RTL-Reality-Show "Die Farm" Explosive Elke in der Einöde

Von der heilen Welt liebestoller Bauern in die norwegische Pampa: Inka Bause spielt Babysitterin für zickige Großstädter. Mit "Die Farm" bringt RTL "Big Brother" an die frische Luft - und Peer Schader auf die Barrikaden: Gebt uns das Dschungelcamp zurück!


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"Die Farm": Neues aus Inka Bauses Alliterationshölle

Liebes RTL, was haben wir dir bloß angetan? Da streichst du uns dieses Jahr einfach das schöne Prominentenzeltlager in Australien, nur um Geld zu sparen, schickst stattdessen zwölf Allerweltskandidaten ins kühle Norwegen, wo sie zweieinhalb Monate einen alten Bauernhof bewirtschaften sollen, und lässt sie von Inka Bause heimsuchen. Das ist nicht dein Ernst!

Wir wollen Schlagerstars in Maden baden sehen; Machos, die mit bloßen Händen das Mittagessen erlegen; Promis, die sonst in Boulevardmagazinen wohnen, beim Seelenstriptease am Lagerfeuer - und Sonja Zietlow mit Dirk Bach, die sich keinen hämischen Kommentar sparen, dann aber doch jeden ihrer Schützlinge mit offenen Armen im Baumhaus empfangen! Kurz und gut: Wir wollen unser schönes Dschungelcamp zurück!

Inka Bause hingegen will etwas ganz anderes. "Ich möchte keinen Trash, ich möchte nicht bösartig berichten, ich möchte mich nicht lustig machen über Menschen. Dafür steht irgendwie so ein bisschen mein Name", hat sie in der vergangenen Woche im RTL-Interview verraten - und dabei ihr eigentliches Ziel verschwiegen: eine ganze Fernsehnation ins künstliche Koma zu versetzen.

Genau darum scheint es in ihrer neuesten Sendung "Die Farm" zu gehen, dem langweiligsten aller Versuche, ein in Deutschland längst beerdigtes Genre wiederzubeleben. Begraben hat es ProSieben vor zweieinhalb Jahren mit "Survivor", der amerikanischen Urvariante moderner Reality-Shows, in der Kandidaten auf einer Insel überleben und dabei alberne Wettstreits austragen müssen. Weil keiner zusehen wollte, verschwand die Show nach wenigen Ausgaben im Morgenprogramm.

Damit der "Farm" nicht dasselbe passiert, hat RTL sie verkleidet: als "Big Brother" an der frischen Luft, für das Bause noch mal ein Best-of ihrer völlig ironiefreien Texte aus der Alliterationshölle von "Bauer sucht Frau" aufsagen darf, während dazu wieder die schönsten Kuschelrock-Hits laufen. Nur dass der "mutige Münsterländer" und die "explosive Elke" am Ende nicht zwangsläufig verkuppelt werden - was ein schöner Nebeneffekt wäre -, sondern sich die Utensilien für ihren Aufenthalt erspielen müssen.

Zum Auftakt hat das schon mal ganz gut geklappt: 4,61 Millionen Zuschauer schalteten ein, um zu sehen, wie das Team die nervenzerreißende Herausforderung in der Premierensendung bewältigte. Sie lautete: Streicht euer Haus! Innerhalb einer Woche. Zu zwölft. Dagegen ist so ein Dschungelaufenthalt natürlich Pipifax.

"Die Heilerin aus der Heide"

Da ist es verständlich, dass der erste Kandidat schon kurz nach dem Einzug wieder abreiste: Schreiner Jens, dessen Charakter RTL in einer Einblendung mit der Formulierung "hat Hämorrhoiden" zusammenfasste, sind die vielen Mücken nicht bekommen. Kandidatin Ivana ist erstmal dageblieben, inspizierte aber mit Entsetzen ihr neues Zuhause, das vom RTL-Team erst frisch gestrichen und danach sorgsam mit künstlichen Spinnweben zugehängt wurde: eine Scheune als Schlafplatz! Ein Plumpsklo! Und Schlangen im Vorgarten! "Ich dachte, ich übergeb mich", erklärte die 21-Jährige, die nach eigener Auskunft Hühner auf den Tod nicht ausstehen kann, was für den Aufenthalt auf einem Bauernhof natürlich ein bisschen doof ist.

Aber, hey, ein bisschen doof ist doch auch genau das, wofür die "Big Brother"-Produktionsfirma Endemol ihr Publikum hält. Immerhin konzentrieren sich die Verantwortlichen bei dieser ereignisarmen Container-Variante auf das, was sie können: weibliche Brüste in Großaufnahme zeigen und Streits zwischen den Teilnehmern breitwalzen. Zumindest von letzterem gab es in der ersten Woche auf der "Farm" bereits reichlich: Weil die ehemalige Pornodarstellerin Elke den süßen Katzenbabys Milch zu trinken gab, musste sie sich Kritik von Berufs-Heilerin Cornelia gefallen lassen, die überzeugt ist, dass die Neugeborenen davon gleich wieder das Zeitliche segnen werden. Das führte sofort nach dem Einzug zu ersten Handgreiflichkeiten, bei denen Elke ihrer Widersacherin drohte: "Ich schlag sie kaputt!"

