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"Ich bin ein Star...", Tag zwei: Der Dschungel ist kein Ponyhof

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Dschungelcamp: "Ich hab Angst" Fotos
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Die Verlotterung schreitet rasant voran: Schon am zweiten Tag treten bei "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" die ersten Kopfkrusten auf. Und bei Allzweck-Blondine Sara liegen die Nerven blank.

Die bodenlose Unverschämtheit gleich mal vorweg, damit hier niemand unnötig die zweite Dschungelfolge auf irgendwelchen Onlinekanälen nacharbeitet: Der Mann Aurelio, Überraschungssympath der Einzugssendung, war kaum zu sehen und wurde schon am zweiten Tag von abgezockten Showcuttern zum Ein-Satz-Statisten kastriert.

Vermutlich hatte sich der - in der Dschungelfamilienaufstellung als testosterongärender Haupthirsch eingeplante - Mann Aurelio so schnell zum durchaus verständig wirkenden Mitfühler Aurelio gemenschelt, dass die ganze über zwei Wochen durchdramatisierte Wandlungsgeschichte hinüber war. Also verschwand DMA mitsamt seinem Bilderbuchkörper einstweilen in der Requisitenkiste.

Sorry, Mädels: Mitfühler Aurelio ist erst mal kalt gestellt Zur Großansicht
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Sorry, Mädels: Mitfühler Aurelio ist erst mal kalt gestellt

Wenigstens die Freunde gutbürgerlicher Eierkopfbildung kamen auf ihre Kosten. Die Handlung: Rebecca Siemoneit-Barum entdeckt auf ihrem Kopf schorfige Krustknubbel, die sie tastend als "Eier von Tieren" identifiziert.

Sofort breitet sich im Camp die Angst davor aus, dass irgendwann etwas aus den Kopfeiern schlüpfen könnte - sicherlich genährt durch die aufmerksame Lektüre von Gotthelfs Novelle "Die schwarze Spinne", in deren Verlauf ein ähnlicher Hartknubbel auf der Wange einer Bäuerin tatsächlich aufplatzt und ein Meer von Babyspinnen gebiert. Das findet nicht jeder niedlich. Zum Glück sind die Rebeccaschen Kopfkrusten dann doch nur erstarrte Baumharztropfen, die Jörn Schlönvoigt sogleich wegoperiert. Berechtigte Sorge dabei: Weiß er, dass er nur ein Fernseharzt ist?

Pulen nach der Laus: Jörn Schlönvoigt über dem Scheitel seiner Camp-Gefährtin Zur Großansicht
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Pulen nach der Laus: Jörn Schlönvoigt über dem Scheitel seiner Camp-Gefährtin

Dann direkt der nächste Schocker: Sara bricht ihre nunmehr zweite Dschungelprüfung ab, bei der sie in das altbekannte unterirdische, teildurchflutete Gängesystem hätte hinabsteigen müssen, um dort Sterne zu sammeln. Schon als man ihr die näheren Umstände erläutert, blickt sie leidend wie die Muttergottes von Schmerlenbach. In der Tunnel-Vorkammer verlässt sie dann vollends der Mut: "Ich bin zu schwach dafür, wahrscheinlich."

Da wollte man gleich seinerseits hinabsteigen, und zwar mit einer Laterne in das heimische, nicht minder weitverzweigte Schund-TV-Archiv. Glaubte man sich doch vage zu erinnern, dass sich dieselbe Frau als Saharasara in der Wüstenrealityposse "Wild Girls" deutlich unzimperlicher, regelrecht kämpferisch gezeigt hatte. Und am Ende sogar gewann, weil sie Sisiphus einen guten Mann sein ließ und schwere Steineslast mir nichts, dir nichts erfolgreich auf einen Berg schleppte.

Im Dschungelcamp nun aber traut sie sich gleich zu Beginn der Prüfung nicht, ihre Hand in ein paar Wandöffnungen zu stecken. Ganz wie eine verzagte Abiturientin, die ihr Pfötchen bei der Abschlussfahrt nach Rom nicht in die Bocca della Verità legen will, jenes steinerne Kirchenwandrelief, dessen Name übersetzt "Mund der Wahrheit" bedeutet und das einem angeblich die Hand abbeißt, wenn man dabei lügt.

