Show-Gehilfe von Rudi Carrell: Fernsehlegende Heinz Eckner ist tot

Als Sidekick von Rudi Carrell in der Rolle des "lustigen Dicken" gehörte er zu den prägenden Figuren der frühen deutschen TV-Geschichte. Jetzt ist der Schauspieler und Komiker Heinz Eckner im Alter vom 87 Jahren verstorben.

Eckner in der ARD-Show "Am laufenden Band" (1978): Halt einfach der "lustige Dicke" Zur Großansicht
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Eckner in der ARD-Show "Am laufenden Band" (1978): Halt einfach der "lustige Dicke"

Hamburg - Fünf Kalbshaxen musste er vertilgen, erst dann bekam Heinz Eckner den Job seines Lebens angeboten - so erinnerte er sich Mitte der Siebziger in einem Interview mit dem "Hamburger Abendblatt". Bei einem gemeinsamen Essen mit Rudi Carrell habe ihn der niederländische Entertainer nach diesem doch recht stattlichen Imbiss gefragt, ob er nicht dessen Show-Partner werden wolle. Eckner wollte. Und so wurde der beleibte Komödiant dem bundesdeutschen TV-Publikum zunächst als Assistent in der "Rudi Carrell Show" bekannt - und allerspätestens mit dem Nachfolger "Am laufenden Band" im Ersten wurde er auch berühmt.

"Es war Liebe auf den ersten Blick", sagte Eckner damals in demselben Interview über jene ebenso schicksals- wie kalorienreiche Begegnung mit Carrell im Sommer 1968, die den Grundstein für seine TV-Karriere legte. Bis Ende 1979 standen die zwei in den beiden Erfolgs-Formaten vor der Kamera. Carrell gab mit schlitzohrigem Witz das Tempo vor und umgarnte mit seinem Charme das Publikum, Eckner agierte an seiner Seite als gutmütiger, etwas tumber, aber oft genug auch selbstironischer Sidekick - und zwar lange bevor es das Modell Oliver Pocher oder Manuel Andrack gab; er war halt einfach der "lustige Dicke".

Der in Dresden geborene Komödiant strebte laut eigener Aussage schon im Alter von 14 Jahren ins Rampenlicht, nachdem er bei einer Schüleraufführung mitgespielt hatte. Doch das Wort des Vaters stand dem entgegen - der habe ihm gesagt: "Komm, lerne etwas Vernünftiges". Der junge Heinz musste also erst mal in die Lehre, eine Ausbildung im soliden Elektro-Handwerk stand dem Erfolg im schillernden Showgeschäft zunächst im Weg.

Auftritte in Kurorten und bei Betriebsfesten

Dennoch gab Eckner schon während des Zweiten Weltkriegs "bunte Abende", als "Sketch-Offizier", wie er Mitte der Neunziger dem "Tagesspiegel" erzählte - seine Ausbildung zum Operettenbuffo lief nebenher. Erst nach dem Zusammenbruch Hitler-Deutschlands gab er jedoch seiner Neigung endgültig nach, bewarb sich bei Bühnen in Berlin, Hamburg und Hannover, und wechselte, nach einigen Operetten-Engagements, schließlich ins ganz leichte Unterhaltungsfach: Er versuchte sich als Conferencier, Komiker und Sänger.

Wie und in welchem Moment genau seine Fernsehkarriere begonnen hatte, in diesem Punkt variierte Eckners Erzählung übrigens dann doch in Nuancen: In einer anderen Version habe er Carrell in der Kantine von Radio Bremen getroffen. "Ich sitze in der Kantine und bin am Frühstücken. Geht die Tür auf, kommt Carrell rein, guckt mich an und sagt 'Hast du Lust, bei mir mitzumachen?'" Ob Eckner zum Frühstück tatsächlich eingangs erwähnte fünf Kalbshaxen gegessen hatte?

