Marvel-Serie "Runaways" Deine Eltern? Alles Superschurken!

Marvels "Runaways"-Heftreihe lässt Teenager mit Superkräften gegen ihre schurkischen Eltern antreten. Zum Glück bleibt die TV-Serie dem rebellischen Herzen des populären Comics treu.

Marvel/ ABC Studios/ Syfy

Die besten Superhelden-Comics sind immer Außenseitergeschichten. Gerade dieser Umstand macht sie attraktiv für Leserinnen und Leser, die sich ebenfalls allein und missverstanden fühlen. Also für so ziemlich alle Heranwachsenden. Mit "Runaways" präsentierten Autor Brian K. Vaughan (Schöpfer von "Saga" und "Paper Girls") und Zeichner Adrian Alphona 2003 die hochgradig pubertierende Vollendung dieses Prinzips: Selbst noch Teenager, müssen sich sechs schicksalhaft zusammengeworfene Heldinnen und Helden im Marvel-Universum gegen die denkbar schlimmsten Feinde behaupten - ihre eigenen Eltern.

Virtuos und knallbunt verband die Heftreihe Coming-of-Age-Drama mit Superhelden-Satire. Als Kritikerlieblinge fanden die "Runaways" in ihrer überschaubaren Publikationsgeschichte - zu der auch Joss Whedon ("Buffy") eine Story beisteuerte - mit ebenso viel Witz wie Gefühl zu einer eigenen Stimme und eingeschworenen Fans.

Nicht zuletzt die werden nun sehr genau hinsehen, ob die nun beim deutschen Pay-Sender SyFy startende TV-Adaption den eigentümlichen Geist des Comics einfangen kann. Um das Wesentliche gleich vorwegzunehmen: Die Serie macht die "Runaways" etwas älter, wandelt ihre Biografien punktuell ab und inszeniert die Welt um sie herum deutlich kühler, eleganter und weniger farbenfroh. Aber das rebellische Herz der Original-Heftreihe ist geblieben, genauso wie der genmanipulierte Dinosaurier Old Lace als zähnefletschendes, aber treusorgendes Maskottchen des Teams.

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TV-Serie "Runaways": Pubertierende mit Power

Auch die Ausgangssituation ist weitgehend vertraut: Im heutigen Los Angeles besuchen Alex, Nico, Karolina, Chase, Gert und Molly gemeinsam die Highschool. Alle stammen aus privilegierten Familien, die als Erfinder, Mediziner, Wissenschaftler, Internetpioniere, Bauunternehmer oder auch Kirchengründer zu Wohlstand gelangt sind. Ihre erfolgreichen Eltern haben sich als Mäzene zur Wohltätigkeitsorganisation Pride zusammengeschlossen, was auch der Grund ist, warum die ihren Persönlichkeiten nach äußerst ungleichen Teenager überhaupt miteinander verkehren.

Jegliche Animositäten weichen jedoch kollektivem Entsetzen, als die Jugendlichen zufällig hinter die Fassade von Pride blicken: Denn augenscheinlich sind Ihre Eltern mitnichten uneigennützige Wohltäter, sondern ein Geheimbund mit Draht zu unbekannten Mächten und Hang zu Ritualmord.

Katz-und-Maus-Spiel

In den Comics gehen die Teenager quasi sofort nach dieser Entdeckung auf die Flucht, doch in der Serie verbeiben sie vorerst in der fragwürdigen Obhut der Eltern. Die ahnen zunächst nicht, dass ihnen der eigene Nachwuchs auf die Schliche gekommen ist, und aus diesem innerfamiliären Katz-und-Maus-Spiel zieht die Serie einen Großteil ihrer Spannung. So widmet sich die gesamte erste Staffel ausführlich dem schwierigen Werden der "Runaways", während die Vorlage dank ihres rasanten Kolportage-Stils für das Teambuilding weit weniger Zeit brauchte.

