Miet-Talk bei "Maischberger" Kuddelmuddel im Quadrat

Ein Bauunternehmer, eine Anwältin, eine Mieterin und weitere Experten - eigentlich war die Ausgangslage beim Maischberger-Talk zum Thema Wohnen vielversprechend. Trotzdem lief einiges schief.

Sandra Maischberger (Mitte) mit ihren Gästen
WDR/ Dirk Borm

Sandra Maischberger (Mitte) mit ihren Gästen

Von Klaus Raab


Es geht zu wie bei einer Wohnungsbesichtigung in einer Großstadt. Den üblichen Kleinbus voller Leute hat die Redaktion von "Maischberger" eingeladen, um diesmal über "die Mietenexplosion" zu reden: "Wird Wohnen unbezahlbar?" lautet die Frage.

Das Problem ist: Ihre Gäste reden meistens entweder durcheinander oder gerade über etwas anderes als die anderen, oder sie reden lange gar nicht. Erst sagt der Baustadtrat des Berliner Bezirks Kreuzberg-Friedrichshain lange nichts, dann sagt die wegsanierte Altmieterin aus München noch länger noch weniger. Und Sandra Maischberger? Fasst die Erzählungen zwischendurch zutreffend mit dem Wort "Kuddelmuddel" zusammen.

Die Repräsentantin des Abends: Die Rentnerin Karin Jünke, die aus ihrer Schwabinger Mietwohnung nach knapp 70 Jahren ausziehen musste, ist als die Repräsentantin einer ganzen Sorgengemeinschaft von Mietern eingeladen, die Angst vor der kommenden Hausmodernisierung haben. Bei der Einordnung ihrer Geschichte hilft die Rechtsanwältin Anja Franz vom Mieterverein: neue Fenster, neue Treppe, neuer Aufzug, neue Heizung und zu guter Letzt dann völlig neue Mietkosten und der Umzug an den Stadtrand. Nein, sagt Franz: Das ist kein Einzelfall.

Die Pärchenbildung des Abends: Die sechs Gäste bilden grob drei Pärchen. Franz und Jünke sind das erste. Das zweite sind Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, die für die SPD deren neuen "Zwölf-Punkte-Plan" für den Wohnungsmarkt und die vereinbarte Verschärfung der existierenden Mietpreisbremse vertritt, und die Wirtschaftsjournalistin Ursula Weidenfeld, die findet, dass man die meisten der Punkte vergessen kann. Und die auch an die Mietpreisbremse nicht glaube, wie sie sagt: Das sei ein "Instrument, das nicht funktioniert", und nun werde halt noch einer draufgesetzt.

Das dritte Pärchen bilden der Bauunternehmer Christoph Gröner und der Baustadtrat des Berliner Bezirks Kreuzberg-Friedrichshain, Florian Schmidt von den Grünen, der ein paar radikalere Ideen hat. Sein bester Satz: "Enteignung ist ein unerkundeter Rechtsbereich." Gemeint ist: Das kann sich ändern.

Die habituellen Unterschiede des Abends: Dass Gröner und Schmidt abends nicht zusammen an der Currywurstbude abhängen dürften, ahnt man auf den ersten Blick. Maischberger kostet das aus und nennt sie schon in der Anmoderation "Kontrahenten". Der eine fliege Privatjet, der andere fahre U-Bahn. Der eine wohne in Berlin, Köln und an der Côte d'Azur; der andere mit Frau und Kindern in einer 65-Quadratmeterwohnung. Ach Gottchen, ja. Und unterschiedliche Schuhe haben sie auch noch an.

Das Kuddelmuddel des Abends: Tatsächlich sind sich die beiden schon persönlich in die Quere gekommen: Gröner hat ein Berliner Hochhaus erworben, die Kommune ist mittlerweile aber nicht mehr einverstanden mit seinen Bauplänen. Die Details, die beide auftischen, sind kompliziert. Man bräuchte eigentlich einen einordnenden Film der Redaktion dafür - oder ein ausführliches Zweiergespräch, das aber nicht stattfinden kann, weil ja eben ein ganzer Kleinbus voller Gäste da sein muss. Also bleibt es bei "Kuddelmuddel" (Maischberger) und der Erkenntnis: Ja, Schmidt ("Das ist ein Weltbild, das ich nicht teile") und Gröner ("Die Politik ist ideenlos") tragen wirklich äußerst unterschiedliche Schuhe.

Wobei den beiden das plakative Talk-Kontrahenten-Dasein nicht rundum zu behagen scheint. "Der Spekulant ist unser gemeinsamer Feind", sagt Gröner, der sich eingangs auch demonstrativ auf die Seite von Mieterin Karin Jünke geschlagen hat: Ihr sei "eine schlimme Art von Spekulation" begegnet. Und Schmidt sagt irgendwann: "Wir sind doch gar nicht so weit auseinander." Na ja. Sie sitzen halt nebeneinander.

Das Grundsätzliche des Abends: Um einen Mietenstopp für fünf Jahre, wie ihn die SPD vorschlägt, geht es natürlich auch. Außer ein paar Meinungen (gut/ vielleicht gut/ nicht so gut) gibt es so richtig viel Erkenntnis dazu aber nicht. Womöglich ist einfach zu viel Kuddelmuddel in der Diskussion. Malu Dreyers grundsätzliche Einlassungen - "Wir reden nicht über irgendwas, wir reden übers Wohnen", also "etwas sehr Grundsätzliches" - sind allerdings grundsätzlich richtig.

