"Maischberger"-Talk zu Trump Starker Mann sucht starke Männer

Sandra Maischbergers Gäste diskutierten über den US-Präsidenten - und waren sich uneins: Stürzt Donald Trump die Welt ins Chaos? Oder bringt er sie mit seinem machtbewussten Durchregieren wieder in Ordnung?

Sandra Maischberger
WDR/ Peter Rigaud

Sandra Maischberger

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In einem Interview mit dem SPIEGEL wurde Theodor W. Adorno einmal mit "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung..." angesprochen. Worauf Adorno trocken erwiderte: "Mir nicht." Moderatorin Sandra Maischberger wollte nun von ihren Gästen wissen: "Stürzt Trump die Welt ins Chaos?" Tja nun.

Barack Obama, so "Welt"-Journalist Alan Posener, sei zwar "nett, kultiviert, anständig" gewesen: "Aber schauen Sie, was er seinem Nachfolger hinterlassen hat!" Gerade im Hinblick auf die aktuelle Eskalation des Nahostkonflikts sei vielerorts der Wunsch nach einem Helden spürbar, der, und sei es nur versehentlich oder aus den falschen Gründen, endlich den Gordischen Knoten zerschlägt.

"Vielleicht brauchen wir jemand, der nicht Hamlet ist", sagt Posener. Einen Helden also, der nicht ständig denke: "Aber was, wenn? Aber was, wenn? Und am Ende sind alle tot." Eine Parallele zwischen der Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem und den Zusammenstößen am Grenzzaun zwischen Israel und Gaza sieht er nicht und weist darauf hin, dass die Hamas den "Marsch der Rückkehr" schon lange geplant hatte.

Ähnlich sieht das auch Sabrina Fritz, langjährige ARD-Korrespondentin und heute Wirtschaftsjournalistin beim SWR. Trump "zieht sehr konsequent durch", was amerikanischen Unternehmen nützt. Sein Handeln erlebe sie als "eine Form von Freiheit" und offenbar als erfrischend: "Er hat mit 25 Jahren diplomatischem Gewürge jetzt aufgehört."

Einig ist sich die Runde durchaus, dass die Verlegung der Botschaft dem Friedensprozess nicht dienlich ist. Einerseits. Andererseits... welcher Friedensprozess? Einzig Jürgen Hardt, CDU-Außenexperte und von 2014 bis 2018 Koordinator für die transatlantische Zusammenarbeit, teilt diese zynische Sicht nicht. Trump mache keine Politik für den Nahen Osten, sondern "in erster Linie für die Küchentische im Mittleren Westen".

RTL-Chefkorrespondentin Antonia Rados liefert die interessanteste Analyse der Lage, und das ist nicht zufällig eine feministische. Wird Trump vor Ort mehr respektiert als Obama? Sehr wohl, meint Rados, er erinnere die Menschen dort "an die starken Männer, die wir im Nahen Osten überall haben", zu denen sie auch den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu zählt. Politiker, "die nur das Prinzip der Stärke anerkennen".

Die palästinensischen Opfer der jüngsten Ausschreitungen, sagt Rados, habe Trump womöglich nicht einmal wahrgenommen. "Schwächlinge" wie die Palästinenser möge er nicht. Wichtiger für den US-Präsidenten: "Es ist kein einziger Israeli umgekommen." Trump sei eben "einer, der sich nur mit starken Männern versteht". Und das könnte problematisch sein.

Es könnte aber auch, mit Blick auf Nordkorea, genau die richtige Strategie sein. Das anfangs so albern erscheinende Fernduell um den "Größeren" (Atomknopf) habe er augenscheinlich für die USA entschieden, gibt Posener zu bedenken. Rados bleibt skeptisch, was diese asiatische Baustelle angeht, und zitiert ein arabisches Sprichwort: "Erfahrene Propheten warten die Ereignisse ab."

Auch Oskar Lafontaine von der Linken will da lieber mal abwarten. "America First" habe noch für alle US-Präsidenten gegolten. Mit Trump sei allerdings ein Element der Unwägbarkeit hinzugekommen. Dessen Praxis, Verträge per Federstrich für nichtig zu erklären, stärke seine Position keineswegs. Wer wolle noch mit Trump verhandeln?

Gerade die Kündigung des Atomabkommens mit Iran hält der Saarländer für "eine Frage von Krieg und Frieden. Das war schon im alten Rom so: Pacta sunt servanda!" Verträge sind also einzuhalten. Dem pflichtet Hardt bei. Der Deal sei "der Spatz in der Hand" gewesen und die Bereitschaft der Mullahs nun mutmaßlich "sehr, sehr gering", auf das Wort des Präsidenten zu vertrauen.

Rados und Fritz hingegen halten den Deal für "überschätzt", Posener sogar für kontraproduktiv. Er zählt auf, wie Iran im Schutz der relativen Ruhe und mithilfe sprudelnder Geldquellen allüberall in der Region "aggressiv expandiert", Libanon, Libyen, Syrien, Jemen. Rados wendet ein, die iranische Gesellschaft sei vielfältig: "Es gibt sehr viele Irans!" Hardt: "Ich spreche von dem Iran, der das Sagen hat!"

