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Gerichtsurteil zu RTL-Sendung: "Super Nanny" verletzt sehr wohl die Menschenwürde

Weitere Niederlage für RTL: Die Kommission für Jugendmedienschutz beanstandete eine Folge der Doku-Soap "Super Nanny" - diese Einschätzung wurde nun gerichtlich bestätigt.

Hamburg/Hannover - Für RTL war die "Super Nanny" stets eine pädagogische Wohltat. "Ob Dauerstreit, Gewalt oder Hyperaktivität - bei Stress in der Familie hilft die erfahrene Diplom-Pädagogin Katharina Saalfrank", so bewarb der Sender einst die inzwischen eingestellte Doku-Soap, in der überforderte Eltern beim Umgang mit Erziehungsproblemen beraten werden sollen.

Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) konnte diese Selbsteinschätzung nicht bestätigen. Im Gegenteil: "Das Kind wird in seinem sozialen Achtungsanspruch verletzt und zum Objekt der Zurschaustellung degradiert", erklärte das Organ der Landesmedienanstalten, das für die Umsetzung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags zuständig ist, über eine Folge der RTL-Serie aus dem Jahr 2011. Darin hatte eine Mutter ihre weinenden und verängstigten Kinder beschimpft, bedroht und geschlagen.

Gegen diese Beanstandung durch die KJM hatte RTL Klage beim Verwaltungsgericht Hannover eingereicht. Doch das Gericht wies diese Klage jetzt ab: "Nach Auffassung der Kammer verbietet die Menschenwürde der beteiligten Kinder (...) das wiederholte Darstellen einzelner an ihnen begangener Gewalthandlungen und insbesondere die Zusammenstellung einzelner dieser Handlungen in einen 'Teaser', um Zuschauer anzulocken", heißt es unter anderem in der Begründung.

Nach Auffassung von RTL kann von einer Verletzung der Menschenwürde keine Rede sein, da es keine gezielte Herabwürdigung der Kinder gegeben hätte. Der Sender stützt sich auch auf die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF), die vorab keine Bedenken gegen eine Ausstrahlung der Sendung hatte und auch keinen Verstoß gegen die Menschenwürde sah.

Das Gericht sah dies anders, ließ wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Streitfrage aber die Berufung beim Oberverwaltungsgericht zu. RTL bedauerte den Gerichtsentscheid und will eine Berufung prüfen. Die Sendung mit Katharina Saalfrank war bereits 2011 eingestellt worden.

cbu/dpa

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insgesamt 35 Beiträge
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1. Alles egal, außer Menschenwürde
monolithos 08.07.2014
Bildung? Egal. Benehmen? Egal. Sozial angemessenes Verhalten? Egal. Zukunftschancen für die "zur Schau gestellten" Kinder? Egal. Erziehungshilfe? Egal. Hauptsache die Menschenwürde ist unangetastet.
2.
thomas.b 08.07.2014
Die ersten Kinder sollten nun langsam erwachsen sein. Was sagen die heute zu ihrer damaligen Bloßstellung?
3.
eigen 08.07.2014
Zitat von monolithosBildung? Egal. Benehmen? Egal. Sozial angemessenes Verhalten? Egal. Zukunftschancen für die "zur Schau gestellten" Kinder? Egal. Erziehungshilfe? Egal. Hauptsache die Menschenwürde ist unangetastet.
Sicherlich ist auch RTL alles andere als frei von Schuld wenn es um Bigotterie geht. Man sollte dennoch darüber nachdenken, ob in der Sanktion gegen die Sendung nicht auch eine Prise Scheinheiligkeit steckt. Die Dokumentation unhaltbarer Zustände sollte nicht unterdrückt werden, sondern dazu führen das die Gesellschaft abwägt wie viel Spielraum man überforderten oder gar bösartigen Menschen bei der Kindererziehung einräumen sollte. Auf der einen Seite macht man sich Sorgen über die Demographie, auf der anderen lässt man Nachwuchs unter Bedingungen aufwachsen in der er sich nicht richtig entwickeln kann und uU später selbst der Gesellschaft zur Last fällt, statt sie zu stützen.
4. Verbale und körperliche Gewalt
spiegelfrauchen 08.07.2014
gegen wehrlose , verängstigte Kinder zu präsentieren kann niemals ein " Tv-Format" sein . Wo leben wir denn ? Die Kinder können dann später anschauen , wie sehr die eigenen Eltern versagt haben?! Erschreckend und würdelos.
5. Brot und Spiele
whocaresbutyou 08.07.2014
Zitat von monolithosBildung? Egal. Benehmen? Egal. Sozial angemessenes Verhalten? Egal. Zukunftschancen für die "zur Schau gestellten" Kinder? Egal. Erziehungshilfe? Egal. Hauptsache die Menschenwürde ist unangetastet.
Bildung, Benehmen oder Erziehung vermittelt man Kindern nicht dadurch, dass man sie im Fernsehen zur Schau stellt. Und eine echte Erziehungshilfe bietet diese Show auch nicht, dazu ist die "Betreuung" viel zu kurz und oberflächlich. Hier geht es primär um Einschaltquoten und die erzielt man nun mal nachweislich damit, dass man einer bodenlosen Zielgruppe Einblick in das Leben einer noch bodenloseren Schicht gewährt. Frauentausch / Raus aus den Schulden / Bauer sucht Frau / wir kämpfen für sie / Köln 50667 ... Und schon fühlt sich der Durchschnittsversager wieder erhaben...
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