"Die Pool Champions": Anbaden mit Antonia aus Tirol

Von Arno Frank

RTL-Show "Pool Champions": Kamikaze-Köpper mit Cowboyhut Fotos
RTL

Soap-Schauspieler, Skandalnudel, Bachelor: Ist man schon ein Promi, wenn man nur auf RTL prominent ist? Für die TV-Show "Pool Champions" reicht es allemal. Eine Sendung zum Fremdschämen - bis auf einen einzigen Höhepunkt. Den setzte der muskelbepackte Auswanderer Konny Reimann.

Synchronschwimmen ist ein echter Sport. Glaubt keiner, der das noch nicht versucht hat, und wer hätte das schon jemals versucht? Jedenfalls dürfte diese allseits unterschätzte und bisweilen bespöttelte Spartensportart noch nie an so prominentem Platz im deutschen Fernsehen so ausdauernd vorgeführt worden sein.

Aber hey, es ist endlich Sommer, und RTL "feiert" den längsten Tag des Jahres konsequent mit einer der langweiligsten Sendungen des Jahres. Da kommt Synchronschwimmen gerade recht. Weil das nicht abendfüllend ist, kommt noch Turmspringen dazu, das ist gerade auch im Werbefernsehen ein Trend. Beides zusammen könnte für 15 Minuten ganz unterhaltsam sein. Könnte.

In "Pool Champions", so das clevere Konzept, versuchen sich Fernsehpersönlichkeiten von 20.15 Uhr bis 23 Uhr an Sachen, die man im Schwimmbad so machen kann, wenn man nicht mit einem Taschenbuch auf dem Handtuch döst. Sondern "hart trainiert", den "inneren Schweinehund" besiegt, damit man "im Wettkampf die Leistung abrufen", "alles geben" sowie richtig "liefern" kann und was der zeitgenössischen Selbstermächtigungsvokabeln mehr sind.

Und so versicherten sich alle Beteiligten folgerichtig gegenseitig, wie "gut" sie heute aussehen, sehr gut, ausgezeichnet, auch Jurorin Franziska van Almsick, die "vor vier Wochen Mutter geworden ist" und trotzdem "noch nicht zerfließt", so figurenmäßig. Eine "Miss Germany" räumt freimütig ihre "kleinen Problemzonen" ein, Cellulite und so, hach ja. Gespräche wie unter flüchtigen Bekannten im Freibad.

Wahrscheinlich pure Grausamkeit

Zum Badespaß treten zehn Promis an. Mit deren Prominenz ist es allerdings nicht allzu weit her. Deshalb sollen sie hier ausnahmsweise einmal vorgestellt werden, damit man sich einen Eindruck von der Show machen kann: Da ist zunächst Konny Reimann, dem RTL-Publikum auch bekannt als Auswanderer nach Texas. Lina van de Mars, 34, Moderatorin einer Gebrauchtwagensendung auf DMax. Ebenfalls aus dem RTL-Fundus hervorgekramt wurde der beleibte Thomas Drechsel aus "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten". Antonia aus Tirol, 33, Kollegin von Anton aus Tirol. Caroline Noeding, 21, die amtierende "Miss Germany 2013". Carsten Spengemann, 40, Schauspieler und Moderator. Massimo Sinató, 32, Tänzer aus "Let's Dance" (RTL), wo wir zuletzt auch die rhythmische Sportgymnastin Magdalena Brzeska gesehen haben. Schließlich der RTL-"Bachelor" Jan Kralitschka, 36, und Melanie Müller, bekannt aus der gleichen Sendung - sie hatte ein RTL-konformes Skandälchen verursacht, als sie nackt zu Kralitschka in den Pool zu steigen versuchte. So weit, so RTL.

Moderiert wurden Synchronschwimmen und Turmspringen sowie die endlosen Einspieler von den Vorbereitungen zum Synchronschwimmen und Turmspringen von Nazan Eckes und Marco Schreyl, der aus unerfindlichen Gründen - wahrscheinlich pure Grausamkeit - zu marineblauem Jacket eine kurze lilafarbene Hose trug. Mit den Sprüchen "Da bleibt kein Auge trocken" sowie "mit allen Wassern gewaschen" waren alle verfügbaren Metaphern zum Thema schnell verfeuert.