Und wo es um "starke Männer" geht, die "das Sagen" haben, ist auch Wladimir Putin nicht weit, der russische Gegenpol zu Trump. Für eine lange Weile wirkt es im TV-Studio, als gehe es um die Frage: "Stürzt Putin die Welt ins Chaos?" Lafontaine würde gerne "in Systemen" denken, sieht hüben wie drüben Oligarchen am Werk und hält den russischen Präsidenten als "bösen Onkel" für überzeichnet.

Gerhard Schröders warmen Händedruck für Putin bei dessen Amtseinführung sieht er als Versuch, sich um ein gutes Verhältnis zu Russland zu bemühen - gerade so, wie es schon "Brandt und Kohl gemacht" haben. Starke Männer, wohin man schaut.

Am Ende ist es an Journalist Posener, das Offensichtliche auszusprechen: "Trump hat die Welt nicht ins Chaos gestürzt. Die Welt war im Chaos." Ob es schlimmer wird, das werden uns nur erfahrene Propheten sagen können.

insgesamt 51 Beiträge
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mustermann76 17.05.2018
1. Jetzt sind wir also auch bei maischberger im Rassismus angekommen
Palästinenser zählen offenbar nicht und wenn sie sterben ist das halt so. Dass derartige Zustände jemals zu stabilen Zuständen führen ist kaum anzunehmen. Ein Hauptproblem in Nahost besteht damit auch darin, dass Israel auf arabische und palästinensische Interessen keine Rücksicht nimmt und auch gar nicht nehmen muss. Sonst gilt bei diesen talkRunden die alte deutsche devise: was die Amis machen kann ja nicht ganz falsch sein. Und am Ende fallen wir auf die Knie und finden es erfrischend weil er die Steuern für reiche gesenkt hat. Peinlich!
ebieberich 17.05.2018
2. Des Deutschen Sucht nach dem starken Mann
Meine Guete, man kann ja von Trump denken was man will, aber diese ewige Sucht des Deutschen nach dem starken Mann ist erschreckend. Vor allen Dingen bei den Frauen scheint das ja gut anzukommen. Findet Trump bestimmt auch. Wieso war die Welt denn im Chaos und jetzt wird alles besser? Die Welt war schon immer ein Balanceakt von Interessen. Die jetzt einseitig und mit Gewalt einzufordern macht ueberhaupt nichts besser. Selbst wenn Trump die Chinesen und Europaer erpresst und das alles nach Staerke ausschauen laesst, die werden das bestimmt richtig gut finden und fuer zukuenftige Kompromisse sofort stramm stehen.
leserandreas 17.05.2018
3. Graustufen
Zwischen höchst volatilem Chaos und betonierter Ordnung liegen viele Graustufen. Ich empfinde die Rückkehr rücksichtsloser, starker Männer (Putin, Erdogan, Trump usw.) als Rückschritt auf dem Weg der Menschheit, sich Kulturwerkzeuge zu erarbeiten, mit denen das Zusammenleben besser gelingt als im Zeitalter der Keulen schwingenden Frühmenschen. Dass wir uns mit so einfachen Mustern mindestens abzufinden scheinen zeigt auch, wie schnell die Schwarmintelligenz in Schwarmdummheit umschlägt.
observerlbg 17.05.2018
4. So ein Quatsch!
"Die Welt war im Chaos". So so, die meisten Menschen wussten also nicht, was es morgen zu Essen gibt, sie hatten keine Heimat und vagabundierten wie Zoombies oder Heuschrecken über Wüstenlandschaften oder was? Nein, die Welt war relativ ausbalanciert. Es gab lokale Brandherde, die relativ unter Kontrolle waren. Für die Mehrheit der Weltbevölkerung ging es stetig bergauf. Nun wird mehr und mehr in Frage gestellt. Nun könnte man zynisch festhalten, die ungerechten Verhältnisse verdienen ausgemerzt zu werden, damit die Ärmsten der Armen endlich auch etwas vom Reichtum abbekommen. Ein sehr naive Vorstellung. Denn es sind die Ärmsten, die das Chaos jetzt bezahlen müssen. Mit Elend und Tod. Aber Hauptsache die geschundene US.-amerikanische Seele kann sich zufrieden zurücklehnen:" Endlich sind wir die Größten". Für wie doof halten uns die dicken, alten, weißen Männer? Und wie doof sind wir tatsächlich? Ich erinnere mal an die letzten "großen" starken Männer: Adolf Hitler, Josef Stalin, Mao Tse Tung.....
neowave 17.05.2018
5. Ein Demagoge.
Ein Demagoge reinsten Wassers, dieser posener von springers welt. Wie er die Toten am Grenzzaun mit getöteten , wie er sagt, "Terroristen" in von israelischer Luftwaffe zerbombten militärischen Einrichtungen gleichsetzte... Wie er den Iran als "den Terroristenfinanzierer" darstellte, aber unterschlug, das diese "Auszeichnung" seit Jahr und Tag, mit grösstem Abstand dem US-Freund Saudi-Arabien zusteht.... Putin, mal wieder, direkt, unmittelbar und allein für alles Schlechte dieser Welt, insbsondere für gehabte und für zu erwartende Kriege verantwortlich machte... u.s.w., u.s.w. ... das alles im Stakkato vorgetragen. Schwer erträglich, dieser Kerl. Selbst, wenn man von Springer-Leuten eh nicht viel hält.
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