Bei den jungen Zuschauern schaffte "Die Farm" auf Anhieb 19,7 % Marktanteil. RTL wird sehr zufrieden sein mit seinem kostengünstigen Dschungelersatz. Die schwierigste Herausforderung wird in Norwegen aber wohl die Moderatorin zu bewältigen haben, deren größtes Risiko bisher die Dreiviertelhosen waren, in denen sie die aus schlichten Hauptsätzen bestehenden Moderationen für "Bauer sucht Frau" aufsagt. Bause ist eigentlich im Heile-Welt-Fernsehen zu Hause, in dem es niemals Streit gibt, allenfalls harmlose Meinungsverschiedenheiten. Sie nun als Schlichterin eines leicht gereizten Haufens überforderter Großstädter zu erleben, ist unvorstellbar.

Wenn sie dazu aber noch erklärt, sich nicht über die Teilnehmer lustig machen zu wollen, hat die Teilzeit-Schlagersängerin noch nie eine ihrer eigenen Sendungen gesehen, in denen es größtenteils darum geht, kauzige Typen auszustellen, die noch nie eine Frau ins Bett gekriegt haben. Davon gibt es auch in "Die Farm" wieder ein, zwei Exemplare, nur dass sie in Norwegen auf Konkurrenten wie den 30-jährigen Piloten René treffen, der sich nichts mehr wünscht, als dass ein Pornosternchen mit im Team ist.

Da wird die bereits erwähnte Cornelia ("die Heilerin aus der Heide", wie Bause sagt) mit ihren 51 Jahren nicht ganz mithalten können, obwohl sie sich vorgenommen hat, nach dem Einzug erst einmal über den Hof zu gehen, um zu sehen, ob es dort negative Energien gibt - "irgendwas, das energetisch geheilt oder gereinigt werden möchte". Am besten, sie fängt mit dem Sender an, der ihr das alles eingebrockt hat.



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Seite 1
frubi 01.02.2010
1. .
Zitat von sysopVon der heilen Welt liebestoller Bauern in die norwegische Pampa: Inka Bause spielt Babysitterin für zickige Großstädter. Mit "Die Farm" bringt RTL "Big Brother" an die frische Luft - und Peer Schader auf die Barrikaden: Gebt uns das Dschungelcamp zurück! http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,675168,00.html
Diese Drecksformate hören einfach nicht auf, oder? Da wünsch ich mir doch eher noch "Darmspiegelung LIVE" anstatt so einen Dreck. Man möchte den Sendechefs nur noch die Birne einschlagen aber letztlich bedienen die ja anscheinend auch nur den "Willen des Volkes" wenn die Quoten dermaßen gut sind.
jot-we, 01.02.2010
2. rtlol
Zitat von sysopVon der heilen Welt liebestoller Bauern in die norwegische Pampa: Inka Bause spielt Babysitterin für zickige Großstädter. Mit "Die Farm" bringt RTL "Big Brother" an die frische Luft - und Peer Schader auf die Barrikaden: Gebt uns das Dschungelcamp zurück! http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,675168,00.html
Sehr richtig! An RTL ist wirklich alles schlecht - bis auf das Dschungelcamp und Ulrike van der Groeben.
hajoschneider 01.02.2010
3. Warum?
Zitat von sysopVon der heilen Welt liebestoller Bauern in die norwegische Pampa: Inka Bause spielt Babysitterin für zickige Großstädter. Mit "Die Farm" bringt RTL "Big Brother" an die frische Luft - und Peer Schader auf die Barrikaden: Gebt uns das Dschungelcamp zurück! http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,675168,00.html
... muss man bei SPON eigentlich jede neue RTL-Soap (egal ob Reality-, Doku- oder was auch immer) kommentieren? Ich finde diese Artikel so überflüssig wie einen Kropf.
Saudi-Arabien 01.02.2010
4. Niveaulos?
Zitat von sysopVon der heilen Welt liebestoller Bauern in die norwegische Pampa: Inka Bause spielt Babysitterin für zickige Großstädter. Mit "Die Farm" bringt RTL "Big Brother" an die frische Luft - und Peer Schader auf die Barrikaden: Gebt uns das Dschungelcamp zurück! http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,675168,00.html
Nun gut, im Vordergrund steht hier vermutlich die Debatte über Niveaulosigkeit im Fernsehen. Ehrlich gesagt ist es mir ziemlich egal, ob nun RTL mit niveaulosen oder niveauvollen Sendungen Geld verdient, da man ja an RTL keine Gebühren entrichten muss. Bei ARD/ZDF sieht das natürlich anders aus. Da erwarte ich ein qualitativ hochwertiges Programm, da ich schließlich auch entsprechend hohe Beiträge zahlen muss, aber das ist leider nicht der Fall. Ganz im Gegenteil, es wird auch noch schamlos gelogen, bezüglich der "unabhängigen Berichtserstattung" u.s.w
StrangeWorld, 01.02.2010
5. ...
Weder ein Dschungelcamp mit C Promis die in einem "Dschungel" leben, der weniger gefährlich als der Schwarzwald ist, noch solch eine "low-budget-reality-show" braucht das Fernsehn. Wenigstens hat der Artikel mir bestätigt, dass ich nichts verpasst habe.
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