Egal. Eckner war jedenfalls an Bord. Die Arbeit an der Humor-Basis vernachlässigte Carrells Kärrner jedoch trotz seines Ruhms nicht: Selbst auf dem Höhepunkt des Erfolgs tingelte er, soweit es seine TV-Arbeit erlaubte, noch nebenbei durch bundesdeutsche Kurorte oder zündete auf Betriebsfesten oder Feuerwehrfesten sein gemütliches Gag-Feuerwerk, das zur Unterhaltungsgeschichte der alten Bundesrepublik gehört, wie Hans Rosenthals "Dalli Dalli" oder Hans-Joachim Kuhlenkampffs "Einer wird gewinnen".

Zwischen 1981 und 1983 bekam Eckner dann für mehr als 30 Folgen sein eigenes Format im ZDF, Regie bei "Ein Wort aus Musik" führte Hans Rosenthal. In der Musik- und Sketch-Quizshow sollten Lieder ein Lösungswort ergeben, das die Zuschauer einschicken sollten - Hunderttausende machten mit. Zudem übernahm Eckner - meist kleinere - Parts in Fernsehserien wie "Derrick" oder "Die Schwarzwaldklinik". Als sich seine Karriere dem Ende näherte und ihm wohl auch das Alter eine Lebensbilanz aufzwang, schaute er übrigens nicht mehr mit der rosaroten Brille auf seinen ehemaligen Showpartner: "Von Carrell höre ich überhaupt nichts. Der kennt nur sich", sagte er 1995. Als Carrell jedoch schwer an Krebs erkrankte, zeigte sich Eckner 2006 in einem in der "Bild" veröffentlichten Brief versöhnlich.

Zuletzt lebte Eckner, so berichtet es die "Bild"-Zeitung, zurückgezogen in einem Pflegeheim. Seine große Zeit lag schon lange zurück, die vergangenen Jahre plagten ihn immer wieder verschiedene, schwere gesundheitliche Probleme, die in immer knapper werdenden Meldungen von den Boulevardblättern registriert wurden. Nun ist er im Alter von 87 Jahren in Achim bei Bremen gestorben, wie sein Sohn dem Sender Radio Bremen am Freitag bestätigte.

tdo/dpa/dapd

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Mehr als ein Sidekick
janeinistrichtig 01.06.2012
Ich muss konstatieren, dass ich den Namen, ohne den Artikel zu lesen, sogleich einordnen konnte. Generation Pril-Blume. Ein ordentliches Alter hat er erreicht, womöglich eine neuerzeitliche Ausformung seines Talents ("Mensch Markus") interessiert wahrgenommen. Manchmal sind die Zweiten nicht die Ersten.
2. RIF-Heinz
Xangod 01.06.2012
Oh, wie fand ich Ihn bei Rudi Carell am Samstagabend immer klasse. Solche Allerweltstypen wie Ihn wird es zukünftig im Fernsehen nicht mehr geben. Heinz-Eckners werden nie das Ergebnis eines Castings sein, sondern halt Lanz', Pilawas und Pflaumes. Schade!
3. optional
Delphianer 01.06.2012
"Isse's 'n Braun?"
4. R.i.p.
horstma 01.06.2012
Carrell und Eckner sind die ersten Gestalten, an die ich mich erinnere, als mein Vater einen uralten Schwarzweiß-Röhrenfernseher in unserem damaligen Wohnzimmer aufstellte. Komischerweise fand ich Eckner damals schon sympathischer als Carrell. Mit Eckners Tod ist ein weiterer kleiner Baustein aus meiner Kindheit weggebrochen. Damit musste man rechnen. Aber daß SPON nicht weiß, wie man "Carrell" schreibt, ist schon der Gipfel. Ich, als unbedeutender Forumschreiber, sehe lieber einmal vorher nach, bevor ich hier Mist schreibe. Bei SPON scheint man das sehr locker zu sehen.
5. Gute Ruh!
tradtke 01.06.2012
Ein schönes Alter hat er erreicht. Schade, dass die nachlassende Gesundheit ein manchmal so quälender Preis dafür ist. Ich werde ihn als sympathischen Menschen gerne in Erinnerung behalten.
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