Der Plasberg des Abends: Bei "Hart aber fair" gibt es die berühmte Schlussrunde, in der die Talkgäste noch eine Pointe aus dem Ärmel schütteln sollen. Maischberger kann das auch. Ob Gröner und Schmidt gern mal für einen Tag das Leben des anderen hätten, plasbergt sie zum Schluss. Beide eiern herum, Tendenz: Nö. Ein eleganter Rausschmeißer ist das nicht. Ein Glück, dass die Münchner Rentnerin Karin Jünke noch ungefragt ein Schlusswort raushaut, das man sich sogar auf die Schürze sticken kann: "Geld regiert die Welt."

Im Video: Kampf um die Wohnung - Wenn Mieter raus müssen

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observerlbg 13.09.2018
1. Und was ist die Lösung?
Wieder eine Talkshow ohne Erkenntnisgewinn. Aber wir können ja mal etwas in die Zukunft schauen: gestern hatten wir hier noch einen Bericht über die Rentner der Zukunft, dazu eine Drohung, dass die nächste Finanzkrise kommt, früher oder später. Also, die geburtenstarken Jahrgänge werden verstärkt billigen Wohnraum brauchen, den es nicht gibt. Sie sind Viele, sehr Viele. Haben also einen hohen Stimmenanteil bei Wahlen. Nun werden sie unzufrieden sein, nach 40 Jahren harter Arbeit in ein Plattenbauloch am Rande der Stadt abgeschoben zu werden, ohne ausreichende Infrastruktur, asozialem Milieu ausgesetzt und sich allein überlassen. Was macht nun der nicht hinreichend saturierte Deutsche dann? Er wählt rechts, weit rechts. Noch fragen Frau Nahles, Herr Spahn, Herr Lindner? Gratulation, Frau Weidel, Sie werden einer der Gewinner sein.
spon_3175452 13.09.2018
2. Das ist alles in der Zusammenfassung?
Da war gestern von Enteignung die Rede, und davon alle Privatiers aus dem Wohnungsmarkt raushaben zu wollen. Grüne Sozialismus-Träumereien. Dabei kauft der Grüne Mann selbst mit Steuergeld Wohnungen auf, um dann mit Berlinovo die Mieten zu erhöhen.
YoRequerrosATorres 13.09.2018
3. Exzellente Sendung...
...die zeigte (Stadt gg Bauunternehmer), dass es der einen Seite (Stadt) auf die Ideologie ankommt, der anderen Seite auf die Umsetzung mit dem Gewinn am Ende. Blöderweise zanken sich beide Parteien um dasselbe: ein knappes Gut! Will man also in Berlin wohnen, kann man nur selber kaufen (das kostet aber sehr viel Geld) oder man kann teuer mieten (dann darf man aber nicht schimpfen) oder man bestiehlt andere Eigentümer (als Stadt) und enteignet. Zum eigenen Nutzen. Diebstahl mit Ideologie. Das ist ja eigentlich lustig, wenn man es mit Steuergeld im von anderen finanzierten Berlin betreibt. Ich dachte mir schon immer, dass es eine blöde Idee ist, wenn mein Steuergeld nach Berlin zu einem Ideologen geschubst wird, der damit dann andere ausraubt. Warum kaufen die in Berlin nicht einfach ein paar km² in der schönen Uckermark und bauen dann da für ihr Volk? Bleibt auch genug grüne Lunge drumherum (siehe den unsäglichen Schwachsinn bezogen auf Tempelhof).
Außenstehender 13.09.2018
4. SPD erhöht doch selbst die Miete über die Grundsteuer !
Wenn es der SPD ein Anliegen wäre die Mieten zu senken, dann könnten sie das sofort in Ihren jeweiligen Kommunen tun. Ich erlebe aber wie die SPD über die Grundsteuer die Nebenkosten und damit die Gesamtmiete erhöht. Etwas verlogeneres als die SPD gibt es wohl kaum. Auch Müllgebühren und Wassergebühren könnten sofort gesenkt werden. Daran hat die SPD aber kein Interesse, weil mit den Geldern parteipolitisch passende Verwaltungsbeamte finanziert werden.
e.pudles 13.09.2018
5. Wegzappen
war das beste dass ich gestern Abend tun konnte. Nachdem ich mir 20 Minuten diesen "Kuddelmuddel" angesehen habe, war ich ein mal mehr davon überzeugt, dass diese Talk Shows, egal ob ARD, oder ZDF, weder Informationen, oder gar vernünftige Lösungsvorschläge zum diskutierten Thema bringen. Es wird im Allgemeinen eine gute Stunde lang hin und her diskutiert und die meisten Teilnehmer versuchen sich ins beste Licht zu rücken. Teilnehmer seitens Politik sind eh immer die gleichen Personen und die machen dann schnell noch nebenbei Wahlpropaganda und Wahlkampf. Fazit: Sendungen, welche man Ersatzlos streichen kann.
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