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Reportage über Eliteeinheit KSK: Ruhig Blut, Rambo!

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Höllenwoche im Übungsgehölz: Erstmals durften Reporter der ARD die Ausbildung der Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte filmen. Obwohl sie nicht frei recherchieren konnten, stellen sie die richtigen Fragen: Verteidigt das KSK die Demokratie? Oder agiert die Truppe jenseits des Grundgesetzes?

Elitetruppe KSK: Höllenwoche im Übungsgehölz Fotos
SWR

Ein junger Mann schleppt mit komplettem Feldgepäck einen Baumstamm auf den Schultern durch den Wald; seine Lunge pfeift, die Beine drohen einzuknicken. Eskortiert wird er von einem Ausbilder und einem Psychologen, die seine Reaktionen prüfen. Ein Anflug von Aggression - und er muss nach Hause gehen. "Wir wollen keine Rambo-Typen", sagt später der Kommandant in die Kamera. Zumindest keine, die nicht die Nerven bewahren können.

50 junge Männer haben sich irgendwo in einem Waldgebiet in Süddeutschland zur "Höllenwoche" des Kommandos Spezialkräfte (KSK) versammelt, 15 werden am Ende alle Prüfungen bestanden haben. So viele sind es selten bei der alljährlichen Aufnahmeprüfung der Elitetruppe. Der Feind kann hier warten; erst einmal geht es darum, den eigenen Körper zu überwinden. Bis zu acht Kilo Gewicht verlieren die militärischen Probanden beim Aufnahmetest.

Zum ersten Mal ist bei der "Höllenwoche" ein Kamerateam vom Fernsehen dabei. Es zeigt, wie die Männer bei minus zehn Grad durch einen Fluss waten müssen oder wie sie eine Ein-Zentner-Tonne ohne Griffe durch die Landschaft schleppen. Nur bei der Simulation der Gefangennahme durch feindliche Truppen darf nicht gefilmt werden. Es soll die grausamste Übung sein, sehr realistisch umgesetzt.

"Die Höllenwoche", so heißt es einmal in der ARD-Reportage über das Kommando Spezialkräfte, "ist das Härteste, was man jungen Menschen in einer Demokratie zumuten kann." Und genau hier liegt das Problem: Bewegt sich die Elitetruppe wirklich an den Grenzen der Demokratie - oder geht sie doch über sie hinaus? Und wer überwacht den Verein überhaupt? Die Obleute des Bundestags werden zum Beispiel nur selten und vage über die KSK-Operationen informiert; von dem Befehlsrang der Rest-Armee ist die KSK-Truppe abgetrennt.

Transparenz - aber wirklich nur ein bisschen

Viele Kritiker sehen deshalb in dem Kommando eine von sämtlichen parlamentarischen Kontrollinstanzen losgelöste Einheit, ein nach eigenen Regeln operierendes Unternehmen. Eine Angst, die im Film der freundliche Oberkommandierende des KSK auszuräumen versucht: "Wir sind natürlich keine Killer-Truppe jenseits des Grundgesetzes." So gesehen darf man die einmalige Filmerlaubnis für das Reportage-Team des SWR auch als Maßnahme sehen, endlich ein bisschen Transparenz zu demonstrieren.

Aber wirklich nur ein bisschen. Denn natürlich bekommt Reporter Günther Henel mit seinem Kamerateam lediglich zu sehen, was die KSK-Führung ihm zu sehen gibt. Er zeigt die Jungs beim Beten in der Kapelle oder lässt sie erzählen, wie sie für Frau und Kind vorsorglich schon ihr Testament gemacht haben. Ehrenwerte junge Männer sind hier zu sehen - freilich ohne Gesicht, denn das musste weggepixelt werden, da die Identitäten der aktiven KSK-Kämpfer nicht preisgegeben werden dürfen.

Schließlich sollen sie im Verborgenen operieren, auch gegen Terrornetzwerke. Zurzeit operiert man vor allem in Afghanistan, wo KSK-Mitglieder als "Task Force 47" Talibanführer festzusetzen oder auszuschalten versuchen. Auch bei der Bombardierung der Tanklaster in Kunduz waren "Task Force 47"-Soldaten involviert. Durch die Untersuchung des Bundestagsausschusses kam auch noch mal die Rolle des KSK auf den Prüfstand.

Gegründet wurde der klandestine Kampfverband 1996, nachdem zwei Jahre zuvor beim Völkermord in Ruanda belgische Spezialeinheiten deutsche Zivilisten evakuieren mussten. Die KSK-Kämpfer werden nun geschult, "punktiert und isoliert vom Rest der militärischen Gemeinschaft" in Krisengebiete zu gehen. Auf 1000 Mann beläuft sich die KSK-Solltruppenstärke - die längst noch nicht erreicht ist.

