Rolf Zacher ist tot In der Rolle des Ganoven

Seine Liste mit Filmen ist seitenlang, 250 sollen es gewesen sein. Seinen Namen machte sich Rolf Zacher vor allem als Darsteller von gebrochenen, skurrilen Charakteren. Jetzt ist er mit 76 Jahren in Hamburg gestorben.

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Seine Spanne reichte von Fassbinders "Berlin Alexanderplatz" bis zum "Dschungelcamp". Rolf Zacher hatte ein bekanntes Gesicht, er war ein Schauspieler, der von den Leuten auf der Straße angequatscht wurde. Dunkle Haare, schwarze Brille, markante Nase. Dazu die rauchig-krächzende Stimme, die er Stars wie Nicolas Cage oder Robert De Niro lieh. Am Samstagmorgen ist Zacher im Alter von 76 Jahren "friedlich gestorben", wie seine Lebensgefährtin Carola Blendermann bestätigte.

Zacher war eine Type. In Interviews konnte er wahlweise charmant wie unausstehlich sein. Es machte ihm Spaß, Anekdoten und Sinnsprüche rauszuhauen. Eine Auswahl:

"Ich bin ein Seelenfänger."
"Die Liebe beginnt erst, wenn der Egoismus besiegt ist."
"Ich will beim Dreh immer so gut sein wie ein Seiltänzer, der nur eine Chance hat."

Seine Liste mit Filmen ist seitenlang, 250 sollen es gewesen sein, fürs Kino, fürs Fernsehen. Im Alter, als die guten Rollen knapp geworden waren, sagte Zacher, er müsse nicht unbedingt arbeiten. Er habe sehr viel Geld in seinem Leben verdient und es mit seinem Opa gehalten: "Das Geld muss raus!" Pleite sei er aber nie gewesen.

Zacher bei der Präsentation des Films "Die Friseuse" (2010)
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Zacher bei der Präsentation des Films "Die Friseuse" (2010)

Ganove, Rebell

In einem "Tatort" von 1978 ("Der gelbe Unterrock") spielte Zacher einen Gauner im Drogenmilieu. Eine typische Rolle. Zacher sei "der beste Kleinganove des deutschen Kinos", schrieb ein Kritiker. Dazu Drogen und Knast im wahren Leben. Das passte zum Rebellenimage. "Überall, wo man ist - man ist immer selbst schuld", sagte Zacher.

Als Flüchtlingskind im Zweiten Weltkrieg in Berlin geboren, wuchs Zacher in Brandenburg auf. Getreu dem Motto "Lachen ist der Weg zum Leben" schlug sich der gelernte Bäcker als Barmixer, Sänger, Musiker oder Tänzer durch, bevor er sich in die Welt der Film- und Fernsehstars hocharbeitete.

Seit Mitte der Sechzigerjahre spielte Zacher unter Regisseuren wie

  • Ulrich Schamoni ("Es", 1965)
  • Robert van Ackeren ("Der letzte Schrei", 1974; "Die Venusfalle" 1988)
  • oder Rainer Werner Fassbinder ("Berlin Alexanderplatz", 1980)

Dabei machte er sich vor allem einen Namen als Darsteller von gebrochenen, skurrilen Charakteren und sozialen Randfiguren.

Den Bundesfilmpreis gab es für eine Gaunerrolle in Reinhard Hauffs "Endstation Freiheit" (1980), so hieß auch seine Biografie. Vor Klamotten wie "Go Trabi Go 2" schreckte Zacher in seiner Karriere nicht zurück. Zum Spätwerk zählten Oskar Roehlers "Tod den Hippies!! Es lebe der Punk" und Doris Dörries "Die Friseuse".

Rolf Zacher präsentiert Mode in der Berliner Volksbühne (2014)
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Rolf Zacher präsentiert Mode in der Berliner Volksbühne (2014)

Telenovela und "Dschungelcamp"

Zacher war vielseitig. Er lebte mal im Wohnmobil, drehte Kinderfilme und war Veganer. Musik war ihm wichtig. Fans wissen: Auch bei der Rockband Amon Düül II und im Punkmusical "Gabba Gabba Hey" mischte er mit.

2009 war Zacher in der ARD-Telenovela "Roten Rosen" zu sehen. Der Einstieg in die Telenovela sei für ihn eine Gelegenheit, schnell zu arbeiten, sagte er damals. "Das liebe ich. Denn mir geht diese überflüssige Warterei beim Drehen so auf den Wecker."

Im Januar 2016 zog er ins RTL-Dschungelcamp mit. Wie Helmut Berger und Winfried Glatzeder war Zacher einer von den alten Kandidaten, die ihren Platz in der Filmgeschichte haben, die aber von Jüngere erst mal gegoogelt werden müssen. Er hatte die Sendung damals vorzeitig aus gesundheitlichen Gründen verlassen müssen - der Auftritt brachte ihm viel Häme ein.

Er bereue nichts, sagte Zacher einmal, nur, dass er die Kindheit seiner 1972 geborenen Tochter aus einer Ehe mit Gisela Getty nicht miterlebt habe. Kurz vor seinem 75. Geburtstag meinte er: "Ich habe wunderbar gelebt."

oka/dpa



insgesamt 25 Beiträge
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bloßmolwassage 03.02.2018
1. Wieder
einer weg, den ich bewundert habe. Ruhe in Frieden, Rolf Zacher.
77fun 04.02.2018
2. Typen wie ihn ...
gibt es leider nicht mehr viele. Sein Tot macht traurig.
herrs. 04.02.2018
3. Farewell
Er hatte vor über 20 Jahren mal ne Kneipe in Berlin, die einfach nur „Zacher“ hieß. Da bin ich mal vorbei und da saß er dann. Ne coole Socke war er ...
Cascara LF 04.02.2018
4. Als Schauspieler grandois...
...als Mensch ein herzlicher Zeitgenosse mit Humor. Ich hatte das Vergnügen einmal während eines Fluges neben ihn zu sitzen, vor über 20 Jahren. Unvergesslich, ich habe mich selten mit einem Fremden so gut unterhalten. RiP!
herbert 04.02.2018
5. Zacher war ein natuerliches Unikum
Herrlich seine Art und total Volksnah! Seine Vielseitligkeit hat ihn bekannt gemacht und seine Art Schauspieler zu sein. Schade das er nun nicht mehr da ist aber seine Filme sind immer noch eine gute Erinnerung!
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