"Maischberger" über Gleichberechtigung Willkommen in den Siebzigern

Sandra Maischberger diskutierte mit ihren Gästen über die Frage, ob Frauen immer noch benachteiligt werden. Tatsächlich landeten in der Talkrunde Argumente auf dem Tisch, die man so noch nicht gehört hatte.

Unternehmensberater Reinhard Sprenger und Grünen-Politikerin Katharina Schulze
WDR/Max Kohr

Unternehmensberater Reinhard Sprenger und Grünen-Politikerin Katharina Schulze

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Die Steilvorlage gab es schon, bevor die Diskussion angefangen hatte. Als Gesprächsgrundlage einen Spielfilm über die Siebzigerjahre zu zeigen, in dem Frauen für den gleichen Lohn für gleiche Arbeit vors Bundesarbeitsgericht ziehen, bittschön: Wir sind doch weit ins 21. Jahrhundert vorgedrungen, Fortschritt, Heute, Damals nicht vergleichbar. Ein Null-Thema, das Sandra Maischberger sich da vorgenommen hatte: "Kaum Chefinnen, weniger Geld", stellte die Redaktion in der Sendungsüberschrift fest und fragte dann: "Werden Frauen immer noch benachteiligt?"

Ja. Siehe Statistiken.

Die Talksendungen, die es rund um Teilaspekte von Gleichberechtigung und Diskriminierung allein in den vergangenen 12 Monaten gegeben hat, ach. "Wie viel Redundanz kann ein einzelner Mensch ertragen?", würde als Talkthema irgendwie besser passen. Als die Unternehmerin Judith Williams sagte: "Wir haben das gleiche Recht, uns zu verwirklichen, die gleichen Positionen zu besetzen und mitzusprechen", hätten somit eigentlich alle wieder nach Hause gehen können. Erst recht, da keiner ernsthaft über das relativ neue Entgelttransparenzgesetz reden wollte.

"Wir kommen aus einer sehr alten Welt"

Aber mei, nun saßen die fünf Gäste nun mal da. Und so lassen sich immerhin zwei Erkenntnisse festhalten: Es gibt Unternehmensberater, die Gleichstellungspolitik für "antidemokratisch" und "Nordkorea" halten. Und: Diskussionsrunden über GG Art. 3, Lohngleichheit, Diversity können erstaunlich unterhaltsam sein. Wenn wie bei "Maischberger" Argumente auf dem Tisch landen, die man so noch nicht gehört hat. Siehe Nordkorea.

Sandra Maischberger diskutiert u.a. mit Hajo Schumacher und Judith Williams
WDR/Max Kohr

Sandra Maischberger diskutiert u.a. mit Hajo Schumacher und Judith Williams

Es hätte fürwahr öder werden können, so einseitig wie die Runde besetzt war: auf der einen Seite Katharina Schulze, Chefin der Bayern-Grünen; dazu die Kosmetikfirmengründerin und Fernsehshow-Jurorin Judith Williams; Ex-DGB-Chefin Ursula Engelen-Kefer; und der Autor und Kolumnist Hajo Schumacher, der um Geduld mit den Männern bat ("Es ist ein Transformationsprozess, wir kommen aus einer sehr alten Welt"). Vier, die sich einig waren. Und auf der anderen Seite: Reinhard Sprenger, Unternehmensberater (Seminarthemen: "Radikal führen", "Konflikte als Energiequelle nutzen").

Schnell schnurrte die Fünferrunde allerdings auf ein Pingpong zwischen Sprenger und Schulze zusammen. Kuriositäten von ihm, fassungslose Repliken von ihr, die vor einem Rückfall in überkommen geglaubte Zustände warnte ("Wenn weniger Frauen im Parlament sind, wird weniger über Themen diskutiert, die Frauen wichtig sind"), dazu Zwischenrufe aus der Runde. Typischer Austausch: "Die Lebenslüge der Gleichstellungspolitik ist, dass es einen Unterschied gibt: Frauen können Kinder kriegen", so Sprenger - "Aber Väter..." grätschen alle anderen unisono dazwischen. Keine*r brachte das Gegenargument zu Ende, führte familienfreundliche Politik und Unternehmenskultur ins Feld, als sei es zu offenkundig.

Wieder Sprenger: "Die Quote ist ein Eingriff in die Würde der Frau", ein "Rückfall in patriarchale Denkmuster", sie suggeriere, die Frauen seien zu schwach, es alleine zu schaffen. Zudem würde man die Lebensplanung der Frauen nicht respektieren, die ja offensichtlich eine andere sei als Karriere zu machen und: "Frauen werden so nicht als Individuum angesehen, sondern als Gruppenwesen." - "Willkommen in den Siebzigern", rief Schumacher.

Als habe er sich vorgenommen, alle Stereotype abzugrasen, lehnte Sprenger sich raumgreifend ins Sofa und dozierte lächelnd im #Mansplaining-Duktus über Unternehmenspraktiken, obwohl vis-à-vis eine Unternehmerin das Gegenteil behauptete. Und er legte eine Ursache-Wirkung-Volte hin mit der These gegen Quote und Frauenförderung allgemein: "Wenn wir die Belegschaft spalten, spalten wir auch die Gesellschaft."

