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Abgesetzter US-Serienstar

Die Entgleisungen der Roseanne Barr

Sie beschimpfte Hillary Clinton, unterstützte Holocaust-Leugner und twitterte über "islamische Pädophilen-Kultur". Roseanne Barrs Serie wird nach einer Beschimpfung abgesetzt. Neu sind ihre kruden Aussagen nicht.

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Mittwoch, 30.05.2018   14:21 Uhr

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Die Neuauflage der Sitcom "Roseanne" überzeugte in den USA mit Traumquoten und brachte dem Sender ABC Millionen an Werbegeldern ein. Eine zweite Staffel wird es nun allerdings nicht geben. Hauptdarstellerin Roseanne Barr hat mit einer rassistischen Äußerung dafür gesorgt, dass die Serie abgesetzt wird; auch in Deutschland wird die Sendung nicht ausgestrahlt.

Auf Twitter hatte die 65-Jährige die Afroamerikanerin Valerie Jarrett, frühere Beraterin des damaligen US-Präsidenten Barack Obama, als "Baby" der Muslimbruderschaft und "Planet der Affen" bezeichnet, sie löste damit eine Welle der Empörung in den Online-Netzwerken aus. Überraschend ist die rassistische Entgleisung der Schauspielerin keineswegs.

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Barr sorgt bereits seit Jahren mit kruden Aussagen, antisemitischen und rassistischen Kommentaren für Aufsehen. Auch gängige Verschwörungstheorien finden in der Schauspielerin eine leidenschaftliche Anhängerin. Dabei legt sie sich auf keine politische Richtung fest. Über die Jahre bediente sich Barr sowohl rechter als auch linker Rhetorik - extrem blieb sie in ihren Aussagen allerdings jedes Mal.

So war dem jüngsten Skandal-Tweet von Barr bereits eine Reihe antisemitischer Anfeindungen gegen den Milliardär und Holocaust-Überlebenden George Soros vorausgegangen. Darin hatte sie den jüdischen Soros als "Nazi" beleidigt, der während des Zweiten Weltkriegs andere Juden verraten habe, um sich an ihnen zu bereichern. Dabei hat Barr ihre Ansichten bezüglich des Judentums und Israel in den vergangenen Jahrzehnten radikal verändert.

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Noch 2009 bezeichnete die Schauspielerin Israel wiederholt in ihrem Blog als "Nazi-Staat". 2013 unterstützte sie dann öffentlich einen Musiker, der den Holocaust leugnete. Wie die US-Plattform "USA Today" berichtet, habe Barr dann allerdings ihre eigene "jüdische Identität entdeckt". Dieser Sinneswandel mündete in eine Reihe islamfeindlicher Äußerungen. So prangerte Barr auf Twitter eine "islamische Pädophilen-Kultur" an.

Auch eine frühere Beraterin von Hillary Clinton wurde Ziel von Barrs Verbalattacken. Wie die US-Plattform "The Daily Beast" berichtet, bezeichnet Barr Huma Abedin 2016 als "Judenhasserin" und "dreckige Nazi-Hure". Gleichzeitig stellte sie sich im US-Präsidentschaftswahlkampf öffentlich an die Seite von Donald Trump. Dies geschah allerdings nicht aus politischer Überzeugung, wie sie selbst sagte.

Attacken gegen Hillary Clinton

Die Schauspielerin, die 2012 noch selbst als Präsidentschaftskandidatin für eine linke Kleinpartei ins Rennen ging, bezichtigte Trumps Gegnerin Clinton der Korruption. Daher gebe sie ihre Stimme Trump, sagte sie damals. Im Wahlkampf verbreitete Barr dann Verschwörungstheorien auf Twitter, die Clinton kompromittieren sollten - das wohl bekannteste Beispiel dafür sind Barrs Beiträge zum Thema "Pizzagate". Die Kampagne beschuldigte Clinton, einen Pädophilenring zu leiten. Dieser sollte der Theorie zufolge von einer Pizzeria in Washington aus gesteuert werden.

Doch bereits vor Twitter und Co. zeigte sich Barr für Verschwörungstheorien empfänglich. So glaubt sie laut der US-Plattform "Vox" bis heute, dass der Anschlag auf das World Trade Center von Mitgliedern der US-Regierung selbst in Auftrag gegeben worden ist.

All das hat Barr in der Vergangenheit Aufmerksamkeit eingebracht und für Empörung gesorgt. Wohl auch, weil Barr und ihre Serienfigur Roseanne für einen Großteil des Publikums gleichgesetzt sind, die radikalen Botschaften von Barr allerdings kaum zur TV-Figur passten. Der jüngste Skandal hat nun sofort weitreichende Konsequenzen für die Schauspielerin. Neben ABC hat auch die Künstleragentur ICM die Zusammenarbeit mit Barr beendet.

Dabei habe die Schauspielerin laut US-Medien bereits im Jahr 2013 eine ähnliche Aussage wie die jetzige gemacht. Damals verglich Barr Susan Rice, ebenfalls Afroamerikanerin und ehemalige Obama-Beraterin, mit einem Affen. Auch diese Nachricht habe die 65-Jährige später gelöscht.

Mit dem erfolgreichen Comeback der Serie steht Roseanne seit dem Revival ihrer Serie nun allerdings wieder mehr im Rampenlicht als noch vor fünf Jahren - und umso größer sind nun auch die Folgen.

Mit Material von dpa

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