Reichsparteitag-"Entgleisung" ZDF schließt Konsequenzen für WM-Moderatorin aus

Das ZDF hat sich offiziell für die "verbale Entgleisung" seiner Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein entschuldigt, die während des Deutschland-Spiels Miroslav Klose einen "inneren Reichsparteitag" angedichtet hatte. Um ihren Job muss die Journalistin allerdings nicht bangen.

WM-Kommentatoren Oliver Kahn und Müller-Hohenstein: "Es tut uns leid."
dpa

WM-Kommentatoren Oliver Kahn und Müller-Hohenstein: "Es tut uns leid."


Hamburg/Johannesburg - Das ZDF hat sich nochmals für eine "verbale Entgleisung" von Katrin Müller-Hohenstein während des deutschen Auftakts bei der Fußball-Weltmeisterschaft entschuldigt. Konsequenzen für die Journalistin schloss der Sender jedoch am Montag aus.

"Und für Miroslav Klose: ein innerer Reichsparteitag, jetzt mal ganz in Ernst, dass er heute hier trifft", hatte die Moderatorin in der Halbzeitpause beim DFB-Spiel gegen Australien am Sonntagabend gesagt. Diese Entgleisung, "die ihr und uns leidtut", sei im Eifer der Situation entstanden", sagte ARD/ZDF-Teamchef Dieter Gruschwitz.

"Wir bedauern das, und das wird so auch nicht mehr vorkommen", so Gruschwitz. "Das ist ein umgangssprachlicher Ausdruck, der nicht in die Fernsehsprache gehört."

Für die Bundesregierung hat sich die Diskussion nach der Entschuldigung des ZDF und seiner Moderatorin vorerst erledigt. Man sei "mit der Reaktion des ZDF zum jetzigen Zeitpunkt zufrieden", sagte Vize-Regierungssprecher Christoph Steegmans am Montag in Berlin.

Zudem warnte der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, vor Hysterie. "Die Moderatorin hat es bedauert, das ZDF hat es bedauert. Da gibt es deutlich keine böse Absicht", sagte er der "Leipziger Volkszeitung" (Dienstagausgabe). "Ich glaube, das ist ihr einfach so rausgerutscht", sagte Graumann. Der Begriff sei inzwischen leider zu einem umgangssprachlichen Idiom geworden. "Viele Menschen denken gar nicht an die NSDAP in dem Moment, wenn sie es sagen."

ZDF-Sportchef Gruschwitz hatte bereits am Abend kurz Stellung zu dem Vorfall genommen und Katrin Müller-Hohensteins Bedauern zum Ausdruck gebracht. Die Online-Redaktion des Senders verwies auf das Kontaktformular zur Zuschauerredaktion. Im Internet waren über Twitter bereits wenige Minuten nach dem Ausspruch die Emotionen hochgekocht. Die Verfehlung ist auch auf YouTube dokumentiert.

can/dpa/ddp

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insgesamt 185 Beiträge
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AlbertGeorg 14.06.2010
1. Konsequenzen
Was habt Ihr nur für Probleme!
Rainer Daeschler, 14.06.2010
2. Einfach nur dumm
Selten dämlich dieser Ausdruck und ich frage mich, wie man in diesem Jahrhundert noch auf so was kommen kann. "Kein Rauswurf", ist die richtige Entscheidung. Es war dumm, aber nicht gemeingefährlich. Ein Aufstand von Charlotte Knobloch wird aber sicher nicht ausbleiben.
Alfons 11:45, 14.06.2010
3. PC kann man auch totreiten
Liebes Herrgöttle von Sommerloch^WBieberach, der durchaus ironisch gemeinte Spruch vom "inneren Reichsparteitag" tauchte auch in meinem in den 70ern eher auf sozialliberaler FDP-Linie liegenden Elternhaus gelegentlich auf. Er diente selbstredend nicht dazu, den so angesprochenen als Nazi zu charakterisieren. Wikipedia "Innerer Reichsparteitag" (https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Innerer_Reichsparteitag)
Heinrich Goldstein 14.06.2010
4. Dumme Medien!
Es ist lächerlich welche Aufregung gemacht wird. Gut, dass diese übliche Formulierung zu diesem Anlass gebraucht wurde. Das Spiel anzuschauen war auch mir ein innerer Reichsparteitag!
Rainer Girbig 14.06.2010
5. Kein Titel
Rauswurf?! Das hätte noch gefehlt. Natürlich ist es eine weise Entscheidung, dass der harmlose Fauxpas keine Konsequenzen hat. Überflüssig ist nur die Eröffnung eines zweiten Threads zum Thema.
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