S.P.O.N. - Helden der Gegenwart Adieu, haariges Biest!

Er steht in der Ecke und trinkt Softie-Getränke. Alle hacken auf dem Mann um die 30 herum. Warum eigentlich? Ist doch toll, dass er eine Frau nicht behandelt wie einen 12er-Schlüssel aus der Werkzeugkiste. Dank an die, die ihn geschaffen haben: die Mütter. Stoßen wir mit Grapefruit-Bier auf sie an!

Von Silke Burmester


Liebe Mütter der um die 30-Jährigen,

gerade wird eine neue arme Sau durchs Dorf getrieben: der moderne Mann. Der Vorwurf an den 30-Jährigen lautet, er sei zu weich, zu unentschlossen, zu fragend. Vertreter der betroffenen Spezies räumen Übereinstimmungen mit dem Vorwurf ein und weisen darauf hin, dass die Frauen der entsprechenden Generation auch nicht ohne Fehl und Tadel seien, was in dem (unausgesprochenen) Vorwurf mündet, bei so dominanten Weibern kann man ja sowieso keinen mehr hochkriegen.

Und während die beiden Parteien sich aktuell über die Leitmedien dieses Landes total verständnisvoll aussprechen, stehen die Schirrmachers und Matusseks dieser Republik sicherlich schon in den Startlöchern, um das Ganze weiterzudrehen, indem sie die Schuldigen an dieser Misere benennen: die Mütter. Wen sonst.

Das Kind zu dick, das Kind magersüchtig, depressiv, schlecht in der Schule, zu viel vorm Computer - schuld sind immer die Mütter, so oder so, das kann man drehen und wenden, wie man will.

Doch nicht für mich! Für mich, liebe Mütter der um die 30-Jährigen, seid Ihr die Heldinnen in dieser Geschichte. Denn der Macker ist - von fremden Kulturen in diesem Land und Michael Ammer einmal abgesehen - so gut wie verschwunden. Allenfalls in Folge genetischen Aufbäumens versucht noch das ein oder andere Objekt mit Sprüchen wie "Hey, Babe!" sein Glück.

Mann, mach mal den Mund auf!

Dank Eures Einsatzes, liebe Mütter, habt Ihr uns eine Gesellschaft beschert, in der der junge Mann als freundliches Wesen gilt, als empathiefähig und sensibel und nicht länger - wie es in dem Film "Manche mögen's heiß" heißt - als "schreckliches, haariges Biest".

Gut, an manchen Stellen ist die Entwicklung über das Ziel hinausgeschossen - sicherlich hatte keine von Euch gewollt, dass ein Mann am Ende etwas ist, das in Röhrenhosen und mit Schlabbertuch in der Ecke der Bar steht, sich an seinem Grapefruit-Bier festhält und den Mund nicht aufbekommt. Oder auch, dass die jungen Frauen meinen, Männer seien nur noch zum Bestäuben gut, sonst aber nicht zu gebrauchen. Aber das sind Schrauben, an denen kann man drehen, das lässt sich über die Feinjustierung hinbekommen.

Nein, viel wichtiger ist doch, dass Euch genau das gelungen ist, was man den Herren jetzt zum Nachteil auslegen möchte: dass aus schrecklichen, haarigen Biestern Menschen männlichen Geschlechts geworden sind, die fähig und willens sind zu reflektieren. Die sich und ihr Handeln in Frage stellen, anstatt sich als gottgegebenes Geschenk zu wähnen, an dem es nichts auszusetzen gibt. Männer, die starke Frauen aushalten und wissen, dass ein weibliches Wesen anders anzufassen ist, als wenn man im Werkzeugkasten den 12er-Schlüssel sucht.

Wo sind all die Macker hin?