Ja, der Dschungel ist kein Ponyhof: Kandidatin Sara bei der Tränenausscheidung Zur Großansicht
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Ja, der Dschungel ist kein Ponyhof: Kandidatin Sara bei der Tränenausscheidung

Die Wahrheit also im Fall der scheinforschen Sara: Sie ist doch nicht das supertoughe Gossengirl, als das sie sich gerne gibt. Aber stark genug, sich das einzugestehen. Oder ist die Angstdarbietung doch nur eine ifflandreife Inszenierung ihres am Vortag offenbarten Lebensmottos "Dummstellen schafft Freizeit"?

Keine Zeit zum Nachdenken, schon naht die nächste Emo-Offenbarung: Walter Freiwald erzählt im Dschungeltelefon von seiner Arbeitslosigkeit nach langen RTL-Dienstjahren. Und wie Saras Angstkrampf ist auch Walters (in seiner psychischen Hosenlosigkeit und offenen Verzweiflung auch schon wieder würdevolles) öffentliches Stellengesuch nichts, worüber man sich wirklich amüsieren möchte.

Es wirkte zumindest ehrlicher dramatisch als die immer noch nicht ausgerottete Empfindsamkeitsgeste, die gestern direkt vor "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" wieder mehrfach bei "Deutschland sucht den Superstar" zu beobachten war: Jene Bewegung, bei der eine singende Sängerin bei geschlossenen Augen mit der mikrofonfreien Hand so tut, als angele sie erfolglos nach einem Marmeladenglas auf einem etwas zu hoch aufgehängten Vorratsregal.

Apropos direkt davor: Direkt nach dem "Dschungelcamp" wurde dann die Auftaktfolge zur neuen "Bachelor"-Staffel wiederholt, und das dort gezeigte Geschehen gab nach einem insgesamt eher mauen Camp-Auftakt Grund zur Hoffnung: Ganz ausgezeichnetes Camper-Rohmaterial ist dort dabei!

Also keine Sorge: Es wird besser. Vielleicht aber erst nächstes Jahr.

Zur Autorin
  • Anja Rützel, Jahrgang 1973, taucht im Trash-TV-Sumpf nach kulturellem Katzengold. In ihrer Magisterarbeit erklärte sie, warum "Buffy the Vampire Slayer" eine sehr ausführliche Verfilmung der aristotelischen Argumentationstheorie ist. Sie glaubt: "Everything bad is good for you" - und dass auch "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" tieferen Erkenntnisgewinn liefern kann. Seit April 2015 ist sie Autorin für SPIEGEL ONLINE.

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insgesamt 182 Beiträge
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1. Hgd
spon-1273771169175 18.01.2015
Warum schreibt ihr darüber. Habt ihr Shares an RTL ? Man muss so etwas ignorieren , jedes Jahr das gleiche mit anderen Darstellern , jetzt y Promis !?! Peinlich !!!
2.
hschmitter 18.01.2015
Diese Sara hat so wenig Kekse in der Dose, die würde aus einem deutschen Wald mit Wegweisern nicht rausfinden, sondern nur panisch schreien. Wenn sie noch einmal in einer Prüfung so jämmerlich versagt, wird sie bis zur schnellen Rauswahl geschont - so wenig Leidensfähigkeit möchte man doch nicht sehen.
3. Frau Rützel war schon mal besser
tommahawk 18.01.2015
Abwarten, ob Sie nicht genauso im Dschungel landen wie diese armen Gestamten hier. Dieser RTL-Walter braucht das Geld, um seine krebskranke Frau versorgen zu können. Wenn das wirklich halbwegs stimmt ist das schon beschämend, wie hier Leute ausgebeutet werden - und die Rützel macht sich auch noch lustig darüber...
4. Gäääääähn
R.Mack 18.01.2015
So etwas gehört nicht in den Spiegel. Sie wissen ja, dass das N in RTL für deren Niveau steht. Passt nur auf, dass es bei Euch nicht genau so kommt.
5. @1
Hosni 18.01.2015
Weil es Spaß macht zu lesen, Troll!
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