"Jeder hat das Recht auf eigene Meinung, aber nicht auf seine eigenen Fakten", sagte Schulze irgendwann auf Sprenger gemünzt. Der taumelte zwischen seinen eigenen Erfahrungen ("Männer sind heute reine Sättigungsbeilage in Besetzungsprozessen"), der Totschlagthese, dass sowieso nichts wirklich gerecht miteinander vergleichbar sei, und Statistiken, deren Quelle er nicht nannte. Dafür zweifelte er pauschal die Zahlen des Statistischen Bundesamts an, die die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen bei gleicher Arbeit ausweisen.

Daher hier für alle, die bei den jahrelangen Karussellfahrten rund ums Thema immer noch keine Statistiken kennen, ein wenig Lesematerial zum Abkürzen:

Am Schluss sagte der frühere "Anti-Quoten-Mann" Schumacher den so simplen wie großen Satz, der auf die Quote wie auf die Lohngleichheit passt, und zugleich zeigt, dass Gerechtigkeit eine geschlechterübergreifende Aufgabe sein muss: "Was kann denn passieren?" Eben.

Nach dieser Sendung zumindest und, ja, auch nach diesem Text: dass auf einmal viele Menschen wissen, wer Reinhard Sprenger ist. Und eben wieder nicht, wie die Frauen hießen, die 1981 vor dem Bundesarbeitsgericht erfolgreich Lohngleichheit einklagten. Beate Berger. Und 28 andere "Heinze-Frauen".

insgesamt 156 Beiträge
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Seite 1
dasfred 15.11.2018
1. Warum werden Frauen unterdrückt?
Weil es sich bewährt hat. Nach diesem bösen Satz eines Kabarettisten handeln männliche Führungskräfte leider immer noch. Die Hackordnung im Rudel wird nicht leichter abgeschafft, wenn man mit den Frauen die Konkurrenz noch erhöht. In sehr flachen Hierarchien stehen alle Mitarbeiter in direkter Konkurrenz. Die Fähigkeiten und Leistungen Aller werden vergleichbar und können unabhängig vom Geschlecht beurteilt werden. Leider haben viele Unternehmen ihre Führungsstruktur aus dem Militär übernommen und bringen damit immer nur kleine Gruppen unter die Kontrolle des nächst höheren Vorgesetzten. Dessen Hauptinteresse liegt selten darin, Menschen zu fördern, die ihn ersetzen, sondern die, die besonders loyal sind. Um nun dieser Quoten Diskussion zu begegnen, ist es eher angebracht, die Hierarchien abzuflachen. In gleichberechtigten Teams lösen sich viele Probleme von heute langsam in Wohlgefallen auf. Damit können dann auch Menschen wie Herr Spreng langsam ins Museum abgeschoben werden.
pck2 15.11.2018
2. "Werden Frauen immer noch benachteiligt?"
Antwort der Autorin: "Ja. Siehe Statistiken." Hier kann man im Grunde bereits aufhören zu lesen, der Rest kann nur noch ideologiegetränkter Humbug sein. (Was sich bei Durchsicht des restlichen Textes dann leider auch bewahrheitet.) Statistiken geben immer nur den Staus Quo einer Verteilung wieder, aber niemals die Gründe dafür, wie diese Verteilung zustande gekommen ist. Zur Analyse der Gründe braucht es zusätzliche Argumente, die nicht rein aus Zahlen kommen können. Diese simple Tatsache muß man verstanden haben, ansonsten kann man nicht sauber argumentieren und vergrößert nur den bereits viel zu großen Pool fakt- und sinnfreien Hashtag Gemeckers, welcher inzwischen die Möglichkeit halbwegs ernst zu nehmender Debatten an den Rand der Unmöglichkeit geschoben hat.
interessierter Laie 15.11.2018
3. nur 26 % der Parteimitglieder
aller im Bundestag vertretenen Parteien sind Frauen. Was also bedeutet die Einführung einer Quote? Aus einem Pool von einem Viertel der Mitglieder werden 50 Prozent der Spitzenplätze besetzt. Ein Kandidat hat also nur die halbe Chance einer Kandidatin. Für mich ist das Diskriminierung! Und wer fordert als nächstes eine Quote? Die Hauptschüler, die Handwerker, die Selbstständigen, die Nichtbeamten. Alle haben sie gemeinsam: Sie sind im Parlament unterrepräsentiert.
lordofaiur 15.11.2018
4. Sprenger
Sprenger hatte Recht. Er sprach die Probleme mit einer Quote sachlich und unverblümt aus. Jede Art von Quote ist eine Diskriminierung von Mann und auch Frau. Mir gefiel am besten der Vergleich mit Nordkorea. Es muss sich Leistung durchsetzen und nicht ein spezielles Geschlecht. Jede Frau die wirklich was drauf hat wird es schaffen. Das beste Beipiel ist doch gerade in Deutschland hier unsere Bundeskanzlerin. Sie ist garantiert keine Qutenfrau im Gegansatz zu den SPD-Politikerinnen wie Scheswig, Fahimi und Barley und wie sie noch alle hießen... alle vergessen.
sok1950 15.11.2018
5. blöd nur dass Sprenger Recht hat
dies aber nicht in das ideologische Konzept der SPON-Schreiberlinge passt.
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