Nun mögen die jungen Frauen - Eure Töchter - sagen, diese Röhrenheinis seien nicht männlich genug. Es fehle die breite Brust, und ein wenig Mackertum ist doch eigentlich ganz schön. Dass sie überhaupt in der Lage sind, dies sagen zu können, geht gleichfalls auf Euer Konto, denn Ihr habt nicht nur die Jungs auf einen guten Weg gebracht, sondern auch die Mädels. Noch nie gab es eine Generation Frauen, die so selbstbewusst war. Die so autonom und unabhängig dasteht und die Möglichkeiten hat, sich aus der Macht des Patriarchats zu befreien und eine neue, eine gleichberechtigte Gesellschaft zu formen. Nicht zuletzt, weil die Wirtschaft nicht länger auf Sozialkompetenz und beste Abschlüsse verzichten kann.

Dass die Frauen dort angekommen sind, ist vor allem Euer Verdienst. Weil Ihr allen Unternehmungen zum Trotz, das Wort "Feminismus" zum Schimpfwort zu wandeln, an das Ziel geglaubt habt, diese Gesellschaft verändern zu können. Indem Ihr Eure Kinder anders erzogen habt, als Ihr selbst erzogen worden seid.

Zugegeben, wir müssen an die Schwachstellen noch mal ran: also die Jungs ein wenig zurückpfeifen und sie eine Balance zwischen Reflexionsvermögen und Männlichkeit finden lassen und den Mädels mitgeben, dass das Leben kein Hollywood-Film ist, kein Traum, in dem alles möglich ist. Und vor allem, dass eine breite Männerbrust die Ergänzung zur weiblichen Autonomie sein kann, nicht aber die Alternative.

1988 hat die Politikwissenschaftlerin und Autorin Katja Leyrer in ihrem Buch "Hilfe! Mein Sohn wird ein Macker" die damalige Jungengeneration betreffend folgende Bedenken geäußert: "Ob sich bei ihnen schon ein Unterschied zeigen wird zu den Männern, mit denen wir uns heute abplagen, wage ich zu bezweifeln." Das ist 24 Jahre her. Die damals Sechsjährigen sind heute 30. Hat doch bestens geklappt!, möchte ich Katja Leyrer und Euch, den Müttern ihrer Generation, sagen. Ihr könnt wirklich zufrieden sein!

Bleibt nur die Frage, was aus den Männern geworden ist, mit denen Ihr Euch damals abgeplagt habt. Wahrscheinlich laufen die heute nach drei gescheiterten Ehen frei herum. Und organisieren sich im Männerforum "Breite Brust".

