerechnet "Verbotenen Liebe" am liebsten "Mad Men", "Game of Thrones", "Dr. House" und "überhaupt alle HBO-Serien" zu sehen. Was Pilawa, zunehmend säuerlich, mit dem Hinweis kommentierte, diese Antworten seien jetzt "nicht gerade ARD-kompatibel".

Kurz darauf beschwerten sich dann sogar einige Gäste im Publikum darüber, dass ihre eigenen Geräte zur Beantwortung der Quizfragen nicht funktionieren. Mit den Worten "So, dich nehme ich jetzt auseinander!" eilte Pilawa auf den Wortführer zu - nur um festzustellen, dass der Mann recht hatte. Pilawa: "Das wäre ja mal eine Nachricht, wenn die Hacker auch hier im Studio eingedrungen wären".

Es spricht für Pilawa, dass er zu diesem Zeitpunkt nicht brüllend aus dem Studio lief. Ein gewisser Fatalismus war ihm allerdings schon anzumerken, als er gegen Ende der Sendung launig die vielen "lieben Freunde" von "Verbotene Liebe" direkt ansprach: "Vielleicht morgen wieder? Wer weiß?" Auch eine Quizfrage, die vom Sender womöglich sehr schnell beantwortet werden wird.

31 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
Broeselbub 12.05.2014
gysc 12.05.2014
Seelenlos 12.05.2014
kuschelhummer 12.05.2014
robert.kensy 12.05.2014
Antidarwinist 13.05.2014
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hoppla_h 13.05.2014

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