Sabine Postel über "Tatort"-Experimente "Das war alles nicht meins"

Im Frühjahr scheidet sie aus dem "Tatort" aus, jetzt kritisiert Sabine Postel in einem Interview Teile der Krimi-Experimente der letzten Zeit. Auch Kommissare, die wie Abiturienten aussehen, findet sie fraglich.

Radio Bremen/ Manju Sawhney

Nach 22 Jahren als "Tatort"-Kommissarin zieht Sabine Postel kurz vor dem eigenen Dienstaustritt Anfang nächsten Jahres ein gemischtes Fazit. Der TV-Illustrierten "Auf einen Blick" sagte sie in einem Interview: "Mit den Experimenten der letzten Jahre konnte ich nichts anfangen. Das war alles nicht meins."

Zwar seien Experimente grundsätzlich immer gut, so die 64-Jährige, und der "Tatort" sei auch immer innovativ gewesen. "Aber Improvisation ist in diesem Format schwierig, selbst mit gestandenen Schauspielern - und mit Laien finde ich das grenzüberschreitend." Damit spielt sie auf die "Tatort"-Episoden "Babbeldasch" und "Waldlust" von Axel Ranisch an, der seinen Impro-Ansatz mit mäßigem Erfolg in der Krimireihe ausprobierte.

Gleichzeitig lobte die Schauspielerin im Interview den Mut der "Tatort"-Redaktion von Radio Bremen, wo sie als Kommissarin Inga Lürsen ermittelte: "Die Zeit in Bremen hat mir großen Spaß gemacht. Sonst wäre ich nicht so lange dabei geblieben. Die Bremer 'Tatorte' zeichnen sich dadurch aus, außergewöhnliche, auch gesellschaftlich brisante Themen anzupacken und das gefiel mir immer sehr gut."

Radio Bremen ist bekannt für besonders risikofreudige "Tatorte". Es gab ein klassisches B-Movie über ein hochgerüstetes Auto, einen Cyber- und Öko-Thriller, und in der "Tatort"-Folge am 28. Oktober bekommt Postels Kommissarin es gar mit einer Vampirfrau zu tun.

Kritik an immer jüngeren Kommissaren

In dem Interview kritisiert Sabine Postel auch den Trend zu immer jüngeren Kommissaren: "Das Publikum der Öffentlich-Rechtlichen ist ja schließlich keine 20 Jahre alt." Diese Zuschauer wollten keinen Ermittler sehen, der aussieht, als habe er gerade sein Abitur gemacht.

Auch die Ermittlerflut mit zur Zeit 22 Teams sei problematisch. "Heute will offenbar fast jede Stadt ein Ermittlerpaar haben." Der letzte "Tatort" mit Sabine Postel wird voraussichtlich im kommenden Frühjahr ausgestrahlt.

kae/AFP/dpa

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molli55 19.10.2018
1. Als Bremer
schaue ich hin und wieder einen Tatort, aber niemals einen aus Bremen...handbüchen und nur peinlich.
hansvonderwelt 19.10.2018
2. Wer Recht hat der hat recht.
Tatorte sehe ich seit vielen Jahren nicht mehr.Lächerliche blöde Handlungen,Kommisare in den Zwanzigern.Erinnere mich mit Freunde an die Personen "Finke,Trimmel,Stöver und Brinkmann u.a.! Keine Figuren aus dem Kindergarten,keine unglaubwürdigen Kasperl.Sondern Tatorte nicht ganz fern der Realität.Inzwischen sehe ich nur die guten,hart und realistischen Amerikanischen Dokus bei den Privaten.Zwar mit Werbung,aber die Pausen nutze ich.....!
triple-x 19.10.2018
3. Ja, so ist es!
Gearde diese pseudowitzigen Tatorte des mdr gehen einem sowas auf die Nerven. Da wird das münsteraner Pferd zu Tode geritten - zumal sich das Blabla der Herren auch schon lange abgenutzt hat. Ich sehe mir nur noch die Kölner, Münchner und Wiener Tatorte an, hin und wieder auch welche aus Frankfurt, Bremen und Kiel. Und den Polizeiruf. Alles andere kann man in den meisten Fällen komplett vergessen. Die inflationäre Entwicklung mit x Standorten und dazu noch für jedes Winzkaff im ZDF einen eigene SoKo - das hält kein halbwegs intelligenter Mensch mehr aus.
Grisu09 19.10.2018
4. Tatort ist konkurrenzlos...
schlecht geworden. Bei uns ist das Format komplett gestrichen. Neben dem bereits gesagten, muß man neuerdings sehr schnellen Untertiteln folgen, Fantasygelüsten einiger Autoren folgen oder mit mindestens 20 Toten, Massakrierten und Vergewaltigten dem US Format folgen. Das mögen weder Jugendliche, Mittelalte und Senioren. Nur weil das ZDF, geschweige denn RTL und Co. kein Alternativprogramm bietet, schafft der Tatort noch (kleine) Quote.
hman2 19.10.2018
5.
Zitat von hansvonderweltTatorte sehe ich seit vielen Jahren nicht mehr.Lächerliche blöde Handlungen,Kommisare in den Zwanzigern.Erinnere mich mit Freunde an die Personen "Finke,Trimmel,Stöver und Brinkmann u.a.! Keine Figuren aus dem Kindergarten,keine unglaubwürdigen Kasperl.Sondern Tatorte nicht ganz fern der Realität.Inzwischen sehe ich nur die guten,hart und realistischen Amerikanischen Dokus bei den Privaten.Zwar mit Werbung,aber die Pausen nutze ich.....!
Interessant finde ich, dass Georges Schimanski, obwohl total unrealistish, authentisch rüberkam. Da gab es sogar mal einen Spiegel-Artikel über echte Komissare aus dem Ruhrgebiet, die Schimanski einfach mochten, obwohl "das so überhaupt nicht drin wäre", also die Vorschriftswidrigkeiten. Aber es wirkte eben in sich stimmig, aus einem Guss, PASSEND. Das geht heute ab. Wenn ich mir dagegen Nuschel-Til Schweiger ansehe... Oder die unsägliche Folge "im Schmerz geboren" die nur durch grundlose grenzenlos überzogene Gewalt und Plotlöcher aufgefallen ist... Zum Fremdschämen.
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