Tränenreiche Entschuldigung "Ich habe mich zum Hassobjekt gemacht"

Ihr jüngster rassistischer Tweet kostete sie ihren Job. Nun zeigt Roseanne Barr Reue - in einem Interview mit einem langjährigen Freund.

Roseanne Barr
imago/MediaPunch

Roseanne Barr


Es dauert fast 20 Minuten, bis Rabbi Shmuley Boteach in dem Podcast-Interview mit Roseanne Barr auf den Punkt kommt. Bis dahin redet er mit ihr über den gemeinsamen jüdischen Glauben, ihre Thora-Treue und das Zitat aus dem Alten Testament: "Vor Gott sind alle Menschen gleich".

Unweigerlich führt das zu dem folgenschweren Tweet Barrs: Im Mai hatte sie dort die ehemalige afro-amerikanische Beraterin von Ex-Präsident Barack Obama, Valerie Jarrett, indirekt mit einem Affen verglichen. Daraufhin kündigte der Sender ABC das Ende der gerade wieder erfolgreich angelaufenen Sitcom "Roseanne" an. Nun ist der Podcast mit einem emotionalen Interview mit dem TV-Star veröffentlicht worden, in dem sich Barr unter Tränen entschuldigt.

"Es fällt mir wirklich schwer, das zu sagen, aber ich meinte es nicht so, wie alle denken, dass ich es gemeint habe", versucht sie sich zu erklären, ohne weiter auszuführen, wie sie es denn nun gemeint habe. Stattdessen kommt ihr der Rabbi zur Hilfe und verweist drauf, dass eine gläubige Jüdin, ja niemals eine afro-amerikanische Frau beleidigen würde.

Gleichzeitig gibt sie sich geläutert, spricht von Gewissensbissen. "Ich bin vieles, ein Großmaul und all das Zeug, aber ich würde Schwarze nie bewusst als Affen bezeichnen." Sie kündigt gar an, sich bei Valerie Jarrett entschuldigen zu wollen. Rabbi Shmuley Boteach, der immer wieder auf die mehr als 20-jährige Freundschaft der beiden verweist, sichert ihr zu, bei der Beschaffung der Telefonnummer der Politikerin behilflich zu sein.

Kritiker lassen keine Ruhe

Ihre Entgleisung führt Barr auf ein Schlafmittel zurück, das sie unmittelbar vor dem Tweet eingenommen habe. Das könne natürlich nur eine Erklärung, keine Entschuldigung für ihren Fehltritt sein. Sie werde nun mit den Konsequenzen leben und alles tun, um ihre Reputation wieder herzustellen, auch Geld spenden. Dabei sorgt Barr schon seit Jahren mit kruden Aussagen, antisemitischen und rassistischen Kommentaren für Aufsehen.

Und dann lamentiert sie noch, dass ihre Kritiker ihre Entschuldigung nicht annehmen: "Sie hören nicht auf, mich zu kritisieren. Sie akzeptieren keine Entschuldigung und keine Erklärung." Sie habe sich zum "Hassobjekt" gemacht. "Als Jüdin ist das schrecklich. Es ist schrecklich." Sie sei keine Rassistin.

Mittlerweile kündigte der Sender ABC allerdings an, dass die Sitcom "Roseanne" weitergehe - allerdings ohne die namensgebende Hauptdarstellerin. Man habe zunächst zehn Episoden in Auftrag gegeben, die ab Herbst ausgestrahlt werden sollen. Der Arbeitstitel der neuen Serie lautet demnach "The Conners".

brs



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allessuper 25.06.2018
1. Es geschieht ihr recht.
Dieses Larmoyante ist furchtbar. Fortwährende Selbstgerechtigkeit. Wer in der Öffentlichkeit steht, hat ein Gebot der Zurückhaltung und des guten Benehmens. Punkt. Diese neue Promi-, Pseudopromi,- und WasauchimmermitMedien- Kaste, darunter zählen auch Politiker, Ferner Liefen und Sonstiges, möchte ach so gern die Butter und das Geld der Butter kassieren. Geht aber nicht, Punkt. Falls die Dame Tabletten zu sich nimmt, dann sollte sie lieber vorher den Aus-Knopf ihres Endhirngeräts drücken. Noch gibt es einen solchenen. Wenn das Teil erstmal unter die Haut gechipt wird, reden wir weiter.
bhang 25.06.2018
2. Die Folge in der aktuellen Staffel, in der es um neu hinzugezogene
muslimische Nachbarn der Conners geht zeigt, das sie keine Rassistin sein kann.
chalchiuhtlicue 25.06.2018
3. Schauspielerin entschuldigt sich tränenreich ...
Wenn man die Glaubwürdigkeit dieser "Entschuldigung" bewerten will, muss man sich einfach mal anschauen, was Barr in den letzten 20 jahren alles an rassistischen und geschmacklosen Äußerungen gemacht hat. ;)
bammbamm 25.06.2018
4.
Sind die empathischen und toleranten Menschenfreunde wieder auf einer Hetzjagd? Nicht das Frau Barr nicht selbst Schuld ist, aber mich wundert es immer wieder wie menschenverachtend die selbsternannten Gutmenschen und Wächter der Moral handeln wenn ihnen und ihrer Weltsicht etwas zuwider läuft. Menschenverachtende Hetze ist wieder in Mode gekommen wie schon lange nicht mehr und die Linke trägt einen gewaltigen Teil dazu bei, aber das ist ok, sind ja schliesslich die guten und das Opfer verdient es. Dummerweise behauptet das jeder von sich der unsagbares Leid über andere Menschen brachte und bringt.
Überfünfzig, 25.06.2018
5. @4: Es ist nicht nur.....
.....die neue menschenverachtende, dogmatische, quasi religöse Ideologie dieser Menschen, die sich zum Großinquisitor aufspielen, sondern die panische Reaktion der entsprechenden Institutionen, die im vorauseilendem Gehorsam diese Menschen, die im Grunde nur eine verbale Fehlleistung gemacht haben, wie Fremdkörper aussondern und oft der wirtschaftlichen Existenz beraubt, nur weil man Angst vor dem Shitstorm hat. Etwas Augenmaß und die Chance auf Richtigstellung oder Entschuldigung sollte jedem gewährt werden, denn wir sollen sie an ihren Taten und nicht an Worten messen. Aber der moralische Linkspöbel ist mittlerweile so auf Krawall gebürstet, weil er merkt, dass das Gift der jahrzehntelangen Täuschung langsam nicht mehr wirkt und ein Rollback in andere Verständlichkeiten, noch mit allen Mittel aufgehalten werden muß, auch unter der Inkaufnahme von Kollateralschäden.
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