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 246 Beiträge
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Seite 1
meinmein 22.01.2012
1.
---Zitat--- Bleibt nur die Frage, was aus den Männern geworden ist, mit denen Ihr Euch damals abgeplagt habt. Wahrscheinlich laufen die heute nach drei gescheiterten Ehen frei herum. Und organisieren sich im Männerforum "Breite Brust". Der moderne Mann: Adieu, haariges Biest! - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur (http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,810406,00.html) ---Zitatende--- Gut erkannt! Meine Töchter sind 30 und selbstbewußt und ich laufe frei herum nach 2 gescheiterten Ehen und will von Frauen nichts mehr wissen. Beim Forum genügt mir dies hier. Weil mit anderen Männern jammern brauch ich auch nicht mehr. Der Zug ist abgefahren.
Pupsie 22.01.2012
2. .....
Zitat von sysopEr*steht in der Ecke und trinkt Softie-Getränke. Alle hacken auf dem Mann um die 30 herum. Warum eigentlich? Ist doch toll, dass*er eine Frau nicht behandelt wie einen 12er-Schlüssel aus der Werkzeugkiste. Dank an die, die*ihn geschaffen haben: die Mütter. Stoßen wir mit Grapefruit-Bier auf sie an! S.P.O.N. - Helden der Gegenwart: Adieu, haariges Biest! - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur (http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,810406,00.html)
Faszinierend, dass Männer um die 30 noch von ihren Müttern erzogen werden. Darf ich Ihren Planeten auch mal besuchen, Frau Burmester? Ich mag es immer wieder mit anschauen, wie Frauen versuchen Männer zu ändern. Sie selbst wollen aber immer so bleiben, wie sie sind .......
kleinbürger 22.01.2012
3. frei
"Bleibt nur die Frage, was aus den Männern geworden ist, mit denen Ihr Euch damals abgeplagt habt. Wahrscheinlich laufen die heute nach drei gescheiterten Ehen frei herum". endlich frei ! nicht die schlechteste aller welten.
vielosof 22.01.2012
4. Der Abbau der Männlichkeit ist weitgehend geglückt.
Wieder einmal ein vor weiblicher Selbstgerechtigkeit und Egozentrik strotzender Artikel einer Feministin. Der Mann darf seine Identität natürlich nicht aus sich selbst wählen, sondern seine Daseinsberechtigung soll sich allein aus dem NUTZEN für die Frauen schöpfen. Wer Frauen kennt, weiß aber, dass diese NIEMALS zufrieden sind. So auch die Kolumnistin. Endlich hat man die Männer kleingekriegt, wobei die feministischen Forderungen immer schön mit dem Deckmantel der "sozialen Teilhabe" für Frauen begründet wurden. Nun aber ist Frau mit dem Ergebnis des sozial kastrierten Weicheis auch nicht ganz zufrieden. Störungen aus dieser Entwicklung meint Frau naiv-sozialingenieurstechnisch wieder zurechtbiegen zu können: "Gut, an manchen Stellen ist die Entwicklung über das Ziel hinausgeschossen - sicherlich hatte keine von Euch gewollt, dass ein Mann am Ende etwas ist, das in Röhrenhosen und mit Schlabbertuch in der Ecke der Bar steht, sich an seinem Grapefruit-Bier festhält und den Mund nicht aufbekommt. Oder auch, dass die jungen Frauen meinen, Männer seien nur noch zum Bestäuben gut, sonst aber nicht zu gebrauchen. Aber das sind Schrauben, an denen kann man drehen, das lässt sich über die Feinjustierung hinbekommen. " Ich sehe die Entwicklung ganz anders. Durch die verkrampfte Gleichstellungspolitik, die nunmehr seit 40 Jahren auf der Gesellschaft lastet hat man den Männern, aber auch den Frauen, die die geknickten Typen ertragen müssen irreparablen Schaden zugefügt. Die Männer ließen das bisher über sich ergehen, denn man will es sich ja nicht mit den Frauen verderben und immerhin ging es ja um deren Teilhabe, oder nicht? Nun muss Mann allerdings erleben, dass er dafür, dass er sich zum Lila Pudel hat verbiegen lassen, keine Belohnung bekommt, sondern von den Frauen noch als Schwächling verhöhnt wird. Die Dressur war umsonst. Die einzig logische und richtige Reaktion ist es, sich als Mann weniger nach den Anforderungen der Frauen zu richten, denn diese sind so oder so nie ganz zufrieden mit dem Mann. Es wird eine Wiederbelebung der klassischen, harten, leistungsorientierten Männlichkeit geben, denn der "meterosexuelle Mann" ist ein sowohl undwürdiges als auch lächerliches Modell, dass zudem noch von keiner richtigen Frau geliebt, sondern bestenfalls akkzeptiert wird.
em_core 22.01.2012
5. Wuderbar
Zitat von sysopEr*steht in der Ecke und trinkt Softie-Getränke. Alle hacken auf dem Mann um die 30 herum. Warum eigentlich? Ist doch toll, dass*er eine Frau nicht behandelt wie einen 12er-Schlüssel aus der Werkzeugkiste. Dank an die, die*ihn geschaffen haben: die Mütter. Stoßen wir mit Grapefruit-Bier auf sie an! S.P.O.N. - Helden der Gegenwart: Adieu, haariges Biest! - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur (http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,810406,00.html)
Danke. (Alleinerziehender Vater)
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