Der längere Erzählatem hat durchaus Vorteile, denn nicht nur werden die individuellen Ängste und Sehnsüchte der Teenager detailliert herausgearbeitet, auch die erwachsenen Gegenspieler gewinnen mehr Profil. Der Comic, unlängst von Marvel in einer neuen Heftreihe von Jugendbuch-Autorin Rainbow Rowell wiederbelebt, zog seinen Reiz aus der buchstäblichen Bestätigung der kindlichen Behauptung, dass die eigenen Eltern total böse sind. Die TV-Serie hingegen zeichnet ein differenzierteres Bild der Pride-Mitglieder, die mit ihren nach und nach offenbarten Konflikten und Selbstzweifeln zwar nicht sympathisch, aber immerhin mehr menschlich als nur monströs erscheinen.

Die uneingeschränkte Zuneigung des Zuschauers gehört jedoch den jungen Figuren, für die ein gefährlicher Selbstfindungstrip beginnt. Dabei entdecken sie nicht nur Überraschendes über ihre jeweilige Herkunft und bisher verborgene Fähigkeiten, sie müssen auch die nicht minder dramatischen Herausforderungen der Adoleszenz bewältigen. Das Gespür für jugendliche Nöte war ein Alleinstellungsmerkmal der Comics, das die Showrunner Josh Schwartz ("The O.C.") und Stephanie Savage ("Gossip Girl") überzeugend für ihre Serie übernehmen.

Zwischen Liebeskummer und drohendem Weltuntergang bleibt daher viel Stoff für die schon angekündigte Fortsetzung. Vielleicht treten die "Runaways" dann ja auch mal prominenteren Kollegen aufs Cape, ganz im Sinne ihres berechtigten Zweifels an erwachsenen Autoritäten. Im Feld der vermeintlich großen Marvel-Helden sind sie jedenfalls schon jetzt ein willkommener Ausreißer.


"Runaways": Ab 9. Mai auf SyFy (USA: Hulu)

insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
Onkel Drops 09.05.2018
1. spin off aus dem marvel disneyversum
Nö danke, es gibt genug gute Superhelden Serien. für jugendliche? kein Problem - misfits ! kultige Charaktere und weil britisch auch eurotauglich! erleben sie Ewan Rheon/ Ramsay Bolton (GoT)mal schüchtern ängstlich oder als Held der Liebe mit seinen Kollegen beim ableisten der Sozialstunden. frech ,spritzig und mal was anderes. Sendezeit war mal beim ZDF nachts wo keiner es entdeckt... halt nix für Doppelherzwerbungskundschaft und zu Zeiten wo Jugendliche schlafen. Sex drugs und tote Sozialarbeiter , als Superheld ist es nicht einfach. der einzige Lichtblick bei Marvel sind die neuen Helden. ich unterstütze den pink Deadpool bei seiner Aktion -fuck cancer- , die andern sind mir egal!!!
cosmose 09.05.2018
2.
Zitat von Onkel DropsNö danke, es gibt genug gute Superhelden Serien. für jugendliche? kein Problem - misfits ! kultige Charaktere und weil britisch auch eurotauglich! erleben sie Ewan Rheon/ Ramsay Bolton (GoT)mal schüchtern ängstlich oder als Held der Liebe mit seinen Kollegen beim ableisten der Sozialstunden. frech ,spritzig und mal was anderes. Sendezeit war mal beim ZDF nachts wo keiner es entdeckt... halt nix für Doppelherzwerbungskundschaft und zu Zeiten wo Jugendliche schlafen. Sex drugs und tote Sozialarbeiter , als Superheld ist es nicht einfach. der einzige Lichtblick bei Marvel sind die neuen Helden. ich unterstütze den pink Deadpool bei seiner Aktion -fuck cancer- , die andern sind mir egal!!!
Misfits war zumindest 3 Staffeln richtig gut, die letzten beiden fand ich eher mittelmäßig... Trotzdem würde ich mir Runaways sicher auch mal ansehen. Allerdings zahle ich schon für Netflix und Amazon Prime. Ich hole mir jetzt nicht noch einen dritten Anbieter ins Haus..
Yui 14.06.2018
3. Meine 1. Marvelserie ---
--- die mich sofort gefesselt hat und ich die neue Episode immer kaum erwarten kann. Ich LIEBE die Ausreißer und hoffe das die 2. Season gaaanz schnell dann folgt
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