Schon im Spiel den Überblick verloren

Doch als Werbemaßnahme für die Elitetruppe taugt der 30-Minüter im Ersten nicht wirklich. Immer wieder gelingt es Henel, innerhalb der engen Form des embedded journalism die richtigen Fragen zu stellen. Einmal ist er dabei, wie der KSK-Nachwuchs während der Ausbildung über einem simulierten Taliban-Lager abspringt, um dort Gefangene zu machen.

Zuvor versicherten die Soldaten, sie töteten nur, wenn man sie angriffe. Doch schon im Getümmel des lediglich simulierten Angriffs verlieren die Beteiligten schnell den Überblick darüber, wer Angreifer und wer Verteidiger ist. Dass das KSK chirurgisch genau die "Bösen" zwischen den "Guten" herausoperieren kann, muss man nach dieser Übung bezweifeln. Kaum Chance auf Erfolg in der Realität hat, was schon als abgezirkeltes Spiel nicht funktioniert.

Aber was heißt beim Kommando Spezialkräfte schon Spiel? Selbst Übungen werden hier oft zur tödlichen Realität: Für ein paar Tage begleitet die "ARD-exclusiv"-Reportage den Elitenachwuchs zu Fallschirmspringerübungen auf ein Trainingsgelände nach Arizona. Bis zu achtmal am Tag müssen sich die jungen Männer hier aus dem Flugzeug fallen lassen, zum Teil unter riskanten Bedingungen. Letztes Jahr kam einer der Soldaten dabei ums Leben.

Die Führung baute den Vorfall in die Ausbildung ein - und zog das Programm ohne Unterbrechung durch. Im Kommando-Jargon heißt so etwas: "Übung unter realen Bedingungen".


ARD-exclusiv: Kommando Spezialkräfte - Die geheime Truppe der Bundeswehr, 21.45 Uhr ARD

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 122 Beiträge
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1. im westen nichts neues.
Oskar ist der Beste 08.09.2010
es wird immer Idioten geben, die sich als staatlich bezahlte Killer verdingen wollen, man muss diesen Leuten nur einreden, dass das, was sie da treiben, irgend etwas mit den Werten zu tun habe, fuer die das Grundgesetz eigentlich steht. Und die Erfolge, ausser Berge von Leichen getoeteter Zivilisten in Kunduz, Fehlanzeige!
2. Auf Thema antworten
Marshmallowmann 08.09.2010
Ich dachte es wäre seit Jahren klar, dass das KSK Killer im Auftrag der Demokratie sind. Ausserdem kann man Leute auch noch so gut ausbilden - völlig witzlos - erst die echte Erfahrung macht die Leute zu Profis.
3. Nicht alles kann Transparent sein
phd_97 08.09.2010
Man sollte meiner Meinung nach Wissen, dass es eine solche Einheit gibt. Aber man kann nicht überall Transparenz verlangen so, dass jeder Ottonormalverbraucher alles über die Einheit weiß. Das wäre ein gefundenes Fressen für Terroristen. Wir werden von Terroristen bedroht und brauchen entsprechend auch Spezialeinheiten. Aber was ist an einer Spezialeinheit Spezial, wenn sie jeder kennt, jeder weiß wie sie ausgebildet werden und was sie machen. Um uns zu schützen, muss man auch mal über die Grenzen gehen.Der Staat versucht uns zu schützen und wir sind schon wieder dagegen, es könnte ja sein das man ein Recht verletzt und die armen Terroristen, die ehe nichts anderes Vorhaben als uns umzubringen, wieder im Nachteil sind. Damit ist meine Meinung gesagt.
4.
felyxorez 08.09.2010
und mal wiedder Rambo als Klischee verwendet, aber mal wieder völlig daneben :p Schon interessant wie sich manchmal Stereotypen "falsch" einbetten können
5. .
PeteLustig, 08.09.2010
Zitat von Oskar ist der Bestees wird immer Idioten geben, die sich als staatlich bezahlte Killer verdingen wollen, man muss diesen Leuten nur einreden, dass das, was sie da treiben, irgend etwas mit den Werten zu tun habe, fuer die das Grundgesetz eigentlich steht. Und die Erfolge, ausser Berge von Leichen getoeteter Zivilisten in Kunduz, Fehlanzeige!
Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit überlasen Sie im Artikel folgenden Absatz: Gegründet wurde der klandestine Kampfverband 1996, nachdem zwei Jahre zuvor beim Völkermord in Ruanda belgische Spezialeinheiten deutsche Zivilisten evakuieren mussten. Wer würde Aufträge wie diese Ihrer Meinung nach denn bitte sonst noch übernehmen - die grüne Bundestagsfraktion mit Claudia Roth als Kommandoführerin etwa?
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