"Konny, du bist verrückt"

Und dann passierte...nichts weiter. Die Fernsehpersönlichkeiten schwammen synchron (Fleiß!) und sprangen vom Turm (Mut!), dazwischen herrschte im gefällig illuminierten Hallenbad in Berlin immer wieder ratlose Stille. Als Melanie Müller auf dem Turm stand, erklärte Schreyl: "Komm heil unten an, RTL hat noch viel mit dir vor!" Und als sie nach ihrem Sprung durchs Becken schwamm, fielen ihm dazu spontan doch noch ein paar Wortspiele ein: "Melanie! Du Poolnudel! Komm raus, du Nicht-Mehr-Jungfrau."

Den einzigen Höhepunkt der 165 Minuten langen und nur von drei allzu kurzen Werbepausen unterbrochenen Schwimmpartie setzte Konny Reimann, der muskelbepackte Auswanderer, indem er sich nicht um Vorgaben, Training und Leistungsgequatsche kümmerte - sondern sich einfach mit Cowboyhut und Anlauf kopfüber vom Zehn-Meter-Turm stürzte.

"Konny, du bist verrückt", stellte danach Franziska van Almsick trocken fest, "aber das braucht diese Show." Tatsächlich waren die wenigen Augenblicke, die der Mann wild durch die Luft ruderte, die einzigen drei halbwegs unterhaltsamen Sekunden dieses versenkten Abends. Die übrigen 9897 fühlten sich an, als kämpfe man in einer Badewanne gegen das Einschlafen. Glaubt keiner, der das noch nicht versucht hat.

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insgesamt 30 Beiträge
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1. Es gibt Sendungen ...
waldemar 22.06.2013
... da wundert man sich nach jedem Werbeblock, warum es weitergeht und nicht einfach ein Testbild gesendet wird. Was mich auch noch verwirrt ist, dass man scheinbar schon als Promi zählt, wenn man in einer anderen RTL-Show mal mit jemanden getanzt hat, der mit einem X- ,Y- oder Z-Promi verheiratet war ...
2.
ice375 22.06.2013
phuuu zum glueck hab ich keinen fehrseher hoert sich an wie untschichtstv vom feinsten an ..... wer sowas schaut zieht sich auch dsds oder germany next topmodel rein ...... pure volksverdummung ..... da schnapp ich mir lieber ein buch und leg mich an den naechsten baggersee .... da hab ich echt mehr von
3.
Karbonator 22.06.2013
Es ist ja nichts gegen TV-Verrisse einzuwenden, aber das macht doch eigentlich nur Sinn, wenn es zumindest den Ansatz einer positiven Erwartungshaltung gibt. Da dies bei diesem und ähnlichem Schund nicht der Fall ist, stellt sich die Frage, warum wir uns alle solche Artikel antun. Ja, ich hab den Artikel zumindest teilweise gelesen, obwohl mich die Sendung nicht interessiert - bevor wieder der schlaue Rat kommt, daß man ja gerne einen Bogen darum machen kann. Mich stört jedoch die allgemeine Unart der Medien, über diese peinlichen Sendungen herzuziehen - aber eben doch über sie zu berichten. Obwohl es ganz und gar niemand grämen würde, gäbe es nicht einen einzigen Artikel über diesen Schund. Daher die allgemeine Frage: Warum?
4. Lob an den Autor
dagmarreich 22.06.2013
Obwohl ich die Sendung nicht gesehen habe, las ich diesen Artikel dank seiner lebendigen und ironischen Schreibweise mit sehr viel Freude. Endlich mal wieder ein Journalist, der die deutsche Sprache geist- und witzreich anzuwenden weiß.
5. Dem...
Ein&Leser 22.06.2013
wäre nichts hinzuzufügen. Typisch RTL halt. Aber mit dem Artikel bekommen sie wieder die Aufmerksamkeit, die sie nicht verdienen.
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