TV-Remake RTL-Winnetou darf nicht Winnetou heißen

Wo "Winnetou" draufsteht, muss auch Winnetou drin sein: Der Karl-May-Verlag hat sich vor Gericht gegen die RTL-Verfilmung unter den Originaltiteln durchgesetzt. Die Dreharbeiten hatten schon im August begonnen.

Winnetou-Darsteller Nik Xhelilaj: RTL nennt ihn "internationalen Shootingstar"
RTL/ Nikola Predovic, RatPack

Winnetou-Darsteller Nik Xhelilaj: RTL nennt ihn "internationalen Shootingstar"


Juristische Schlappe für RTL: Drei geplante "Winnetou"-Filme des Privatsenders dürfen nicht unter den ursprünglich vorgesehenen Titeln ausgestrahlt werden. Das hat das Landgericht Nürnberg-Fürth entschieden. Die Neuauflagen dürfen demnach nicht "Winnetou und Old Shatterhand", "Winnetou und der Schatz im Silbersee" oder "Winnetous Tod" heißen.

Der Bamberger Karl-May-Verlags hatte gegen die Produktionsfirma der Filme geklagt. Die Begründung: Die Handlung in den vorgelegten Drehbüchern weiche zum Teil massiv von den Romanvorlagen Karl Mays ab. Der Verlag hatte sich deshalb auf sein Titelschutzrecht berufen.

Der Argumentation folgte das Gericht. Die geplanten Filme würden sich so stark von den Romanvorlagen unterscheiden, dass nicht mehr von deren Verfilmung gesprochen werden könne. Es bestünden bei Benutzung der Titel deshalb eine Verwechslungsgefahr und damit ein Unterlassungsanspruch des Verlags, hieß es in dem Urteil, das noch nicht rechtskräftig ist.

Den RTL-Drehbüchern zufolge lebte etwa Old Shatterhand abweichend vom Original als Farmer auf dem Land der Apachen. Die Dreharbeiten hatten bereits Mitte August in Kroatien begonnen, dort, wo auch die Kinofilme der Sechziger gedreht wurden.

Bereits Mitte Dezember hatte Regisseur Philipp Stölzl bei einem Set-Termin in Köln auf die neue Richtung der Filme verwiesen: Es gehe um den Austausch von Werten und eine "völlige Neuinterpretation des Winnetou-Mythos". Stölzl erläuterte: "Das Herzstück der Winnetou-und-Old-Shatterhand-Geschichte ist: zwei Männer, die aus sehr unterschiedlichen Kulturen mit ganz unterschiedlichen Werten kommen und die besten Freunde aller Zeiten werden."

Erst vor wenigen Monaten hatte der Sender die Besetzung für die Filme bekannt gegeben: Nik Xhelilaj sollte den Apachen-Häuptling spielen. Der 32-jährige Albaner war bislang vor allem im heimischen und im türkischen Fernsehen zu sehen. Lediglich durch seine Hauptrolle in dem Film "Der Albaner" aus dem Jahr 2010 machte er in Deutschland auf sich aufmerksam.

In den Sechzigerjahren hatte Pierre Brice in zahlreichen Kinofilmen den "Winnetou" gespielt. Der im Juni verstorbene Brice wurde dadurch für viele Deutsche zum Inbegriff des Indianers. Noch heute werden die Filme gern im Fernsehen wiederholt und sind auch jüngeren Generationen bekannt.

vks/dpa/AFP



insgesamt 86 Beiträge
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hapebo 23.12.2015
1. Oh weh!
Ach ist das alles traurig,man gönnt uns nicht einmal mehr die Indianer.
Freifrau von Hase 23.12.2015
2.
das wird so ein Flop mit Ansage....:-)
klyton68 23.12.2015
3. wenn nicht Winnetou
dann vielleicht Losetou?
christian simons 23.12.2015
4.
Diese richterliche Entscheidung ist aus zwei Gründen höchst seltsam: 1. Die urhebliche Schutzfrist der Werke Mays ist bereits seit 1963 abgelaufen, und somit dürfte der Verlag in Bamberg auch bezüglich Neuinterpretationen keine juristischen Anprüche mehr anmelden können. 2. Mit dem Argument der fehlenden Werktreue müsste man auch den Kinoschmonzetten der Sechziger die Benutzung der Titel verbieten.
spon-facebook-10000026491 23.12.2015
5. man muss ja fast dankbar sein, dass pierre brice selig ...
... bereits in die ewigen jagdgründe eingegangen ist und diesen driss nicht mehr erleben muss ... von old shatterhand mal ganz zu schweigen: welches casting-genie hatte die abgedrehte idee, den talentbefreiten möhring als nachfolger des göttlichen lex barker zu besetzen ?!
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